Johannes Siebert (1870-1923)

Familie Johannes Siebert (1870-1923)

Meine Urgroßeltern Siebert 

 

Helene mit dem Sohn Jakob auf dem Schoß, Johannes mit Sohn Peter, Sohn Johannes, Tochter Anna, Vater Johann Siebert mit Enkelsohn Willi.

Dieses Foto muss aus dem Jahre 1905 gewesen sein, den in diesem Jahr wurde mein Opa Jakob Siebert geboren.

Zu diesem Bild gibt es eine kleine Geschichte:

Helene Siebert (geb. Penner) hatte mal mit ihrem kleinen Sohn Hermann ihre Cousine Helene Esau (geb. Penner) besucht. Sie hatten sich über das Foto unterhalten. „Wo wehe dan ick?“ (Wo bin den ich?) – wollte Hermann wissen. Seine Mutter hatte ihm auf Plattdeutsch geantwortet: „Du saatst auf de Kalleluck und atst de Grett vom Buck“ (du saßt noch auf der Kellerlücke und hast die Grütze vom Bauch gegessen). Er war damals noch nicht geboren. Auf die kleine Anna Esau (meine Oma), die bei diesem Gespräch dabei war und sich das Ganze sehr bildlich vorgestellt hatte, machte das einen sehr negativen Endruck von der Familie Siebert. Wie furchtbar – die ganze Familie lässt sich fotografieren und das arme Kind muss Zuhause ganz allein  auf der Kellerlücke sitzen und sich von den Resten ernähren.

 

Johannes Siebert mit Ehefrau Helene Peter Penner

Johannes Siebert (21.07.1870-01.08.1923), #1153180 heiratete Helene geb. Penner (27.11.1870 – 04.12.1939), #1153178 und bekam mit ihr sieben Kinder:

-Johannes (22.03.1896-11.12.1943), #1157809, verheiratet mit Helene Engbrecht (†14.05.1921), #1254927, zweite Ehe mit Louise Abr. Bergmann (12.01.1904-17.09.1986), #1157808

-Anna (21.11.1898-05.11.1973), #456587, verheiratet mit Gustav Jak. Fröse (19.06.1896-05.05.1970), #461873

-Willi (als Kind gestorben),

-Peter (01.11.1903-19.12.1943), #1254560, verheiratet mit Maria Peter Bergmann (06.03.1906-11.04.1986), #1258646

-Jakob (30.01.1905-20.05.1976), #1254548, verheiratet mit Loise Joh. Fröse (19.01.1908-29.09.1972), #1254337 meine Großeltern Siebert.

-Herman (18.01.1909-08.03.1938), #1254373, verheiratet mit Erna Herm. Fast (19.04.1909-04.1943), #1254945

-Kornelius (17.07.1916-18.06.1985), #1236125, verheiratet mit Katharina Heinr. Töws (26.06.1916-2010), #1236124.

Helene konnte im Umgang mit ihren Mitmenschen sehr  undiplomatisch sein, aber sie war ein gutherziger Mensch. Kornej Korneewitsch Wiens, der sie gut kannte, hatte sie als eine Person mit einer harten Schale aber mit einem süßen Kern genannt.

Johannes führte eigene Landwirtschaft und beschäftigte Knechte (Fam. Ekkart).

Nach der Revolution (genaues Jahr kennt keiner) war Johannes Siebert mit der Familie nach Altaj ausgewandert. Dort wohnte schon der Bruder von seiner Frau Peter Penner. Der Aufenthalt dort war relativ kurz. Über seine Rückkehr zum Trakt kann man in den Erinnerungen von Jakob Wiebe (*1887) lesen: „…Nun sorgte Schwager Johannes <Bergmann> dafür, dass Anna <Frau von Jakob> gute Einwohner bekam. Es war die Familie Johannes Sieberts, sie hatten längere Zeit in Sibirien gewohnt, waren in dieser  schweren Zeit zurückgekommen und hatten nun keine eigene Wohnung. Diese Sieberts sind Anna zum großen Segen geworden. Sie waren für Anna wirklich treue freunde in der Not. Herr Siebert sorgte dafür, dass doch etwas Lebensmittel ins Haus kamen. 

In dieser Schweren Zeit, wo auch schon in unseren Dörfern einige an Hunger starben, bauten die Kommunisten eine Telefonleitung durch unsere Dörfer. Jascha <(*1918) Sohn  von Jakob und Anna> war damals noch nicht ganz drei Jahre alt. Sieberts hatten einen Kornelius, etwa zwei Jahre älter. Die Jungen waren gute Kameraden und sahen mit großem Interesse zu, als die hohen Telefonpfosten aufgestellt wurden…“   

Weil es in den Erinnerungen um das Jahr 1921 handelt so könnte es sein, dass Familie Johannes Siebert in diesem Jahr nach Ostenfeld zurückgekehrt war. Weil sie keine eigene Wohnung hatten zogen sie in das Haus Jakob und Anna Wiebe in Lysanderhöh ein. Jakob Wiebe selbst war vor dem Tribunal der Roten Armee nach Deutschland geflohen. Seine Frau Anna wollte mit den Kindern ihrem Mann folgen, musste aber warten bis ihre Papiere fertig waren. Im Oktober erkrankte sie an Typhus und Helene Siebert hatte sie gepflegt. Ende November wurde sie wieder gesund und machte sich auf den Weg nach Deutschland. Das Haus überliess sie Johannes Siebert in der Hoffnung einige Zeit später wieder zurück zu kommen, wenn eine neue Regierung an die Macht kommt.

Doch dazu war es nicht gekommen. Am 28 August 1922 schreibt Anna Wiebe in Deutschland in ihrem Tagebuch:

„Mit schwerem, schwerem Herzen habe ich heute die Nachricht gelesen, dass man unser gewesenes trautes Heim in Russland für immer nähmen will. Sieberts, unsere so lieben Einwohner hat man hinausgewiesen. Die Geschwister und Nachbarn kamen hin und mussten alles, alles ausräumen was die Bolschewiken noch nicht aufgeschrieben hatten (denn das war ihr Eigentum) und so das Hause vorbereiten für den Einzug der Kommunisten. < … > Die liebe Schwägerin Anna <Bergmann, geb. Wiebe>, die uns alles schrieb, war es sehr schwer ums Herz das alles mit anschauen zu müssen, und Sieberts sind mit schwerem Herzen aus unserem, jetzt ihrem Heim gezogen. Auch sie haben damit viel verloren, auch selbst von ihrem direktem Eigentum ist ihnen manches genommen <worden>. Bei Lavke – Bergmanns sind sie jetzt eingezogen und die Sachen, die man noch aus unserem Heim retten konnte, sind bei verschiedenen Nachbarn untergebracht.“ Abraham Lavke – Bergmann, bei dem Sieberts untergekommen waren, war mit Maria Janzen – Nichte von Johannes Siebert verheiratet.

Helene Janzen (geb. Siebert, Halbschwester von Johannes) erinnerte sich, dass Johannes eines Tages mit einem kleinen Säckchen Hirse hach Hause gekommen war. Er legte es auf den Tisch und sagte zur seiner Familie: „Das ist alles was ich für den ganzen Schmuck unserer Familie (goldene Eheringe, Halskette mit Anhänger usw.) kaufen konnte“. Den Schmuck hatte er beim Torgsin verkauft (Торговля с иностранцами).

Vermutlich Mitte 1922, nach dem die Familie das Haus von Jakob Wiebe verlassen musste, hat Johannes mit eigenem Hausbau in Ostenfeld begonnen. Er sagte zu seinem Sohn Peter, der noch die Schule besuchte: „Ich glaube du hast jetzt genug gelernt, mach Schluss mit der Schule und helfe mir beim Bauen“. Als der jüngere Bruder Jakob (mein Opa) diese Worte hörte, sagte er zu seinem Vater: „Ich habe auch genug gelernt und ich kann dir auch beim Bau helfen“. So machten beide Schluss  mit der Schule und packten beim Bau mit an. Die beiden Brüder standen sich sehr nah. Sie hatten nur ein Jahr Altersunterschied und waren fast unzertrennlich.

Soviel war von Großmamas Haus 1991 übrig geblieben

Doch den Bau konnte Johannes nicht vollenden. Es gab 1923 eine Typhusepidemie im Süden Russlands. Als die Epidemie schon fast vorbei war, erkrankte Johannes Siebert. Zum Typhus kam bei ihm noch eine Erkältung dazu, die er nicht überlebt hat. Seine Söhne hatten das Haus fertig gebaut.

Das Haus war aus Holz gebaut, hatte vier Stuben. Das Dach war auch aus Holz. An den Fenstern waren rote Fensterläden. Es wurde „Großmamas Haus“ genannt.

In den 30er wohnte in dem Haus der jüngste Sohn Kornelius mit seiner Familie und seiner Mutter Helene.

Familie von Johannes Siebert und Helene (geb. Penner)
Hinten: Peter, Johannes, Foto vom Vater Johannes, Gustav Fröse, Hermann
Vorne: Maria (Bergmann), Louise (Bergmann), Mutter Helene (Penner), Kornelius, Anna, Jakob. Foto ca. 1926

Nach dem Tod ihres Vaters Johannes Siebert hatten mein Opa Jakob mit seinem Bruder Peter einiges versucht um mit der Familie über die Runden zu kommen. Unter anderem hatten sie Rinder gekauft, geschlachtet, aus dem Fleisch Wurst gemacht und in Saratow verkauft. Sie hatten auch Pläne geschmiedet einen Traktor anzuschaffen,  doch mit dem ende der NÖP konnten sie nicht verwirklicht werden.

 

Nun bin ich noch ein mahl gekommen Lebt wohl bis wir uns wiedersehn. Es wird hierüber wohl nicht mehr geschehen. So grüßt Euch aus weiter Ferne Eure an euch denkende Mutter
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