Kornelius Joh. Fröse (1919-2010)

Dieser Lebenslauf wurde mir von Helene Trippel zugeschickt.

Kornelius Fröse (seine Großväter waren Kornelius D. Fröse (1868-1929) und Lehrer Franz Bartsch (1854-1931), aus Lysanderhöh ) beschreibt hier kurz seine Kindheit in Lyssanderhöh, Am Trakt und später in der Kolonie Alt-Samara. Sein Militärdienst 1940-1941. Danach die Zeit in der Trudarmee und seine Haft an der Kolyma. Das Leben seiner Familie in Karaganda 1952-1990 und die Auswanderung nach Deutschland. Ich habe unwesentliche Korrekturen und Kürzungen gemacht, sowie in <….> Klammern Erläuterungen zu russischen Begriffen geschrben. A.W.

Erinnerungen von der Kindheit bis ins Alter

Alles was mich zu diesem Schreiben bewegt, ist nicht nur um meine persönlichen Erlebnisse festzuhalten, sondern viel mehr die Tatsache, das ich das ganze Leben von Kindheit bis ins Alter, nur durch Gottes Führungen und Wundertaten, die er auch an mir bewiesen und vollbracht hat, erlebt habe. Im Jahre 1919 wurde ich in Russland, im Gebiet Saratov auf einer Mennoniten Ansiedlung Am Trakt, in einem Dorf Lysanderhöh, geboren. Meine Eltern Johannes Fröse und Helene Fröse (geb. Bartsch ), wohnten zu jener Zeit bei meinen Großeltern Kornelius Fröse. Sie waren wohlhabende Bauern. Seit der Revolutionszeit, als die Roten die Macht in Russland nahmen, mußten alle jungen Männer in den Dienst. So wurde auch mein Vater Johannes Fröse in die Forstei , einbezogen. In der Forstei jedoch, herrschte Typhus; mein Vater erkrankte und kam nie mehr nach Hause. Er starb an der Krankheit. Ich kannte meinen Vater gar nicht, denn ich war ja noch nicht mal ein Jahr alt, als er einbezogen wurde. Meine Mutter und ich wohnten noch mehrere Jahre bei den Großeltern Fröse. Dann im Jahre 1925 ging meine Mutter mit mir zu ihren Eltern Franz Bartsch. Großeltern Fröse wanderten mit ihren Familien im Jahre 1927 nach Kanada aus. Wir wohnten nun mit Großeltern Bartsch zusammen. Mein Großvater Franz Bartsch, war 28 Jahre Lehrer im Dorfe Lysanderhöh. Bald nach der Revolution, wohl im Jahre 1920, gab er das Lehreramt ab. Von da an unterrichtete er nur noch Religionsstunden in Privatstuben, außerhalb der Schule. Doch dann kamen die „üblen Zeiten“ zum Vorschein. In der Zeit von 1929 bis 1931, durfte vom Christensinn nichts mehr gehört werden. Die Kirchen wurden zerstört, die Kreuze runtergerissen usw. Die meisten Lehrer waren von nun an Kommunisten. Und so fing der grausame Kommunismus auch am Trakt an. Allen reichen Bauern wurde das ganze Hab und Gut weggenommen. Sie wurden weit nach Kasachstan in die öden Steppen und in das öde Wüstenland verschickt, wo dann auch sehr viele (die Mehrheit) aller kleinen Kinder und älterer Menschen starben. Auch viele Prediger vom Trakt wurden in den hohen Norden verschickt, wo sie dann auch ums Leben kamen. Währenddessen ging ich Am Trakt in Lysanderhöh zur Schule. Meine ersten Schuljahre (bis zur dritten Klasse ), das war Anfang 1930, wurden auf Fotos festgehalten. Auf dem allgemeinem Schulbild sieht man meine Lehrer: ein Abram Gisbrecht und ein schon älteren – Peter Dick. Nachdem man die meisten Bewohner aus den Dörfern ausgesiedelt hat, kamen auswärtige Familien in die Dörfer; ein sehr raues Volk. Da die meisten von ihnen Kommunisten waren, nahmen sie sofort die Oberhand in den, Dorfsowjets, und organisierten Kollektive. Uns, den zurückgebliebenen wurde alles, bis auf eine einzige Kuh weggenommen. Mein Großvater (Bartsch) starb am 14. November 1931. Im Haus blieben jetzt nur noch meine Großmutter, Mutter und ich. Diese Jahre waren schwere Jahre. Zum Winter hatten wir Kartoffeln und Gemüse aus unserem Garten. Aus Kanada bekamen wir von dem Bruder meines Vaters, David Fröse, etliche Dollar geschickt. Auch aus Deutschland bekamen wir 25 DM. Mit diesem Geld konnten wir in Saratov Nahrungsmittel Torgsin <russisch Торгсин – торговля с иностанцами, Verkaufsläden, wo man Waren mit ausländischen Währungen einkaufen konnte. A.W.> kaufen. Mutter hatte auch noch zwei Brüder mit ihren Familien, die hatten auch nichts zu essen. So fuhren wir und brachten etwas Mehl, Grütze, Hirse und etwas Zucker. Mutter verteilte es in gewisse Teile. Aber unsere Freude an diesen Produkten, sollte nicht lange sein. Es war im Winter 1932, kurz vor Weihnachten, als nachts drei Männer – lauter Kommunisten an unsere Tür klopften und uns drohten, das wir sofort aufmachen sollten. Es war eine Kommission aus dem Dorfsowjet, die eine Hausdurchsuchung machte. Wir sind aus den Betten raus und öffneten die Tür. Die Männer kamen rein und nahmen uns alles was wir hatten – d.h. nicht nur was wir aus den Torgsin für Marken und 31 Dollar hatten, sondern auch das, was wir aus unserem Garten geerntet hatten: Kartoffeln, Sauerkraut und alles andere. Alles nahmen sie mit auf den Schlitten. So sassen wir alle drei und weinten die bittersten Tränen. Dann prüfte meine Mutter noch mal alles, sie hatte nämlich noch einen goldenen Armring, als Andenken an meinen Vater. Der Ring lag immer im Glasschrank in einer Ecke. Als sie das Kästchen öffnete, war auch der Ring weg. Ja, meine liebe Mutter mußte vieles Leid tragen. Aber sie war trotzdem nicht mutlos. Morgens ging sie noch mal auf den Hausboden, wo die Banditen alles umgewühlt hatten. Auf dem Boden hatte Mutter nämlich eine Milchkanne mit Mehl, noch von früher, zur Seite gelegt. Jetzt hatte wir wieder Hoffnung. Wir konnten jetzt ja auch wieder Gott danken, für dieses, was uns noch geblieben war. Und so haben wir dann noch bis zum Juni 1933 Am Trakt gewohnt. Dann fuhren Mutter, Onkel Wilhelm Bartsch und ich nach Samara, Alexandertahl. Dort waren noch von Großmutters Seite Verwandte und Schwestern . Da war es in der Ansiedlung noch viel besser als Am Trakt, zu jener Zeit. Wir wurden sehr freundlich aufgenommen und so waren Mutter und Onkel Wilhelm eine Woche dort. Während ich eine Woche bei Verwandten in Samara blieb, fuhren Mutter und Onkel Wilhelm zurück. Mutter brachte Großmutter mit und Onkel Wilhelm seine Familie mit fünf Kindern. So fingen wir dann in der neuen Heimat an, aber wir waren doch nicht ganz zu Hause. Wir waren ja nur Zugereiste. Aber wir haben uns bald eingelebt, haben auch in einem Kollektiv gearbeitet. Da ging ich dann nochmals zur Schule: von der fünften bis zur siebten Klasse. Alles war in deutscher Sprache. Russisch konnten wir nur sehr schlecht, da wir wenig Umgang mit Russen hatten. Als ich 1936 die siebte Klasse beendete, war ich schon 17 Jahre alt. Ich hatte große Lust Schoffer <russisch шофёр, umgangssprachliche Bezeichnung für Berufskraftfahrer. A.W.> auf dem Auto zu lernen. Aber das war ja gar nicht so einfach zu jener Zeit. Man mußte, wenn man im Kollektiv war, auf die Erlaubnis vom Vorsitzenden hoffen, erst dann konnte man Schoffer (vom Kollektiv) aus lernen. Aber das war für mich unmöglich. Denn da waren außer mir, sehr viele, die ihre Bekannten als Schoffer durch „gute Kontakte“ durchmogelten. Nach Schulende fuhr ich deshalb sofort nach Lysanderhöh. Da bekam ich meinen Geburtsschein und darauf einen Paß. Nun war ich von dem Kollektiv nicht mehr abhängig. Ich habe Mutter auch wieder sehr viele Gedanken gemacht, dennoch haben wir so viel Geld zusammen genommen, daß ich drei Monate im Rajon Koschka auf eigene Kosten lernen konnte. Es gelang mir aber von Anfang an nicht, denn es fehlte mir an der russischen Sprache. Aber dennoch, alle diese Schwierigkeiten, dieses häufige Mißlingen gehörten immer zum Besten. Manchmal war ich schon fast am Verzweifeln, weil es mir nicht gelang ein Examen abzugeben. Eines Tages traf mich ein bekannter Russe und fragte mich, ob ich mein Examen immer noch nicht abgegeben hatte. Ich sagte:“Nein, ich weiß nicht was ich noch machen kann“. Der Russe war ein Bekannter des Inspektor in der Stadt Samara. Er sagte mir: „Ich fahre morgen nach Samara und du sorge dafür, das du mit mir fährst. Nimm aber zwei Flaschen Wein oder Schnaps mit und einen halben Käse. Und dann wirst du das Examen bestimmt bestehen.“ Ich wußte gar nicht was ich sagen sollte. Ich sprach daraufhin mit Mutter sie wußte auch nicht wozu das alles gut sein sollte. Aber dennoch haben wir es versucht. Ich brachte einen halben Käse und das Geld für den Wein und alles war in Ordnung. So kamen wir dann so langsam hinter das Sprichwort: „Wer gut schmiert, der gut fährt.“ Das war für mich etwas Neues . Und so wurde ich Schoffer. Ich arbeitete aber in einem Kolchos dicht bei der Stadt Millikes. Über Neujahr fuhr ich nach Alexandertahl und gedachte Mutter um eine oder zwei Wochen dort hin zu nehmen. Aber der Mensch denkt und Gott lenkt. Ich war etliche Tage zu Hause bei Mutter und unseren Verwandten, welche auch bei uns in Alexandertahl in unserem Haus wohnten. Nun war meine Zeit abgelaufen, ich mußte wieder zu meiner Arbeitsstelle fahren. Ich nahm mir vor, den 7.01.40 von Alexandertahl bis zum Rajon zu fahren, dort zu übernachten und so den 8.01.40 morgens mit dem Zug schon wieder auf meinem Arbeitsplatz zu sein. Aber dieses Vornehmen sollte nicht in Erfüllung gehen. Es war ein ganz anderer Plan Gottes für mich. Ich befand mich gerade im Rajon bei Bekannten im Quartier, als ganz unerwartet sich die Türe öffnete und meine liebe Mama erschien. Und ich sah in ihren Augen Tränen. Ich fragte: „Mama, was ist passiert?“ Sie überreichte mir ein Papier (powestka). Da stand das ich sofort zum (wojenkomat) Militärbüro kommen muß und dort werde ich in die Rote Armee mobilisiert. So gingen wir mit Mama noch gemeinsam zum Militärbüro und nach kurzer Zeit mußten wir uns dort verabschieden. Ich mußte mit allen, die auch einberufen wurden in den Zug steigen und Mama blieb mit schwerem Herzen zurück. – Es war Krieg in Finnland.

Jetzt fing wieder ein neues Leben an – in der Roten Armee, in der Tankowaja Divisija ( Panzer Division ). Wir fuhren mehrere Tage in kalten Viehwagons. Wir haben immer auf Haltestellen Holz beigeschleppt, um den kleinen Ofen zu heizen, den es war kalt. So kamen wir einen Abend, den 16.01.40 in Schichani an. Wir wurden ausgeladen und gingen noch zwei bis drei km, bis zum Kriegslager, wo wir in die Badestube kamen. Da, wo wir alle geschoren wurden und gereinigt von Ungeziefer. Unsere Kleider mußten wir zusammenschnüren; die wurden nach Hause geschickt, das Beste wurde noch gestohlen. Wir wurden in Soldatenformen umgekleidet und dann, wie man sagt zwei Wochen eingefahren. Da ergab es sich, daß ich und noch ein deutscher, den Führerschein hatten. So bekamen wir Autos und mußten fahren. Wir hatten es leichter und besser eine Zeitlang. Ja, wir waren acht deutsche Jungs aus Alexandertahl, zu dieser Zeit in die Armee genommen worden. Und so kamen wir nach “Priwolsk“. Dort mußten wir (zwei Schoffers) alle Tage mit den Kursanten fahren, praktische Fahrten machen. So ging es zwei Monate. Der Krieg mit Finnland endete im März 1940. So waren wir noch bis Ausgangs Mai. Dann wurde die Division verteilt, eine Hälfte kam nach Bessarabien (Moldavien) und die andere nach Leninakan (Armenien). Wieder war es für mich eine Enttäuschung, denn von allen unseren deutschen Jungs, die alle nach Bessarabien kamen, kam ich alleine nach Leninakan. So diente ich also in Leninakan bis 1941, bis zum Kriegsanfang mit Deutschland. Zu dieser Zeit hatte ich regelmäßigen Briefwechsel mit meiner Mutter und meinen Verwandten. Jetzt muß ich sagen, bis jetzt hatte ich wohl hin und wieder mal gebeten, aber wenn man so Tag für Tag so seine Gedanken führt und schon mehr denkt: „Nun hab ich wohl noch ein halbes Jahr zu dienen, dann kann ich nach Hause usw.“ Aber jetzt, wie wir erst wußten, es ist Krieg und man hörte, wie viele schon alle Tage gefallen waren und wie Ernst die Zeit ist, dann wurde es einem schwer. Wir wurden von Leninakan bis Nachitschewan und bis zur Grenze mit Iran geschickt, mit alle Tanke (Panzern), Autos und allem, was noch dazu gehörte. Ich fuhr ein leichtes Auto mit verschiedenen Offizieren, alle Tage am „Ararat“ die verschiedensten Gegenden in den Gebirgen und hörte dann die verschiedensten Gespräche, die die Offiziere führten. Sie meinten oft: “Ja, mit unserer Technik, unseren Panzern ist es hier beinahe unmöglich“. Und so kam ich eines Abends in das Zelt, wo wir dann im Lager schliefen. Rundum stand Wache. Und hier muß ich gestehen, mich überlief solch ein Heimweh; ich gedachte an meine liebe Mama, denn uns wurde schon immer gesagt: „Wir warten nur auf einen Befehl und dann geht es über die Grenze nach Iran.“ Ja, das heißt vielleicht auch sterben. Und ich weiß nicht mehr, wie lange ich gerungen und geweint habe. Und alles in solch einem Ernst zu Gott geschrien, nicht mit lauter Stimme, aber von ganzem Herzen. Wie kann ich hier raus kommen, ich fand keinen Rat. Wo ich etwas vornehme, bin ich Deserteur und man erschießt mich. Nach einer langen Zeit, merkte ich, das mein Kissenbezug von all den Tränen durchnäßt war. Dann schlief ich gut ein. Am nächsten Morgen um 6.00 Uhr, stand alles auf, da war die Küche auf den Rädern. Jeder ging mit seinem Kotelok (ein Aluminium Geschirr). Das untere ist für die Suppe, der Deckel zum Tee oder Kascha, Grütze oder das zweite Essen. Dies alles machte man gewöhnlich beim Stehen, denn Bänke, Stühle und Tische gab es dort nicht. Dann wusch man den Kotelok aus und steckte alles wieder in den Rucksack und dann ins Auto. Dann fuhr man von der stabnaja Palatka Zelt. Und dann ging es los; drei bis vier Offiziere setzten sich rein. Einer kommandierte und so fuhren wir bis Nachitschewan oder auf andere Stellen. Und es waren wohl drei oder vier Tage, nachdem ich mich so sehr an Gott wandte; ich verließ mich wirklich nur darauf und wie wunderbar mußte ich erfahren. In dieser Gegend, wo wir uns befanden gab es sehr viele Soldaten und Offiziere, die an der Malaria, man nannte sie, wie ich noch weiß (sakawkaskaja Malrija) und ich erkrankte auch. Ich weiß nur noch: ich fuhr bis an das Zelt, da kam der Kommandeur raus und sah auch gleich, daß ich am ganzen Körper zitterte. Er ließ sofort einen Sanitär kommen, während ich schon sehr hohes Fieber hatte. Ich wurde sofort in eine Aula, da war eine Schule eingenommen für kranke Soldaten und Offiziere, gebracht. So lag auch ich schon mit hohem Fieber und man fuhr die kranke alle bis zur nächsten Bahnstation und brachte uns nach Tbilisi. Dort wurden wir sehr gut gepflegt. Nach ungefähr einem Monat wurde ich und noch 15 andere Nationalitäten, rausgeschrieben. Dann kam ich wieder in ein Reservebataillon. Die anderen 15 wurden sofort verteilt, ich blieb übrig. Das war für mich wieder was Neues. Erst war ich still, aber am anderen Tag fragte ich einen von den Kommandeuren, mit welchem ich zusammen war, wann sie mich denn nehmen werden. Er meinte: „Die werden auch für dich noch Platz finden, so lange du hier frei bist, geh in der Speisehalle und überall rum“. Nach dem dritten Tag ließ man mich in den Stab rufen. Da saß ein Kapitän: „So, Fröse auf den Befehl Nr. . so und soviel, wirst du in ein Strojbat. (Arbeitskolonne) übergeführt“. Ich hatte ja keine Vorstellung, warum gerade ich in den Strojbat, sollte. Früher wie ich noch in Leninakan diente, war das für denjenigen der übergeführt wurde in den Strojbat wie, oder sogar eine Bestrafung. Deshalb fragte ich, weshalb ich dorthin überführt werden soll? „ So,- sagte der Kapitän- du brauchst nicht denken, das du etwas verschuldet hast, aber es werden dort noch Leute gebraucht. Und da ein Offizier gerade nach Tbilisi fährt, kannst du gleich mitfahren. Er zeigt dir, wo das Strojbat ist“. Ich kam erst etwas später dahinter, das dieses schon mein Begleiter war, der mich auf Ort und Stelle brachte. Es war in Tbilisi eine Awia Schule (Flugschule), die wurde zeitweilig benutzt um alle deutsche aus den Armee vom ganzen Kaukasus zu sammeln, denn im August 1941 kam der Befehl: „Alle deutsche aus den Armeen in die Arbeitslager zu überführen“. Und so war ich nun auch mit allen Deutschen zusammen. Ich war schon mehr von den letzten. In zwei Wochen wurden wir alle in einen langen Zug von Viehwaggons gepackt und man brachte uns nach Kirow. Ja, es waren so viele, sehr verschiedene Arten von Soldaten und Offizieren, Kommandeuren; es waren Flieger, Panzerfahrer, Infanteristen, Minensucher usw. Jetzt waren es alle gleiche Arbeiter mit Spaten, Schaufeln (kirki), (lomi), Erdarbeiter. Es wurden von Leningrad (Petersburg) ganze Betriebe (sawody) evakuiert und dazu mußten im Winter große Flächen zum Fundament gegraben werden. Und die großen Gerüste wurden für einen Betrieb wieder gebaut (verarbeitet). Es war eine sehr schwere Arbeit, ich muß sagen, ich wurde von dieser Arbeit vorläufig verschont, denn ich bekam die Möglichkeit mit einem Auto zu arbeiten. Wenn ich auch oft von früh morgens bis spät in die nacht Arbeit hatte, war es dennoch erträglicher und ich konnte auch öfters etwas zum Essen auftreiben; den Kartoffeln, auch hin und wieder etwas Brot oder Mehl. Aber schon ausgangs März 1942 wurden wir von Kirow nach der, Wajetskaja Polajna, geschickt, das war eine sehr mühsame „Reise“ – zu Fuß – 250 km. Wir waren wohl etwas über zwei Wochen unterwegs. Es waren noch zwei Fuhrwerke, welche noch Produkten und wenn schon etliche sehr schwach waren, die schon nicht mehr gehen konnten, so wurden sie auf die Fuhren geladen. Dann wurden wir zu Nacht in Dörfern verteilt. Danach bekamen wir unser Stückchen Brot und wenn es noch gute Russen waren, dann waren doch noch viele, die uns noch eine Schüssel Kartoffeln, kochten. Wir waren 150 Mann, als wir diese Strecke gehen mußten. So kamen wir dann auch wieder ans Ziel, dort gab es Wälder mit hohen Fichten – gutes Baumholz. So war für uns wieder nicht leichte Arbeit gefunden. Aber überall fehlte die gute Kost, es waren ja alles junge Leute aus der Armee genommen. Und da gab es schon Menschen, die schon zu schwach waren. In dieser Gegend waren wir auch nicht lange. Es war
Anfangs Juni 1942. Nun möchte ich aber erst schreiben, ehe ich weiter gehe, von den Unserigen, von Mutter und allen Verwandten und allen Deutschen, die rund um den Rajon Koschka wohnten.

Es war der 5. Dezember 1941, so wurden alle in einer ganz kurzen Zeit von paar Tagen aus allen Dörfern weggeschickt. Sie mußten alles stehen und liegen lassen. Sie konnten nur das Notwendigste mitnehmen. Und so wurden alle in Viehwaggons eingeladen und unter Aufsicht bis nach Kasachstan gefahren. Die Sachen, welche man noch in Kasten eingepackt hatte, gingen alle verloren. So kamen sie in Kasachstan, Nurinsk – einer Station, an und wurden ausgeladen. Dort hatte man schon eine ganze Schar von Schlitten mit Ochsen, Kamelen und Fahrleuten Kasachen, hingeschickt, welche die Deutschen bis zu 100 km. und noch weiter fahren mußten. Da gab es dann auch sehr viele Unannehmlichkeiten. Da waren viele mit kleinen Kindern und alten Leuten. Meine Mutter mit ihren zwei Schwestern und Kindern, wurden auch 100 km. auf Ochsenschlitten bis nach Aulen, nach Kasachstan in Lehmhütten , sehr niedrig: eins – zwei kleine Fenster gebracht. Da wohnten sie zusammen mit diesen Kasachen. Man muß sich denn noch wundern, wenn sie auch selbst nur geringe Wohnungen hatten, so nahmen sie dennoch die Deutschen auf. Sie hatten geflochtene Kasten, da hatten sie (die Kasachen) ihre Sachen drin und oben einen stark geflochtenen Deckel. Das war gleichzeitig ihr Bett und Schrank. Mit Essen war es auch sehr mühsam. Sie hatten Steine, womit sie ihren Weizen zur Grütze zermahlten. Das mußte man alles mit den Händen machen diese Steine hin und her reiben. So haben dann auch unsere Frauen und Kinder für das Weizenmahlen, Geld verdienen können, so das sie sich dünnen Brei kochen konnten. Und so mußten unsere Leute sehen, wie sie durchkamen. Meine Mutter hatte ihre Nähmaschine bei sich behalten und nicht in die Kasten gepackt. Das war jetzt auch noch wieder Gott sei dank, eine große Hilfe. Denn hier konnte sie so manches Stückchen Brot verdienen, mit Nähen. So waren wir jetzt auch alle wieder verstreut, aber dennoch erhielt ich von Mutter, als ich noch in Kirov war, einen Brief mit der Adresse, schon aus Kasachstan. Und so gelang es uns immer. Wenn ich irgendwann wieder auf eine neue Stelle kam, schrieb ich gleich einen Brief, so das wir so lange ich in der Trudarmee war, dennoch einigermaßen wußte, wie es mit allen geht. Ich schreibe jetzt weiter vom Jahre 1942, Juni. Da kam es, das wir alle von dieser Stelle aus den Wäldern auf Schiffe geladen wurden und kamen auf der Wolga bis so 50 km. von Uljanowsk. Da wurde eine Eisenbahn gebaut: Uljanowsk – Kasan “ Rajchsk“. Diese Strecke wurde so schnell wie möglich Kolonenweise verteilt und bis zum Herbst 1942 war die fertig. Mir gelang es auch hier eine Zeitlang auf Autos zu fahren. Spallen <russisch – шпалы – Esenbahnschwellen A.W.> und langes Rundholz zum Brücken bauen und so ungefähr zwei Monate arbeitete ich als Schoffer. Als jetzt der Eisenbahnbau beendet war, wurden alle diese Menschen wieder verteilt. Eine Gruppe kam nach dem Ural und eine nach die Kohlen Schachten in Moskauer Gegenden, wo auch ich hinkam. So kamen wir schon im November an die Station „Uslowaja“, wo wir 10 km. ab in einer Schachte Nr. 7 arbeiteten. Dort muß ich sagen, waren wir schon alle vermischt. Da gab es schon noch jüngere und auch ältere Leute, als nur die wir erst alle aus den Armeen kamen. Nun es war ja auszuhalten, aber dennoch, bei solcher Arbeit und Normen auszuarbeiten, war solch eine Kost zu schmal und wenig. Unsere Kräfte nahmen ab und unsere Obrigkeit schrie: „Dawaj, Dawaj“. Da hörte man schon oft genug : „Ihr Faschisten.“ Anfang 1943, wurden wir wieder so an 300 Mann auf dem Zug weiter gefahren, nach einer kleineren Stadt Skorpin. Dort gab es auch die selben Schachten. So kamen wir dort an und bekamen auch Stuben. Es waren hölzerne zwei Stock Häuser, so das wir von sechs bis acht Mann in einer Stube waren. Wir hatten aber bis zur Schachte zwei km. zu gehen. Dort war auch die Speiseküche, wo wir unser tägliches Essen bekamen. Unsere Schachte war eine neu angefangene. Es war sehr naß, manchmal war alles bis an die Knöchel mit Wasser. Es gab noch keine Eisenbahn bis zur Schachte. Die neue Schachte war drei km. von der alten Schachte entfernt. Wo die Eisenbahn war, dort wurde alles Holz, welches unten in den Schachten zum Rahmen stellen und ausbauen nötig war , gesammelt. So wurden dann ungefähr zu zwei km. alte Schienen besorgt. Und so kam das Holz dann auf Waggons, bis da gefahren. Und einen km. mußten wir alle diese Stämme auf den Schultern tragen. Bis an den Ort, wo man sie in die Schachten runter ließ. So war das eine Haupte schwere Sache. Eher wir in die Schachten runter kamen, mußte erst jeder seinen Holzstamm gebracht haben. Das war so bestimmt und auch wenn du aus der Schacht kamst, mußten alle das Holz zur Schacht bringen. Der Direktor von der Schacht wußte auch schon nicht mehr was er machen sollte. Die zwei Pferde die die Schachte besaß, waren schon sehr schwach, gerade so wie auch wir deutsche Arbeiter. Und so ergab es sich, daß der Direktor eines morgens gerade in unsere Stube hereinkam, wo wir acht Mann drin waren und fragte: „Sagt mal ist jemand hier unter euch, der früher als Schoffer gearbeitet hat?“ Ich meldete mich und sagte: „Ich habe als Schoffer gearbeitet.“ Darauf sagte er mir:“Morgen kommst du gleich zu mir in mein Zimmer (Büro) und ich werde mit dir sprechen. So ging ich morgens hin, wie man es mir gesagt hat. Der Direktor ging mit mir raus und zeigte mit dem Finger und sagte: „Auf einer Anhöhe siehst du, dort steht ein Auto. Jetzt geh mal hin, schau dir das Auto an und stelle fest, was zu tun ist, da wir das Auto heute noch brauchen. Ich ging dort hin, das Auto war noch neu, nur mußte ich erst feststellen, warum die Militärs das Auto stehen ließen; so was da an Kleinigkeiten fehlte, hatte ich mir gemerkt. Dann ging ich zurück und sagte dem Direktor, das ich dazu den Motor runter nehmen muß um dann genau sagen zu können, was an dem Auto fehlt. Daraufhin gab mir der Direktor zwei starke Russenmänner, welche mehr Kraft als unsere deutsche Jungs hatten. Dann stellte ich auch schon gleich die Ursache fest. Anschließend schrieb ich alles auf, was ich für die Reparatur nötig hatte. Der Direktor ging sofort zu bekannten Kriegskolonnen und brachte die nötigen Werkzeugteile mit. Nach kurzer Zeit war das Auto soweit in Ordnung. Es war ein 1.5 t. Auto, so das ich gleich Benzin in den Tank füllen konnte und Ol und Wasser in den Kühler. Und so fing ich mit zwei Mann an, Holz zu transportieren. Die Männer luden auf und ich fuhr; wir fuhren sehr viel Holz rüber. Nun hatte das Holzschleppen ein Ende und alle waren sehr froh darüber. Von nun an arbeitete ich wieder als Schoffer auf dem Auto. Ich hatte zwar viel Arbeit, aber nicht unten in der Schacht. Hier könnte man ja noch viel mehr schreiben, aber ich glaube Gott hatte noch viel mehr mit mir im Sinn. Alle unsere Deutschen wurden von diesen zwei Schachten in eine große Schacht, die 12 km. weiter Abwärts lag, überführt. Dort wurden die Baracken und das ganze Territorium mit Zäunen und Stacheldraht umzogen. Die Deutschen durften ohne einen Urlaubsschein und ohne Erlaubnis, das Territorium nicht verlassen. Mich allerdings hielt der Direktor von jenen Schach zurück. Er hatte es mit dem Obersten von den Schachten, wo ja alle Deutschen waren so abgemacht, das er für mich verantwortlich sein wird und das der Oberste mich ihm ruhig überlassen soll. Es kam aber alles ganz anders. Den Obersten nahm man zur Front und an seine Stelle kam ein Jude, der das Lager, wo alle Deutschen arbeiteten übernahm. Als jedoch erfuhr, das ich nicht im Lager in der Schacht, sondern als Schoffer arbeitete, schickte er sofort einen russischen Aufseher der mich mich ohne weiteres in die Schacht holen sollte. So kam dieser Mann mit einer Flinte bewaffnet und sagte mir, ich solle sofort mit ihm mitgehen, ohne Ausreden. Ich sagte zu ich, daß ich hier einen Direktor habe, der für mich verantwortlich ist und ohne dessen Erlaubnis ich kein Recht habe zu gehen. Einer von unseren Arbeitern ging gleich los zum Direktor und teilte ihm alles mit. Der Direktor ließ den Russen zu sich kommen. Dann hat der Russe ziemlichen Ärger bekommen und mußte ohne mich zurückgehen. Zwei Wochen später hat der Jude sich so geärgert, das er es durch höhere Obrigkeit soweit gebracht hat, das mein Direktor zu mir sagte: „Korne, ich wollte dich auf keinen Fall abgeben, denn wir haben niemanden der das Auto fahren kann, aber jetzt durch diesen Juden, muß ich dir eben sagen, wenn jetzt wieder solch einer kommt, mußt du mit ihm ins Lager gehen. Und so kam es dann auch. Etliche Tage später kam wieder einer, der aber war ziemlich anständig, lächelnd sagte er: „Nun, wie sieht es aus, kommst du mit?“ – „Ja, wenn es sein muß, gehe ich mit. Ich bin doch kein „selbstständiger“ Mann, wo man mich anstellt zu arbeiten, da arbeite ich auch“,- sagte ich. So brachte er mich zu diesem Juden. Der fuhr mich an, als wäre ich der größte Verbrecher. Ich hörte ihm ein Weilchen zu, schließlich war ich doch kein Arisierter. Dann fragte ich ihn, warum er mich so anschreit. Ich war bis jetzt immer ein ehrlicher Arbeiter gewesen und was kann ich dafür, wenn man mich angestellt hat, auf dem Auto zu arbeiten. Und wieviel habe ich geleistet, manchmal noch viel mehr als in der Schachte. Dann sah ich, das dieser Mann ein verhaßter war, und das man mit ihm nicht reden konnte. Er sagte nur: „Du wirst hier in der schlechtesten Schachte arbeiten.“ Nun so fing ich auch wieder an in der Schachte zu arbeiten. Ich habe die Normen gut erfüllt, bekam mein Essen genauso, wie auch alle anderen. Und so arbeitete ich bis zum März. Dann, eines Tages nach der Arbeit, kam ein deutscher Kommandant zu mir und meinte; „Fröse, du mußt mit mir kommen in den Karzer.“ Ich sah ihn an und dachte, das er Spaß macht. „Nein, ich habe von höher den Befehl, weshalb, weiß ich nicht,“-sagte er. Ich sagte nur: „Du hast dich verfehlt; erstens war ich nirgends, das man mich ohne Erlaubnis hätte fangen können und Arbeit ist ausgezeichnet, was habe ich dann mit dem Karzer zu tun?“ Aber der Mann ließ sich von nichts überzeugen. Und so ging ich mit ihm in den Karzer da saßen noch etliche, welche nicht auf der Arbeit waren, oder die, die das Lager ohne Erlaubnis verlassen haben. Den nächsten Tag über Mittag, wurde ich gerufen und man brachte mich zu einem (следователь) Ermittler. Der hatte ein Papier mit schauderhaften antisowjetischen Aussprachen, die ich alle gesagt haben sollte und noch allerhand ausfüllen wollte (angeblich). Ich sagte ihm, daß, das alles gelogen sei. Daraufhin wurde er grober und drohte mit Erschießungen. Er sagte: „Wenn du es unterschreibst, wirst du am Leben bleiben.“ Nun, wer vor solch einem unverhofften und so unerfahren, wie ich damals noch war, steht ,- ich mußte weinen, weil es mir da so war. Lieber Gott , was soll ich bloß tun? Ich hatte zwar schon vieles gehört, aber ich selber war noch nie so weit gewesen. Der Mann sagte wiederholt so gut, wie möglich: „Unterschreibst du oder nicht?“ Obwohl es alles Lügen waren aber wir waren ja in einer Zeit, wo wir verhaßt waren und Faschisten genannt wurden, unterschrieb ich. Es war im März 1944. So wurde ich auch gleich nach kurzer Zeit, nach Skopin in das Gefängnis überführt. Jetzt erst war ich mit vielen, die auch das nämliche erfahren hatten, wie auch ich. Und so gedachte ich wieder an meine liebe Mutter. Jetzt konnte ich keinen Brief an sie schreiben. Mir war es so schwer. Ich betete zu Jesu. Ich gedachte an meinen Großvater Franz Bartsch. Der sagte mal zu mir: „Kornechen, komm mal zu mir. Ich will dir noch mal was sagen; Wenn du vielleicht auch schon größer wirst und schon oft deinen Großvater vergessen hast, aber wenn es dir im Leben sehr schlecht geht, dann vergiß den Herrn Jesus nicht. Dann bist du nicht alleine.“ Dieses kam mir jetzt ins Gedächtnis und ich konnte mich erinnern und ausweinen, aber immer wieder war es mir – du bist nicht allein. So kam jetzt für mich eine ganz andere Zeit, in meinem noch jungen Leben. Nach einem Monat wurde ich mit vielen anderen nach Moskau in das Gefängnis „Butyrka“, gebracht. Was musste man nur immer für Angst ausstehen. Ich war ja noch ohne Urteil oder (prigowor) <russisch- приговор – Urteil, A.W.>. Und so kam ich dann in die 152 km. Kammer, wo nur politische Leute waren. Als ich rein kam, sahen diese Leute mir gleich an, das ich sehr betrübt war. Sie fragten mich gleich was für eine Statja ich hatte <rissisch – статья – nach welchem Paragrafen ich verurteilt wurde, A.W.>. Ich sagte: 58/ 10. Nun dann zieht das höchstens 10 Jahre oder weniger, meinten sie. Ich dachte: Ja, für euch Russen kann das ja so sein, aber für mich wer weiß? Dieses war eine sehr schwere Zeit. Es ist ja alles in Gottes Hand, aber ich war ja noch zu schwach. Aber das wußte ich wohl auch jetzt schon, wo du bei keinem Menschen Trost finden kannst oder irgendeine Hilfe. Da erst verspürst du, wenn du auch kein besonderes Gebet fertig bringst, aber doch lieber Heiland sei bei mir und hilf und wenn es nur ein Seufzer ist zu Gott, dann wirst du gestärkt auch wenn du noch nicht getauft bist. Gott kennt die Seinen und führt alles wunderbar. Wir müssen erst durch viel Trübsal eingehen, was bin ich bloß für ein armes elendes Geschöpf. Und so saß ich in dieser Zelle über vier Monate und wußte immer noch nicht, was wird man mit mir machen. Dann eines Tages wurde ich aus dieser Kammer raus geführt. Man brachte mich durch mehrere lange Gänge, wo oft Treppen nach unten gingen. Mir war es als müßte man mir kommandieren eine von diesen Treppen runter steigen und dann – wer weiß? Aber es war ja anders Vor einer Türe mußte ich stehen bleiben, ich mußte in ein kleines Zimmer rein. Da saß ein junger schwarzer Mann, entweder ein Armenier oder ein Georgier. Der las mir ein Urteil, das ungefähr so lautete: „Eine Sondersitzung aus der NKWD hat dich wegen antisowjetischer Propaganda zu sieben Jahren Zwangsarbeit verurteilt.“ Dann wurde ich schon in eine andere Kammer gebracht. Dort waren schon alle verschiedene, auch politische, Diebe, Mörder auch viele junge, noch beinahe Kinder, aber wirklich alle wurden dort sichtbar. Es waren Kinder von 14 Jahren, welche einem Leid taten. Wenn man sie fragte, warum sie hier sitzen, dann hörte man das sie etwas Weizen nahmen; sie hatten alle nichts zu essen. Da war dass der älteste Sohn einer Mutter, die noch drei bis vier Kinder hatte und der Vater saß auch im Gefängnis. Und dieser arme Junge wurde mit zwei oder drei kg. Weizen gefangen. Und so nahmen sie der Mutter den Sohn. Aber es waren auch andere in diesem Alter, da durfte man nichts fragen, das waren schon ausgelernte Banditen. Vor solchen mußte man sich vorsehen und nichts zu schaffen haben mit ihnen. Ja, man könnte wohl auf dieses Thema, was da alles vorging in solchen Gefängnissen, vieles schreiben. Nun jetzt schreibe ich weiter, ich muß sagen, als mir der schwarze Mann vorlas, das ich sieben Jahre erhielt da war es mir als konnte ich frisch aufatmen oder vielleicht ein Stein vom Herzen fiel. Ich wußte: noch läßt man mich am Leben. Natürlich hatte ich noch keine Ahnung, was diese 7+1= 8 Jahre noch alles bringen. Aber Gott wußte es, was alles zum besten dient. So kam ich zum ersten mal in das allgemeine Lager in Moskau. Es war ein großer Betrieb. Da gab es auch eine Eisengießerei. Wir waren etliche Deutsche, die auch nur geringe Arbeit machen mußten. Es wurden dort für Mienen gegossen aus Metall, die Korpusse, wie man sie nannte. Eine Maschine bearbeitete da Sand und verschiedene Mischungen, aus denen man dann Formen machte. Dafür wurden zwei Meter tiefe Ofen gegraben und mit Ziegeln ausgelegt. Unten gab es noch einen Ventilator, damit das Holz gut brannte und oben auf diesem Kellerartigen Loch waren Eisenplatten und Schienen zu einem Waggon zusammengelegt. Hier befanden sich die Formen, wenn sie getrocknet werden mußten. Unsere Arbeit war hier: zu zweit mußten wir Holz sägen und dafür sorgen, daß es immer die notwendige Temperatur hatte. Waggonen weise wurde das Holz dann in den Sägeraum gefahren. So hatten wir zwei immer sehr viel zu tun. Obwohl wir schon sehr schwach und elend waren; die ganze Zeit im Gefängnis und jetzt bei der schweren Arbeit. Und das arme Süppchen und nur die paar Gramm Brot , wir waren ständig hungrig. Nun sind wir schon seit über einem Monat im Lager. Jetzt muß ich erst mal wieder meine liebe Mutter erwähnen. Denn seit ich ihr das letzte mal geschrieben habe, sind schon sieben Monate vergangen. Und wieviel Sorgen muß sie sich um mich gemacht haben, wenn auf einmal so lange kein Brief mehr kommt. Jetzt bekam ich endlich mal wieder eine Möglichkeit und schrieb ihr daraufhin aus dem Moskauer Lager, alles was sich in dieser Zeit ergeben hatte. Nach langer Zeit erhielt ich dann auch einen Brief von meiner Mutter. Also so arbeitete ich immer noch mit meinem Freund zusammen. Tagtäglich dieses Holz sägen, spalten und and heizen. Eines Tages kam auch eine ,,gefangene Frau, eine Brigadierin zu mir. Sie sagte : „Fröse, dort stehen zwei Eimer. Nimm sie, geh hinter das Gebäude. Dort sind mehrere große Tanks eingegraben . Aus dem dritten (Sulfid) nimmst du und stellst sie dann auf die Öfen, wo Sand getrocknet wird.“ Ich nahm die Eimer und tat es so wie sie es mir gesagt hat. Dann ging ich wieder Holz sägen. Und so verging wohl eine Stunde. – Da mit einmal kam scharf ein Nadsiratel <russisch – надзиратель – Aufseher, A.W.> und fragte sofort: „Wer ist der Fröse?“ Ich sagte: „Ich.“ Der Mann war sehr aufgebracht und gab mir daraufhin einen Stoß, das ich sofort umfiel. Dann brüllte er mich an: „Steh auf, du verfluchter Faschist.“ Danach brachte er mich in einen kalten Karzer, wo schon zwei Russen saßen. Die Wände im Karzer glänzten vor Frost. Zum Glück hatte ich meine Watejacke an. In dem engen Stübchen gingen wir immer auf und ab. Ich hatte keine Ahnung warum mir so etwas zustoßen mußte. Ich war schon 48 Stunden in diesem Raum. Man brachte uns für einen Tag 300 Gramm Brot dreimal täglich ein dünnes Süppchen. Dann wurde ich raus geholt und kam vor zwei hohe Beamte. Die saßen nebeneinander und schauten mich durch und durch an. Ich stand dicht an der Tür, zwei oder drei Meter von ihnen entfernt. Ich stand ziemlich elend vor ihnen. Dann fragte mich der eine: „Nun, wie ist es ? Hilfst du deinen Brüdern?“ Ich hatte keine Vorstellung, was das wohl zu bedeuten hatte. Ich sagte nur, dass ich keine Brüder habe und das mir unklar ist, was sie von mir wollen. Daraufhin schauten sie sich einander an. Dann fragte der andere: „Was hast du gemacht eher man dich in den Karzer setzte?“ Ich sagte ihm, das ich Holz gesägt habe da fiel mir die Frau mit den zwei Eimern ein. Ich sagte:“ Ja, die Brigadierin stellte mich an, zwei Eimer von dem dritten Tank zu holen und auf die Öfen zu stellen. „Du hast die ja in die Maschinen gelassen.“ „Nein“, sagte ich. „Da geh ich niemals hin und die nimmt die Brigadieren selbst und schüttet sie dort rein.“ Dann war ihnen wohl alles klar. Aber ich sollte dennoch zehn Tage in dem Karzer sitzen. So wurde ich wieder zurück in den Karzer gesteckt. Ich weiß nicht, waren es noch zwei oder drei Tage , welche ich dort verbrachte. Ich war schon bewußtlos am Boden. Die 300 Gramm Brot hatte ich den Tag nicht gegessen. Dann kamen die Aufseher und brachten mich in den Medpunkt <russisch – медпункт – Ambulanz, A.W.>. Ich konnte schon alleine nicht gehen. Dort war eine Jüdin Ärztin. Als ich zu mir kam, sah ich diese Frau. Die sah mich voller Mitleid an und fragte sofort: „Wer bist du von Nationalität?“ Ich sagte ihr ganz aufrichtig: „Ich bin ein Deutscher.“ Daraufhin sagte sie: „Was in meinen Kräften steht will ich für dich tun, du bist sehr schwach.“ Und so sorgte diese Jüdin dafür, das ich in den Statzionar <russisch – стационар – Lazaret, A.W.> kam, wo ich ein Bett mit Matratze, Decke und Kissen bekam. Ich bekam täglich 600 Gramm Brot, Suppe, manchmal Brei und dann immer dazu entweder gekochte Rüben oder Kraut mit Kartoffelstückchen. Und so habe ich hier im Statzionar mehr als einen Monat zugebracht. Nach diesem allen kam ich dann auch dahinter, wie die Brigadierin sich von ihrer Gleichgültigkeit frei machen wollte. Sie nahm diese zwei Eimer ohne auch nur zu sehen, was da drinnen war, nämlich Masut <russisch – мазут – Erdölrückstand, A.W.>. Ich hatte ja keine Ahnung. Und als gewisse Zeit um war, das der gemischte Sand und was noch alles dazu kam fertig war, fiel das alles auseinander. Anstatt das alles zusammenhielt, wie es hätte sein sollen. Dann lief sie schnell zum Telefon und sagte zum Betriebsleiter: „Ich hab hier einen Deutschen, der hat Schädlingsarbeit gemacht, so das mir die ganze Schicht verdorben ist. Er hat Masut in die Mischung gegossen, was soll ich jetzt machen?“ Und daraufhin hat der Direktor gleich der Wache bekannt gegeben, daß solch ein Faschist hier arbeitet. Aber dennoch haben die zwei Obersten gesehen, das ich an der Sache unschuldig war. Ja, aber wir lernen durch solche Begebenheiten immer mehr und näher zu Gott zu kommen. Aber auch dieser Jüdin konnte ich nur sehr dankbar sein. Ich kann mir nur vorstellen, entweder ist sie vielleicht auch in so einer ähnlichen Lage gewesen, das vielleicht auch sie durch deutsche eine Rettung erhielt oder als eine Christenpflicht, das sie mir so lange mit geholfen hat. Bis ich wieder so weit war, dass ich erneut etwas arbeiten konnte. Es war nicht mehr lange, da wurde aus diesem Lager ein großer Etap <russisch – этап – eine Gruppe von Häftlingen, die in ein anderes Straflager transportiert wird, A.W.> herausgenommen, wo auch ich dabei war. Eines morgens, sehr früh, kam ein Narjadschik <russisch – нарядчик, Person aus dar Lagerverwaltung, die die Häftlinge auf ihre Arbeitsorte verteilt, A.W.> in die Baracken, mit einer langen Liste und machte bekannt: „Alle, die ich vorlese bleiben zurück und gehen nicht auf Arbeit, sondern bekommen später Frühstück und werden dann auf Autos geladen“. Wohin weiß noch niemand. – Und so begab es sich, das wir alle in das Gefängnis „Krasnaja – Presni“ <russisch – Красная Пресня – Stadtviertel in Moskau, A.W.> kamen. Dort waren wir wieder beinahe drei Monate in den Kammern. Es waren drei Stock Naren <russisch – нары – Pritschen, A.W.>. Unten in der Mitte lagen gewöhnlich alle, die so wie wir nichts hatten. Wer von Moskau oder Umgebung kam, hatte seine Angehörigen, die ihm Pakete und Essen bringen konnten. Auf den oberen Naren, befanden sich die haupte Banditen. Man muß dennoch sagen, es gibt unter ihnen Menschen, die viel Mitleidiger sind als oft solche, die auch Mithilfe erhalten, aber nie etwas übrig hatten, für solche Menschen, wie wir, die nie etwas bekamen, außer ihr Stückchen Brot und die dünne Suppe. Da war immer einer, obwohl er von oben bis unten bemalt <Tätowiert, A.W.> war mit Tiger, Herzen, Schlangen usw. – Aber wenn er gekochte Rüben und Kartoffeln bekam, dann tat es ihm Leid um uns. Er sagte nur: „Rebjata eto wam“ <russisch – ребята это вам – Jungs, das ist für euch, A.W.>. Ich habe manchmal so gedacht, das Herz ist voll Mitleid, wie auch das Unsere ist, aber wer will hier ein Urteil sagen. Ja, in diesen Gefängnissen, was konnte man da nicht alles sehen und hören: fluchen und spotten usw. Aber auch weinen und jammern und wohl auch manches stilles Gebet und Seufzer zu senden. Es war wohl Mitte April 1945. Da stand wieder ein langer Zug von Viehwagons in einem Tupik <russisch – тупик – Gleisstumpf, A.W.> in Moskau, in welchem wir dicht beieinander eingeladen wurden. Da stand in einer Ecke eine Parasche, wie man sie nannte; das war das Abtritt und daneben lagen sogar Menschen. Der Etap ging von Moskau nach Siblag. Das waren Marinskie Lager. Wir kamen in Marinsk gerade am 9. Mai 1945 an. Da wurden wir ausgeladen. Der Krieg ist zu Ende. „Faschisten kaputt“, -schrien die Russen. Ja – aber was hatten wir von all dem? Wir blieben auch oft genug, in den Lagern, die Faschisten, auch lange nach dem Krieg. Und so kamen wir in eine große Zone/Lagerplatz, wo wir dann in Baracken verteilt wurden. Da mußten wir wieder mehrere Wochen verbringen. Ringsum waren da hohe Bretter Zäune und an der anderen Seite waren auch Gefangene (Saklütschönie). Aber ohne Konvoi (raskflütschönie). Die sahen das der Etap aus Moskau kommt und wußten sofort die haben Kleider, Stiefel und verschiedenes Wertvolles zu tauschen. Da waren dann an mehreren Stellen vierkantige Löcher in das Holz (Zäune) geschnitten, so groß das man ein paar gute Männerstiefel durchziehen konnte. Und so fing dann auch langsam das Handeln an. Die von unserer Seite zeigten dann einen schönen Anzug, Jacken, Hosen Schuhe und was da eben sonst noch alles war – und von der anderen Seite wurde dann Brot oder Tabak gebracht. Oft wurden die Leute um ihre Sachen auch betrogen. Wenn man nicht aufpasste, zogen die Leute einem z.B. den Kittel schnell durch das Loch und gingen los, ohne etwas zu geben. Ja, so geht es oft . Dann eben später wurden diese Menschen zu 100 in einer Gruppe verteilt. Und wir gingen unter Konvoi und Hundegekautz <Hundegebell > bis zu 50 km. Dort gab es landwirtschaftliche Lager, wo die Gefangene in großen Erdbaracken wohnten. Es waren ausgegrabene lange, breite Löcher, welche so wie einen halben Meter über die Erde, eine Wand von Lehmziegeln hatten. Und dann von innen in dem Raum standen gerade in der Mitte immer Pfosten; einer vom anderen zwei Meter entfernt. Und da gab es noch mal die langen Balken. Und so kamen dann wiederum zu zwei Meter auseinander Balken von den Mittelbalken auf die Wände. Das waren gleichzeitig auch die Sparren. Dann kamen wieder Stangen über diese Sparen. Die wurden mit Stroh und Lehm von beiden Seiten verschmiert. Am Ende gab es ein größeres Fenster . Da drinnen waren dann die Naren, sogar Zweistöckig und Öfen waren drin. Und so lebten wir zu jener Jahreszeit. Ja, auf dem Dach kam eine Schicht Stroh, dann Erde und dann wurde wieder mit Lehm und Sand eine gleiche Schicht verschmiert. So, waren die Bauten für Tausende Gefangene. Hier in diesem reichen Sibirien hatten wir es gut haben können: Roggen, Erbsen, Weizen, Hafer, Gerste, wunderbare Kartoffeln – es war gutes Land – viel Wald, aber im Winter war es auch sehr kalt. Wir mußten immer auf Arbeit. Bei – 40 / – 50 ° C mußten wir noch draußen arbeiten. Zum Anziehen hatten wir immer nur gesteppte Sachen. Gesteppte Jacken, gestepptes Fußzeug, Mützen und Handschuhe. Aber es ist wunderbar, wie der Mensch doch einmal eine Gewohnheit bekommt und zu alledem immer hungrig ist. Da haben wir manchmal schon geschlafen, da stand mein Freund nachts auf, nahm den Kotelok, (ein von dickem Blech geklempertes drei Liter Eimerchen) und ging zur Speisehalle oder Küche, wo die Köche das Überbleibsel in Eimer gießen und zu morgen vorbereiten, für die Suppe. Nun dieser wußte, wenn er noch zur Zeit kommt, geben sie ihm dieses Überbleibsel . Und so kam er nachts an stieß mich mehrere male in die Seite und sagte: „Komm, ich hab Suppe gebracht.“ Da war auch schon der Schlaf weg. Bloß in die Tasche gefaßt, den Löffel, denn den Löffel hatten wir immer bei uns. Und so haben wir denn zu zweit die drei Liter Suppe aus. Satt waren wir ja ehrlich gesagt nicht, aber voll. Und so schliefen wir zufrieden ein. Solche Freuden hatten wir ja öfter. Von diesem allem, wie es in den Lagern zuging, könnte ich wohl noch ein paar solcher Hefte voll schreiben. Es war sehr arm, auch mit der Kleidung war es meist nicht auszukommen. Wenn man irgendwo einen alten Pelzkragen oder Pelzflick auftreiben konnte, so gelang es mir von einem alten Pelz ein Flick zu bekommen. Den nähte ich mir gleich auf den alten Kragen auf der Wattejacke. Der hat mir soviel gutes getan. Es waren bei uns zu jener Zeit, alle in Brigaden eingeteilt und so wurden diese Brigaden gewechselt. Etliche Tage mußten wir im Wald Holz fällen, zur Heizung für das Lager, dann wieder einen Tag entweder Erbsen putzen an den Putzmaschinen oder Getreide umschaufeln oder auch Dreschen an der Drehmaschine. Da war dann noch ein alter „Fordson“ Traktor mit eisernen Rädern und Speichen . Und dann gab es noch eine wichtige Aufgabe bei uns im Lager: Kartoffeln auslesen und umschütten. Wenn verfaulte dabei waren, wurde weggetragen und die guten kamen in ein anderes Hock. Dann haben wir oft einen halben Korb gute Kartoffeln eingefleit und gerufen, das die oberen verfault sind. Danach gingen wir mit dem Korb zur Seite , machten schnell ein Loch im Schnee, packten da die guten Kartoffeln ein und scharten das Loch wieder zu. Und wenn wir dann am anderen morgen wußten , das wir wieder Holz fällen müssen , kamen wir geraden Weg entlang, wo die Kartoffeln versteckt waren. Wenn wir dann einen guten Konvoi hatten, lachte er sich aus und wir nahmen die Kartoffeln mit. Dann machten wir ein gutes Feuer und arbeiteten gut. Wenn das Feuer abgebrannt war , legten wir die gute Kartoffeln in die Glut. Und als sie dann schön bräunlich und gar waren, da brachte wir manchmal auch unserem Konvoi etwas mit. Aber man war sich doch nicht so recht sicher ob die einen auch nicht verraten. Und eben auf diese Art kam es einmal sehr dumm raus. Unsere Brigade mußte gerade einen Tag lang Erbsen putzen und so wußten wir ja immer genau, welch ein Konvoi an der Wache am Tor steht, wann wir von unserer Arbeit kamen. Dann wurde der Brigadier gewöhnlich gefragt von wo wir kommen , worauf er „vom Erbsenputzen“ antwortete. So wußten wir, wenn dieser steht, dann schmunzelt er höchstens und macht das Tor auf und wir sind mit unseren Taschen voller Erbsen auf Ort und stelle. Und abends gibt’s dann immer noch mal Erbsenbrei. Aber dieses mal hat es uns nicht geglückt. Aus irgend einem Grund stand nicht unser Freund, sondern ein (Chochol) <Ukrainer> am Tor. Das war wieder für ihn, wo er einen Lob von der Obrigkeit verdiente. Wir wurden alle durchsucht und er schrieb jedem, zwei bis drei Kilo Erbsen an,- von der Regierung gestohlen. Wir machten uns deswegen keine großen Gedanken. Aber nach zwei Wochen kam früh morgens der (Narjadschik) und sagte zum Brigadier: „Deine Brigade und du fahrt heute alle zum Gericht“. Es waren so 12 km. So waren wir drei oder vier Schlitten und fuhren nach dem Lagpunkt. Als wir dort ankamen, saßen in einer kleinen Stube zwei Frauen, das waren dann unsere Richter. Wir wurden einzeln rein gerufen. Sie lächelten bloß und sagten auf russisch: „sa raschischenije gosudarstwenowo imuschestwa, wi osuschdeni po statje 63, na odin god lischenije swobodi.“ <russisch – за расхищение государственного имущества вы осуждены по статье 63 на один год лишения свободы – wegen Diebstahls des Staatlichen Eigentums sind sie nach Paragraf 63 zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt, A.W.>. Ja, das war als wenn man so dachte, doch schrecklich. Aber zu jener Zeit hat man mit solchem einfach nicht mehr gerechnet. Wenn man nur nicht zu weit runter kommt und dann schon vor Schwäche nichts mehr kann. Wir haben überall, wo es auch war oder wo es nur möglich war, etwas mitgenommen. Ich dachte jetzt oft, du sollst dem Ochsen das Maul nicht verstopfen, wenn er arbeitet – ungefähr in diesem Sinne wird man uns dieses nicht zurechnen. Es gibt ja so vieles, wo einem immer wieder nicht zu vergessen scheint. Es war im Sommer 1946. Da kam ich in eine Brigade. Dort waren 13 Paar Ochsen und auch 13 Mann in der Brigade. Wir hatten zwei Konvoire. Einer war ein Tatare, der war früher, auch an der Front, während des Krieges. Die andere war eine Frau. Und so war unsere Arbeit von morgens früh auf. Und wir fuhren von 10 bis 12 km. in den Wald, hohe Fichten fällen 8-9 m. lange Balken. So fuhren wir zwei mal am Tag. Zum Fällen waren wir zwei und einer etwas schwächere. Der hackte mit dem Beil etwas Äste ab und brachte das Laub etwas weiter weg, das man später mit den Ochsen ranfahren konnte. Und hier begab es sich. Wir zwei, es war ein (Parchomenko?) und ich , wir fällten und zersägten zu drei Fuhren. Der dritte war ein etwas älterer Mann, Alexandrow, hieß er. Wir beeilten uns schon . Wir sahen, der Alexandrow will heute gar nichts machen. Das merkte der Konvoi Piwkin, hieß er. So sagte er: „Alexandrow, du geh lieber und hol die Ochsen, dies machen die zwei, du stehst doch nur rum“. So ging er, die Ochsen standen am Weg, ein ziemliches Ende ab und rund um waren von den gefällten Bäumen, gute Verstecke. Jetzt fingen schon mehrere an ihre Wagen zu laden und wir warteten auf unseren Alexandrow. Aber es war nichts zu sehen. Da merkte der Konvoi, dieser Mann ist ausgerissen. Er rief ihn mehrere male beim Namen, aber es kam keine Antwort. Nun sagte er: „Ich hatte eigentlich öfter schon etwas Verdacht, aber diesmal hätte ich nicht gedacht, das er solch einen Moment wahrnimmt“. Er sagte: „Wollen mal alle suchen ob wir ihn vielleicht doch noch wo auffinden“. Da schließlich meldete sich die Frau Konvoi, sie sagte in unserer Gegenwart zu Piwkin, das sie überhaupt keine Patronen mehr in der Flinte hat. Da mußten wir doch alle loslachen. Aber wir suchten dann ungefähr 20 min. in dem Wald umher , fanden ihn aber nicht. Dann rief der Piwkin uns alle, wir waren nun alle zusammen. Nun sagte er: „Ihr kennt ja alle die Regeln. Jetzt setzt euch zu viert hin und wartet bis die Wache raus kommt“. Dann schoß er drei mal, das war ein Signal, das jemand ausgerissen ist. Da kam ein Ritter auf einem Pferd angeritten, der ist dann so schnell wie möglich in das Lager geritten. Kurze Zeit später kam der Kommandeur von der Wache, ein schlechter Mensch, mit zwei jungen Soldaten, die noch ziemlich unerfahren waren, an. Sie hatten auch einen großen Spürhund dabei . Diese zwei junge Soldaten mußten uns jetzt annehmen. Den Piwkin nahmen sie mit auf die Suche. Der Kommandeur fluchte auf uns alle: „Ihr solltet alle erschossen werden“, so daß die zwei junge Konvoi, mehr Angst bekamen als wir. So fuhren wir dann alle 13 Wagen los, auf bekanntem Wege. Wir mußten zwei Gräben runter fahren, das waren die Ochsen gewöhnt. Wir gingen vor ihnen und Skämmten <Bremsten?> sie , damit sie nicht gleich von oben los rennen . Als wir jetzt schon ganz dicht waren an dem Graben, ging der Vordere vom Wagen und wollte seinen Wagen wie gewöhnlich mit dem Ochsen lenken . Aber da holte der eine von den jungen Kerlen die Flinte hoch , schon geladen zum schießen und meinte das keiner sich wagt vom Wagen runter zu steigen. Da sagte der Brigadier sie sollten doch Verständnis haben. Da fuhren die ersten Ochsen los, etwas bis auf die Hälfte den Graben runter. Und so konnten die Ochsen den Wagen nicht mehr halten ; bogen kurz zur Seite , so lag die Fuhre mit dem Holz quer über den Weg. Der Fuhrmann schaffte es noch rechtzeitig runter zu springen . Alle hielten an und fragten die zwei bewaffneten nach. Da war dann noch die Frau ohne Patronen , die sagte dann auch: „Horcht, hier läuft niemand fort, das sage ich euch.“ So ließen sie sich dann bereden. Da wurde die Fuhr unten erst mal wieder geladen und die Ochsen zurecht gestellt. So fuhren wir dann unseren Weg, luden die Balken ab und brachten die Ochsen auf ihre Plätze und danach wurden wir von den zwei jungen Konvois ins Lager geführt. Jetzt sehen wir uns um nach unserem Alexandrow. Der Spürhund, welcher an dem Wagen etwas zu riechen bekam vom Alexandrow, nahm sofort die Spur. So war dann ja doch ungefähr eine Stunde vergangen. Er kam durch den Wald auf ein Erbsenfeld . Da waren gerade die Schoten recht saftig. Er hat da vielleicht noch etwas Zeit gehabt. Aber was dieser Mann sich bloß dabei gedacht hat? – Das war uns allen nicht verständlich. Der Piwkin hat uns später mal alles erzählt. Der Alexandrow dachte wohl er wird lieber wieder zurück ins Lager gehen. Es waren noch drei bis vier km. bis zu Lager, aber dieser Kommandeur, es war ein “ Unmensch „,- wie er jetzt schon ganz dicht an dem Alexanrow gefahren war, hielt er an, stieg vom Wagen, zog seinen Revolver raus und schoß ihm in den Leib. Dann sagte der Piwkin, er selbst mußte sich beherrschen, das nicht er diesem am liebsten einen Schuß gegeben hat. Dann gab er ihm noch einen Schuß in den Kopf und der Alexandrow fiel tot zu Boden. Piwkin sagte an der Front hätten sie es solch einem wohl gezeigt, aber dort hätte er Angst. Hier ist er auf solche elende Menschen ein Held. So brachte man den toten Alexandrow an die Wache und legte ihn als Warnung für alle Gefangene. Wir alle, die mit ihm zusammen gearbeitet hatten, standen auch am Toten. Der Brigadier sagte nur: „Ach Alexandrow, du einfältiger armer Mann, so hat man mit dir verfahren“. Er hat den Kommandeur verwünscht und alle die vorbei gingen, waren verhaßt auf diesen Unmensch. Nun es waren noch ähnliche Fälle , wo die Todesstrafe so vollzogen wurde; wegen Ausreißen aus dem Lager. Jetzt komme ich mit meinen Gedanken wieder nach Kasachstan. Von dem Lager, wo ich in Moskau war, konnte ich doch noch einige Briefe nach Kasachstan senden. So das meine Mutter und die Verwandten wußten , das ich noch am Leben bin. Von dem Karzer und dem ganzen schrieb ich meiner Mutter natürlich nichts. Denn ich wußte, dass sie auch so schon genug um mich trauert. Dann erst wieder nach langer Zeit, schon in Sibirien hat meine Mutter durch die Moskauer Lager nach mir gesucht. In Sibirien gab es kein Papier . Das ganze Lager schrieb ihre Listen , was im Lager nötig war und alle Namen von den Gefangenen nur auf Birkenrinde. Es waren extra Leute eingestellt solche Birkenrinden herzustellen. So wurde ich einmal gerufen und man fragte mich warum ich nicht an meine Mutter schreibe. Ich sagte ich hab schon so lange wegen Papier gesucht und niemand konnte mir dazu verhelfen. So bekam ich ein kleines Blatt ; ich machte sorgfältig ein Dreieck und schickte es ab. Und nachdem hat Mutter auch immer noch reichlich Papier in ihren Briefen mitgeschickt. So das ich schreiben konnte. Nun sind wir ja schon im Jahre 1946. Und jetzt bin ich zwei Jahre in der Gefangenschaft und auch schon noch ein ganzes Jahr mehr bekommen als zuvor. Es sind jetzt schon 7+1 = 8 Jahre. Und so verging auch das Jahr 1946 in Siblag und das Jahr 1947 hat begonnen . Bereits im Februar wurde geplant an einem neuen Etap. Diesmal wurden noch mehr junge von 20 – 30 Jahre ausgewählt. So saßen wir wieder in Mariensk, in einer Art Gefängnis . Während dieser Zeit wurden wir nicht zum Arbeiten geschickt. Es kam der April und wir wurden wieder in Viehwagons gesteckt und wußten noch selber nicht, wohin es wohl gehen wird. Erst sagte man vielleicht nach Karlag, das hatte ich mir zu jener Zeit sehr gewünscht, denn dann wäre ich näher bei den Meinen gewesen. Aber dann gab es wieder andere Meinungen. Aber als wir erst näher zum Baikalsee kamen, da hat man schon gemerkt das kann wohl auch nach der Kolyma gehen. Und so kamen wir an Tschita vorbei und bis Komsomolsk-na-Amure. Dort wurden wir aber nicht ausgeladen. Unsere Waggons mit uns zusammen wurden mit einem Parom und Katjer <russisch – паром и катер – eine Fähre von einem Schlepper gezogen, A.W.> gezogen über den Amur; jeder Waggon einzeln. Von dort wurden wir über hohe Berge gefahren, bis ans Meer, Sowetskaja Gawanj. Dort wurden wir alle ausgeladen, kamen in eine große eingezäunte Zone mit hohem Stacheldraht und vielen Türmen, wo überall doppelte Wache war. Dort waren wir zwei bis drei Wochen. Es kamen immer mehr Menschen dazu. Wir wurden dort untersucht und mehrere male wurden uns allen Fingerabdrücke genommen, alle Merkmale, wie groß, Blut wurde abgenommen und allerhand mußten wir dort durchgehen. So stand eines Tages das große Hochseeschiff „Sowetskaja Latwija“ vor uns. Wir wurden eingeladen in einen großen Trüm <russisch – трюм – Lahderaum eines Schiffes, A.W.> unten auf dem Boden waren erst verschiedene Eisenstangen, dicke und dünne und viele Buchten Draht. Das war alles einigermaßen gleich gefleit. Dann waren über dieses alles Bretter und gorbil <Schalbretter> gelegt und da kamen dann 5000 Gefangene rauf. Da wurden wir alle wieder in Brigaden eingeteilt. Jede Brigade hatte ihre Nummer und bestand aus 20 Mann. Jetzt schien, als währe alles in Ordnung. Alle hatten ihre Plätze und das große Schiff fuhr los. Aber so wie wir erfuhren waren es nur 60 Meilen. Da fuhr der Kapitän auf einen harten Felsen und das Schiff bekam einen Leck. Bei uns in dem Trüm brach große Panik aus, obwohl bei uns noch kein Wasser zu sehen war. Aber auf dem anderen Ende des Schiffes waren, so wie wir zu hören bekamen noch etliche hundert Frauen eingeladen. Dort war das Unglück passiert. So wurde dann allmählich die Angst der Menschen beschwichtigt. Nach einiger Zeit kam ein anderes Schiff und zog unser Schiff zurück nach Sowetskaja Gawanj. Dort wurden wir aber nicht ausgeladen, sondern bekamen unser Brot und die Suppe. Fünf Tage im Schiff, so lange wurde es repariert, bis es wieder ganz war. Dann fuhren wir wieder los und um sechs Tage kamen wir in Magadan an. Ja , diese sechs Tage fuhren wir aber ohne Brot. Denn es war gerechnet für unsere 5000 Mann, gab es auf sechs Tage Brot. Und jetzt kam es, dass wir 11 Tage im Schiff waren und mehr Brot gaben sie nicht. So bekamen wir nur dreimal täglich etwas Mehlbrei. Zum Essen war es so eingerichtet. Aus dem Trüm waren von starken Bohlen aber steile Treppen gemacht, von beiden Seiten noch mal Bretter als Geländer, dass man nicht runter fiel. So ging man eine Leiter oder Treppe runter . Oben standen schon die Köche mit ihren Schüsselchen (Miski) und schöpften jedem einen Schlöf <Schöpfer> Brei ein. So ging das den Tag über von Morgens bis Abends. Das ging alles Brigaden weise. Jede Brigade wußte ihre Nummer and so stand eben einer der rief laut: „Brigade Nummer soviel und soviel zum Frühstück“. Und so wurden wir dann alle 5000 Mann drei mal am Tage zum Essen gerufen. Wir kamen auf die paloba <russisch – палуба – Oberdeck eines Schiffes, A.W.> auf dem Deck. Man konnte da wenigstens solange man die Kascha runter hatte, das Meer und den Himmel ansehen. Und dann ging es dann wieder runter in den Trüm. Als wir dann in Magadan ausgeladen wurden, standen schon wer weiß wie viele Konvois und Hunde – ein gekauz <Gebell>. Da wurden wir immer Reihenweise so breit der Asphaltweg war, zurecht gestellt und dann ging es in eine große, mit Stacheldraht eingezäunte Zone, wie auch schon am Sowetskiaj Gawanj. Dort erhielten wir aber, soweit ich mich noch erinnern kann, eine große Pajka <russisch – Portion, A.W.> Brot nach sechs Tagen. Hier sind wir die ganze Prozedere noch mal durchgegangen. Hier kamen wir an und wurden wieder verteilt. Welche kamen nach Magadan andere wieder nach einer anderen Seite von Magadan. Ich und sehr viele von den 5000 kamen nach Sussuman. Eins ist hier noch zu schreiben. Es ist nur ein haupter und einigermaßen breiter Asphaltweg, welcher sich bis 1000 km. zieht und mit Pfosten um km. Nr angesagt ist, so das man weiß, wie weit man von Magadan entfernt ist. Sussuman ist von Magadan 660 km. entfernt. Nun noch sind wir in der Magadan Zone. Ungefähr noch 10 Tage, da waren alle verteilt und so fing der frühe Morgen an. Im Juni gibt es in Magadan keine Nacht. So war es am frühen Morgen, das Datum weiß ich schon gar nicht mehr. Einerlei hatte ich meist vergessen: ehe wir noch abfuhren von Magadan, mußten wir in die Badestube gehen. Da wurden unsere Sachen alle abgenommen. Wenn man Fotos hatte , die hielt man in der Hand versteckt. So hatte auch ich noch kleine Fotos von Mutter, Tante Anna und noch etliche gerettet, welche ich lange immer noch bei mir zum Andenken hatte. Wie wir aus der Badestube raus kamen, durch eine andere Tür, da bekamen wir Wäsche, Hose, Hemd, eine gesteppte Fufaika (Wattierte Jacke), Schuhe und Fußlappen (partjanki) und sogar eine gesteppte Winter Mütze – im Juni Monat. Da wurden wir darauf aufmerksam gemacht, das wir mit den Sachen ein Jahr lang auskommen müssen und nichts weiter zu erwarten haben. Dann kamen die Autos, amerikanische „Studebaker“. Das waren Kastenwagen – offene Lastautos. Man muß sich vorstellen, was die mit uns angingen. Die erste Reihe von vorne, platt mit dem Hintern auf die Bretter. Dann kam die zweite Reihe. Die Füße mußten dem ersten zu beiden Seiten vorgeschoben werden. Und so wurden wir so fest aneinander gepresst, das man Mühe hatte zum Schnaufen. Es war nur gut, dort ist die Luft rein, denn die Taiga hat frische Luft zum Atmen, aber zu wenig für den Magen. Und so fuhren wir drei oder vier Autos nach die Kolyma. Unterwegs wenn wir wohl 200 km, hinter uns hatten, war ein Lager . Dort waren schon für uns vorbereitete Suppe und Brot. Aber das waren die dort schon gewöhnt, wenn die Autos mit „frischer Ware“ kamen, die mußten sie alle runter ziehen. Denn jeder war wie ohne Füße, bis man da erst mal wieder aufsteigen konnte, verging eine Zeit. Da waren wir sozusagen eine Stunde. Dann wurden wir wieder so „eingesalzen“ und es ging weiter, bis wir endlich nach mehreren solchen Haltestellen ankamen. Bis Sussuman, aber da wurden wir schon nicht mehr ausgeladen, da ging es seitwärts von dem Asphalt runter und wir fuhren 50 km. in die unbekannte kolymskaja Taiga, wo wir an niedrigen Baracken aus Holz gebaut ankamen. Die Naren waren von runder armdicken Zweigen. Es waren nur kale Naren ohne Matratzen, Decken und auch ohne Kissen. Da wurden wir empfangen auf kolymskij sakon und porjadok <russisch -колымский закон и порядок – das Gesetz und Ordnung der Kolyma, A.W.>. Diese konnten eigentlich mehr Fluchen als sprechen. So waren wir in diesen Baracken jetzt zu Hause. Dort war auch eine Küche. Da bekamen wir auch einen Seljödka <Salzhering> unsere paika: Brot und Suppe. Dann gingen wir schlafen. Wir waren recht müde von dieser Reise, die wir die erste im Leben erlebten. Aber die Ruhe war nur für ein paar Minuten. Da wurden wir alle wild. Wanzen – die haben auf uns wohl schon eine Weile gewartet. Wir liessen die Baracken im Stich, es war ja Sommer und hell. Wir legten uns draußen hin und schliefen so fest ein, daß man uns alle am Morgen mit Lachen aufweckte. „Podjom!“,- schrie der narjadtschik „chwatit duraka waljat“ <russisch -хватит дурака валять – jetzt ist aber Schluss mit dem Blödsinn, A.W.>. Wir waren ja eigentlich diese Art schon lange gewöhnt, so standen wir dann auf, gingen dann erstmal und beschauten uns die neue Heimat. Die erste zwei Tage hielt man uns als Neulinge. Aber dann gab es wieder einen neuen Brigadier und wir waren wieder in Brigaden. Jetzt gingen wir schon in die Goldgruben. Das war mal wieder etwas ganz neues. Aber auch ein sehr rückständiges Geschäft. Diese Schachten hatten zu jener Zeit noch keine Technik obwohl Elektrizität schon vorhanden war. Es war nur wie man sie auf russisch nennt eine lebetka <russisch -лебёдка – Winde, A.W.>, welche den Grund, der gesprengt wurde aus der Schachte durch einen nicht großen <Lenkrolle?> in die Höhe zieht. Das war die ganze Technik. Dieser Brunnenartige „Stamm“ (stwol) <russisch -ствол – Schacht, A.W.> war bis zu 25 m. tief, wo die Goldadern sich befanden, dort wurde gesprengt. Erst waren die Bohrer und die Sprenger dran. An dem Stamm (stwol) waren immer Leitern befestigt an welche wir alle Tage runter steigen und auch wieder in die Höhe steigen mussten. Unten waren Bohlenbretter, welche man legen konnte, wie man sie nötig hatte um die Karren (Tatschki) zu schieben. Das war schwere Arbeit. Das Essen wurde immer schlechter und die Kräfte ebenfalls. Und die Obrigkeit schrie: „Dawai, dawai, ihr Faulpelze.“ Aber das alles half nichts. Dann war Sommerzeit, noch das Hauptste es waren nur paar Monate, wo das Goldwaschen möglich war und so war auch dort nur die „Karrenindustrie“ eingerichtet. Diese große Waschmaschine war ja auch mit Elektrizität, Elektromotoren und einer (transporternaja Lenta) <russisch – транспортёрная лента – Förderband, A.W.> fersehen. Und an für sich war es eine gut ausgedachte Maschine, die mit verschiedenen Siebartigen, wie runde große Fässer, welche sich beständig langsam auf einer Achse drehen. Und so kam das Wasser mit Schläuchen und Druck durch diese Siebe. Wo der ganze Grundsand, Steine und Gold drin waren. Und so spült das Gold und kommt im untersten Teil dieser ausgedachten Maschine in einen engen, schmalen Trog, der mit Blomben <versiegelt> zu ist. Wo eben später der Inkassator <Inkassobeamte> kommt und das Gold rausnimmt. Es ist ein großer Haufen aus dem Schachtgrund aufgehäufelt vom ganzen Jahr, welches jetzt alles durch diese Maschine durchwaschen wird. Aber von dem Haufen bis zu der aufgestellten Maschine sind von 20-40 m. zu transportieren. Und weil man zu jener Zeit noch keine bessere Technik gefunden hat, mußten Trappen <Stege> von Brettern zurecht gemacht werden und dann mit den Karren mußte all dieser Grund überfahren, bis zum Bunker, wo wir die Karren umkippten und da ging ein Band oben in diese Maschine. So waren wir drei Mann und zwei Karren. Mit dem Fahren haben wir uns gewechselt. Einer hat immer eingeschaufelt, da haben wir uns in der Zeit etwas verschnauft aber gleichzeitig sehr aufgepasst, wie eine Taube nach einem Weizenkorn, so eine frische Schaufel voll zukam. So haben wir dann oft ziemlich Gold gefunden. Das blitzt oder glänzt gleich und so fasst man schnell zu. Da hatten wir eine Zündholzschachtel, da haben wir drei, das Gold, welches wir so während der Arbeit fanden aufbewahrt, bis gegen Abend. Da sah man schon an den Sträuchern, welche sich dann bewegten, einen Liebhaber für unser Gold. Da ließ er sich etwas blicken und wir gaben mit der Hand ein Signal. Dann schlich er sich langsam von der anderen Seite heran, wo der Konvoi stand und einer von uns. Wir sahen uns etwas um und taten so als ob wir auf unsere Geschäfte mußten. Das ging immer sehr schnell. Wir übergaben das Gold, er brachte eine gute Portion Brot und Tabak. Den zu jener Zeit waren wir wohl fast alle Raucher. Ich habe oft darüber nachgedacht; dieses war reines Gold ohne gemischt oder gefälscht zu sein. Aber bei uns hatte das Brot doch den größten Wert. Das war viel mehr wert als ein Haufen reines Gold. Das haben wir erfahren. Von diesem Jahr 1947 – 48 könnte man Bücher schreiben, wo Menschen, die nicht dort waren es kaum glauben können. Es war auch nicht gerade überall. Ich möchte doch diese Erfahrungen noch etwas schildern. Schon nach dem diese Goldwäscherei um war und wir wieder alle in diese Schachten arbeiten mußten , wurde es auf diesem Lagerpunkt immer schlechter mit dem Essen. Wir waren wohl 250 Mann Gefangene. Außerdem waren noch, so wie auch Kriegsgefangene, die in Deutschland waren auch viele. Die bekamen aber ihre Produkte alle auf die Hand und kochten sich ihr Essen selber. Und im Lager war das anders. Da waren die Blatnije <russisch – блатные – organisierte Kriminelle, A.W.> und dann die Köche in der Küche. Die haben sehr vieles verbracht, was die Gefangene haben sollten. Und so wurden die Menschen alle sehr schwach. Die Produkte, welche in die Küche kamen, haben die gleich immer das Haupte dickes rausgefuscht. Und wen wir Arbeiter müde und kraftlos von der Arbeit ins Lager und in die Speisehalle kamen, da gab es manchmal Schi. Das waren Fässer mit schwarzen Kumst und Krautblättern. Die kamen von Rußland eingemacht für die Kolyma. Das war eine salzige Brühe und dann haben sie um das es noch sollte heißen, was von Fett, es war Öl, das oben hin und wieder ein paar Augen zu sehen waren. Und Brot wurde immer weniger. Erst noch 600 Gramm. So das die Kraft bei den meisten ganz erschöpft war. So gab es dann einen so genannten „Polustazenar“ und von den übrigen 100 war auch schon mancher nicht mehr am Leben. Und 30–40 Mann lagen im „Stazenar“. Die übrigen, wo noch 30-40 Mann waren, schleppten sich noch bis in die Schacht aber von arbeiten war da keine Rede mehr. Ich befand mich auch im Polustazenar. Dann begab es sich: man brauchte Menschen zum im Wald mit dem Kettentraktor und einem Schlitten zu arbeiten. Aber dann kam gewöhnlich noch von der Wacht ein Nadsiratel <Aufseher> in unsere Baracke. Und wen er dann als ersten antraf, sagte er nur: „Du, du, du und du ihr werdet gleich mit noch etlichen in den Wald gehen und Holz zusammenlesen“. Es war aber sehr kalt draußen. Dieses mal kam auch ich dran. Gewöhnlich war es so,wenn sie merkten der Nadsiratel kommt, lief jeder so schnell er bloß konnte und legte sich auf die Naren. Dann wußte der Nadsiratel nicht ob der Mensch noch fähig zum Gehen war oder nicht. Aber solche, die noch herumstanden, die mußten mitgehen. Und dieses mal war ich von diesen allen, allein zum mitgehen. Ich muß hier noch zuvor berichten, alle die in dem Polustazenar waren, hatten nur ganz wenig anzuziehen. Die meisten hatten nur ganz alte Unterhosen und die waren ganz verfetzt und wenn jemand ein Hemd hatte, so hatte er schon keinen Kittel oder Jacke. Manche hatten auch das nicht, sie waren oben nackt. Und so wartete ich jetzt auf Kleider um in den Wald, nach Holz zu gehen. So brachten sie mir ein paar alte grüne Wattehosen, ein paar Wattenburki an die Füße, ein paar Lappen anstatt Strümpfe, eine Wattenmütze und Wattenhandschuhe. So stand ich da – wie eine Vogelscheuche. Nun ging es raus. Die Köche waren ganz gut angezogen und hatten einen normalen Magen. Aber als wir mit dem Nadsiratel gingen, war ich schon ganz müde. Er sah es mir an, das ich mich anstrengte aufs Höchste. Da rief er den Forderen immer wieder: „langsamer, langsamer“ zu. Da ging er neben mir und fragte: „Von wo bist du?“ Er merkte das ich ein deutscher war. Nun ich sagte: „geboren in Saratov Gebiet“. Nun er sagte nur, er sei auch von Saratov. Und ich merkte es hat ihm doch leid getan um mich. Erstens war ich ganz durchgefroren und Kraft hatte ich sozusagen keine. Einen Ast den ich da auf den Haufen brachte, war für mich viel zu schwer. Als die Kerle Stämme beischleppten, da kam dann auch der Traktor und brachte eine ganz andere Suppe als wir sie jetzt schon immer hatten. Da waren die Haupten auch schon dabei. Da nahm der Nadsiratel selbst den Schlöf und schöppte mir gut ein. Ich war so froh. Das hat so geschmeckt, wie ich schon lange nichts bekommen hatte. Jetzt wurde der Schlitten geladen. Ich brachte hin und wieder auch noch ein Stück Holz, aber das war alles so viel, wie nichts. Der Nadsiratel hieß Litwinow. Er fragte noch mehrmals, was für einen Srok <wie lange> ich noch zu sitzen hatte, was für eine Statja <Paragraf>. Dann sagte er: „Ich werde sehen ob ich dir vielleicht auf die Raskowojka, das hieß, das du ohne Konvoi gehen kannst, helfen kann.“ Ich dachte so, wenn er ja auch gut war, aber das wird er mir nur vorgemacht haben. Aber es verging keine Woche, da wurde ich gerufen. Und da sagten sie mir: „Du darfst von jetzt an ohne Konvoi gehen“. So gedachten sie mich einem forschen Mann, einem Spetzpereseleniz zur Hilfe geben. Er war Srywnik <russisch – взрывник – Sprengmeister, A.W.> und da mussten vom Lehm solche Würsten gemacht werden und eben alles ihm beitragen. Und so kamen sie mit mir und sagten zu dem Srywnik: „Hier haben wir dir einen Gehilfen gebracht“. Da sah der Mann mich an und schüttete den Kopf. Da sagte er zu den Obersten ob er noch alles im Kopf hatte. „Was soll ich auch noch diesen Menschen hin und her tragen? Du siehst doch selbst, der steht ja kaum selbst auf den Füßen und du denkst, wenn du mich nur befriedigst. So kam ich als dnewalnyj, wo nur zehn Mann in einem kleinen Haus wohnten, auch spezpereselenzy, mehr von die Ukraine her. Die sagten mir: „Ja, wir brauchen sehr nötig einen, der uns hier etwas aufräumt, aber das wichtigste ist, das du diese Stube warm hältst und dazu musst du eben das Holz dir von die Berge holen. Sie sahen ja, das ich sehr elend war, so gab mir jeder etwas Hirse. Da war ich sehr dankbar. Es war etwas über ein halbes Glas, das kochte ich mir dann auch sofort und aß es mit Wohlgeschmack. Ich nahm das Beil und einen nicht langen Strick und machte mich auf den Weg zu dem Berg. In der Höhe fand ich auch einen ganz guten Stamm, trockenes Holz. Das freute mich. Ich machte eine Schlinge an dem Strick und schlenkte den Stamm um. Mit dem Beil hackte ich es kürzer, so das ich es von der Stelle schleppen konnte. Dann als es bergab ging, war es gar keine so große Mühe. Aber ich war doch einmal zu schwach. Ich brachte diesen Stamm bis an das Haus und obwohl ich schon recht müde war, wagte ich mich gleich noch einmal hoch und holte noch einen Stamm. Jetzt wollte ich doch erst rein gehen und mich etwas verschnaufen und dann das Holz fein machen. Als ich rein kam ins warme, wurde mir ganz schwarz vor Augen und ich fiel um. Da nahmen die Männer, die drinnen waren mich auf, zogen mir meine Wattenjacke aus und legten mich aufs Bett. Da ging einer gleich zum Lager und sagte dem Dnewalnyj: „Welcher heute Morgen nach uns kam, ist krank und liegt bei uns auf dem Bett.“ So kamen zwei blatnye .Die kamen rein und sagten: „Na, bist schon fertig?“, das war wie ein höhnisches Lachen. Sie zogen mir die Fufaika über, beide von einer Seite und schleppten mich in den stazenar, wo schon die meisten noch viel schlechter drann waren als ich. Nun überfiel mich dann doch Angst. Ich lag auf einem Bett. Erst war ich wassernass, dann fror es mich. Meine Gedanken waren jetzt oft bei meiner Mutter und mir wurde es so schwer zu Mute. In meinen Gedanken sagte ich: „Treuer Heiland, du siehst mich hier in dieser Gegend. Willst du meiner Mutter noch mehr Leid bringen, wenn ich hier sterben muss, so war es bei mir.“ Ich weiß nicht, Gott hatte sich auch hier wieder sichtlich erbarmt. Es waren nur zwei oder drei Tage, wo ich in diesem Stezanar war. Es kamen aus der Rajbolniza (Krankenhaus) zwei Autos und luden alle, welche sich im Stezanar befanden auf diese Autos. Wir wurden mit Decken bedeckt und so fuhren wir Anfangs 1948 zur Rajbolniza. Wir dachten hier etwas besser zu hoffen. Aber auch hier waren wir auf den Hungerstod geschickt. Als wir ankamen, wurden wir ausgezogen. Die Kleider, die wir anhatten wurden uns alle abgenommen; sogar die aller lumpigsten, auch Unterwäsche. Wir waren alle ganz nackt. Es war eine große Baracke. In der Mitte stand ein geschweißter, aus vier bis fünf Millimeter dicken Eisentafeln, großer Ofen, ein Rohr, wo der Rauch rausging war durch die Decke und dann wurde dieser Ofen Tag und Nacht mit Holz geheizt. Diese Baracke hatte am Ende zwei kleine Fenster. Und alle Wände waren dicht bei dicht mit alten eisernen Bettstellen voll gestellt. Nur sehr dünne Matratzen waren oben. Aber es waren viel mehr Menschen als Betten. Auf einem Bett lagen sogar bis zu zwei Personen. Was das für ein Jammer war, wir konnten nur auf einer Seite liegen. Und dann die mageren Menschen – da war nur Haut und Knochen. Wenn wir fünf Minuten auf diesen üblen Betten
lagen, konnten wir es vor Schmerzen nicht mehr aushalten. So drehten sich die Leute von einer Seite auf die andere. Da schrien immer wieder welche: „Nu dawaite powaratschiwajtes, ja bolsche ne mogu“. Dann war da noch ein vier Meter langes Brett, anstatt einer Bank da. Da setzten sich die Leute drauf, die am Tag oder Nachts auf den engen Betten nicht schlafen konnten. Aber gewöhnlich nicht so, wie wir uns heute hin setzen. Nein man sagt: „auf die Huck“, die Füße auf die Bank. Dann drücken wenigstens nicht die Knochen am Hinterend. Da saßen manchmal sieben bis acht Menschen – Haut und Knochen, so waren wir dort alle. Wir bekamen morgens einen Salzhering und einen Teller dünne Sojasuppe. Morgens bekamen wir unser Stückchen Brot (300 Gramm) für den ganzen Tag. Wir sollten 600 Gramm haben, aber mehr Brot war nicht da. So ging einen Tag nach dem anderen. Mittags wieder einen Teller Sojawassersuppe und Sojabohnenkaschitza (Brei aus Sojabohnen) und von allem nur sehr wenig. Wenn ich dieses heute schreibe, so möchte ich weinen. Solche junge Lute alle und dann so etwas zu machen. So waren wir einen Monat. Wir wußten überhaupt nicht, wieviel Leute dort geblieben sind. Das ist als ob man sich um so etwas gar nicht interessiert. So kamen öfter nach dieser Rajbolniza von dem (Priisk) verschiedene Obrigkeit und fragten ob vielleicht jemand auf Arbeit will, das war freiwillig. So sagten eben auch viele, was kommt, kommt. Hier sind wir in einer bis zwei Wochen auch nicht mehr. Es kam oft vor, das wir nur 200 Gramm Brot am Tag erhielten, So waren immer wieder Menschen, die sich meldeten weg von der Rajbolniza. Wir sagten immer, wenn solche kamen um nach Arbeitern zu fragen: „Pokupateli priechali“ (Die Käufer sind gekommen). Und so kam mal ein Käufer aus einem sowchos. Da dachte auch ich, das es hier vielleicht doch noch eine Möglichkeiot gibt durchzukommen. Und ich meldete mich auch. Wir waren 16 Männer, einer wie der andere: Haut und Knochen. So wurden wir angekleidet. Wieder alte Lumpen, ganz verbrannte Unterwäsche, eine Wattejacke von der Front und auch solche Wattenbosen, wo überhaupt keine Wärme drinnen war. Eben alles aus Watte: Jacke, Mütze, Stiefel. Und so mußten wir nun drei Kilometer zu Fuß gehen. Aber es war sehr kalt draußen -50° C, so das wir ein paar Schritte gegangen waren und schon spürten, wie der Frost uns arme Kerle untergekriegt hat. So kamen wir dan an eine Zone, da waren wie überall Wachtore und Nadsirateli (Aufseher). Wir konnten uns bald vor Frost nicht mehr halten. Dann endlich kam ein Wächter und ließ uns rein. In dieser Zone waren lauter Frauen. Wir mußten in die Vorstube, die die Frauen zum Baden benutzten. Aber diese Stube war jetzt nicht geheizt. So mußten wir uns erst mal einen Holzstamm zersägen. So waren wir 16 Mann und haben dann immer abwechselnd gesägt, bis wir erst mal den eisernen Ofen anstecken und uns vor allem unsere Hände wärmten und dann am ganzen Körper froren, bis wir erst mal zu uns kamen. Es dauerte nicht lange, da besuchten uns aus dem Lager die Frauen. Als sie uns sahen, hatten sie anfangs noch ihren Spaß, dann fingen sie an zu fragen woher, wer kommt. Da trafen sich auch Landsleute. Nun brachten sie uns Brot und Kascha <Brei> zum Essen. Da kam aber gleich eine, die wußte, diesen Leuten darf man nicht gleich zu viel geben. So gaben sie dann doch jedem so 500 Gramm Brot, das alle mit einem sehr großen Appetit aufaßen. So dauerte es auch nicht lange als eine Kommission kam. Ein Desjatnik vom Wald, ein Kommandant und ein Arzt. Diese Männer sahen ja auch gleich, das von solchen Menschen, wie uns man nicht viel verlangen konnte. Wir saßen so wie es üblich war, einer neben dem anderen, der Wand entlang. Der Desjatnik fing vom Ende an: „Nun du wirst bei mir auf dem Lesopowal (Holz fällen im Wald) arbeiten. Der sagte zu und so einer nach dem anderen. Dann kam er auf einen zu der sagte: „Nein, das kann ich nicht“. Als ich an der Reihe war, sagte ich auch ab. So blieben wir zu dritt. Die anderen bekamen alle neue Sachen und neues Fußzeug. Man lud sie auf Autos und sie fuhren fort. Jetzt dachten wir drei: wollen für weiterhin sehen ob wir nicht dichter an die Küche kommen können. Vielleicht Holz sägen oder was da noch für Arbeit sich für uns ergibt. Es dauerte nicht lange, da kam der Kommandant. Er sagte nur: „Ihr drei Absager kommt mit, ich hab für euch Arbeit. Wir wollten eigentlich von diesem warmen Platz nicht recht fort. Er lachte nur: „Hier ist es für euch gefährlich“. Nun, wir konnten ja verstehen. Und so wurden wir alle drei Dnewalnye, wie Aufräumer. So kam ich dann in eine Baracke, wo 30 Mann waren. Die Hälfte waren auch gewesene Gefangene und und die andere Spetzpereselenzy <Sondersiedler>. Der Kommandant trat mit mir zur Türe ein und sagte: „Guten Tag“. Viele grüßten ihn zurück. Dann sagte er: „Dieser Mensch wird bei Dnewalnyj sein. Er ist ein raskonvoinyj Saklytschönyj <russisch – расконвойный заключёный – Häftling ohne aufsicht, A.W.>“. Da hob sich auch schon einer von den Spetzpereselenzy und sagte: „Was brauchen wir hier solch einen?“ Er hat sein Wort noch nicht ausgesprochen, da schrie der Brigadier ihn an: „Du halt das Maul“. So war er sofort still. Der Kommandant hat also seine Sache gemacht. Dann wandte sich der Brigadier an mich. Er sah, das ich verlegen war, was jetzt weiter wird. Aber der Brigadier, der nannte mich gleich „Bratok“ (Bruder). „Komm zu mir, setz dich mal her. Von wo kommst du und wer bist du?“ Ihm kamen beinah die Tränen. Dem anderen, der da gegen mich war, dem war es jetzt gar nicht recht. Nun ich sagte dem Brigadier dann, wie es war. Der wußte so etwas und hat auch mancherlei erlebt. Dann sagte er nur „Rebjata“, da wußten sie schon. Der Brigadier gab mir eine gute Wattenjacke, ein anderer Unterhosen, noch einer ein Hemd und Kittel. In 10-15 Minuten war ich angezogen. Dann sagte er: „Zeigt ihm die Banja.“ Zu mir sagte er: „Wasche dich gut, zieh dich um, dieses alles verbrenne gleich und dann komm her. Dort bei der Tür, das ist der Platz für den Dnewalnyj. Überanstrenge dich nicht gleich. Wir wissen alle, wenn du bald erst etwas anderes aussehen wirst, wirst du selber wissen, was deine Arbeit hier sein wird“. Ich mußte mein Pajök essen und auch das Brot aus dem Frauenlager holen. Da ging ich hin und bekam immer mein Brot. Und die Köche gaben mir Kascha, den ganzen Kotelok voll. Und auch hier hatte ich genug, so das ich schon bald spürte, das ich kräftiger wurde. Die erste Tage, als schon alle schliefen, stellte ich mir einen Eimer auf den Ofen, machte heißes Wasser, nahm den Lappen, fand noch ein großes Messer und machte mich an die Arbeit. So nahm ich erst drei Dielen, so lang der Barak war und scherte sie weiß und dann ging ich schlafen. Am nächsten Morgen hab ich weiter gescheuert. Am Ende der Woche, sah die Baracke schon ganz anders aus. Holz brachten unsere Fuhrleute immer schon fertig gesägt. Es mußte nur gespalten werden. Das fiel mir die erste paar Tage noch schwer. Aber dann, wenn einer dazu kam, wenn ich mit dem Beil gerade anfingt, da sprangen sie bei und halfen mir das ganze Holz zu spalten. Es dauerte nicht lange, in 3 Wochen, da war ich nicht wieder zu erkennen. Also wie verschieden es doch war. Dort lassen sie die Menschen verhungern, und drei km, weiter da haben sie alles voll. Es ist nicht zu begreifen, wie die Obrigkeit so etwas zulassen kann. Hier war ich bald Expeditor. Ich mußte für alle das Brot holen, noch gab es alles auf Propuski <russisch – пропуск – Passierschein, A.W.>. Ich weiß nicht recht,es war eigentlich doch von mir viel gewagt. Sie gaben mir alle ihre Propuski. Nur auf Brot das haben wir mit der Verkäuferin gleich besprochen, das ich die nicht jeden Tag aus der Tasche ziehen brauche. Wir übergaben die und ich ging jeden Morgen hin und brachte das Brot. Und verwog es, wenn die Arbeiter kamen,war alles fertig. So brachte ich auch alle Produkte auf die Propuski. Wenn die Arbeiter kamen, nahmen wir die Wiegerei u. so war alles in Ordnung. Sie brauchten nicht erst gehen und in Schlange stehen. Da war ich acht Monate. Dann mußte ich aber wieder in den Wald. Schon überführt in ein großes Lager in Sussuman. Da brauchten sie auch wieder solche Menschen. Das Wichtigste ist ja doch immer, daß das Essen ausreicht, dann gewöhnt man sich auch an die Arbeit. Später kam ich wieder in eine Autobase. Da brauchten sie Heizer und wenn man Lust hat für zwei Personen zu arbeiten, so war es dann. So werden die zwei Jahre runter geschrieben. Das heißt du kannst zwei Jahre eher frei werden. Nun das habe ich übernommen. Es war nicht sehr leicht, aber ich mußte auf diese Art ein Jahr so arbeiten. So waren dann meine acht Jahre verrechnet. Also arbeitete ich so ein Jahr. So wurde ich aus der Haft frei. Jetzt kommt es weiter. Die Russen und andere Nationen wurden auch frei. Sie bekamen gleich ihre Papiere zum Paß und konnten jetzt machen, was sie wollten. Wollten sie auf der Kolyma bleiben, bekamen sie gleich 25% mehr, als wir Deutsche. Ja, und als ich jetzt, wie man sagt aus der Haft kam, bekam ich an der Stelle von einem Paß, eine Spargalka, ein Stück Papier. Man schickte mich zum Spezkommandant. Der nimmt das Papier und stellt dich gleich in seine Liste und sagt dir: „Tak, Fröse ti sejtschas konetschno swobodnij tschelowek, ti otbil tschestnim trudom nakasanije. A sejtschas sluschaj kakije u nas parjadki w spezkamendature“ <russisch – Так Фрёзе, ты сейчас конечно свободный человек, ты отбыл честным трудом наказание. А сейчас слушай какие у нас порядки в спецкомендатуре – Natürlich, Fröse bist du jetzt ein freier Mann. Du hast mit ehrlicher Arbeit deine Strafe gebüßt. Jetzt aber hör zu, welche Regeln bei uns in der Sonderkommandantur gelten, A.W.>. Und dann sagte er: „Hier ist dein Arbeitsplatz und dort deine Baracke. Wenn du vom Arbeitsplatz drei Kilometer seitwärts gehst, wirst du bestraft und landest auf der anderen Seite von der Baracke.“ Und so haben sie uns dumm gelernt. Und jetzt bekamen wir als Spezpereselenzi keine Ljgoty <russisch – льготы – Vergünstigungen, A.W.>“, so wie die Russen, sondern nur sewernaja stawka <russisch – северная ставка – Gehalstarif für den hohen Norden, A.W.>“. Im Jahre 1950 kam der Befehl: „Die Vereinigung der Familien“. So schickte meine Mutter von Karaganda einen Antrag, das ich zu ihr kommen soll. Dieses wurde auch übergeben in die Spezkamendatura Sussuman. Man sagte mir, als ich zu der monatlichen Meldung kam: „Fröse, deine Mutter aus Karaganda hat einen Antrag gestellt. Und wenn wir eine Anzahl Spezpereselenzy zusammen haben, fährst auch du nach Karaganda“. Also war ich voller Hoffnung, das ich bald zu meiner Mutter und den Meinigen kommen werde. So vergingen zwei Wochen und ich ging zum Spezkommandant und fragte, wie es wäre. Er sagte nur ganz kurz: „Noch ist nichts“. Dann in einer Woche ging ich wieder zu ihm. Jetzt wurde er schon aufgebracht und fuhr mich an: „Was kommst du bloß immer wieder, das du mir mit dieser Frage nicht mehr kommst, wenn es soweit ist, lassen wir dir Bescheid sagen und jetzt geh“. So hatte ich mich an diesen Vorgesetzten nicht mehr zu melden. Also doch alles um sonst. Die hiesige Obrigkeit war bestrebt die deutschen Spezpereselenzi nicht aus dieser Gegend abzugeben. Dann versammelten sie die Mehrheit von den Deutschen und sagten: „Es ist ja ein Befehl zur Vereinigung der Familien. (Sojedenönije Semji) Aber nur auf diese Weise könnt ihr eure Familien hier her kommen lassen. Ihr könnt auch hier Häuser bauen und wohnen mit euren Familien.“ So schlau, so niederträchtig. Und so wußten ja die Menschen nicht, ist es so oder nicht so. So kam dann schon 1951 zu einem Gise seine Familie. Und zwei: ein Derksen J. und Franz Kapetschny hatten sich auch entschieden zu bauen und ihre Familien kommen zu lassen. Es war ein Abram Wilms, mit welchem ich auch zusammen noch in dem Lager (Saklütschenije) war. Der war auch kurz nach mir frei geworden. Wir sorgten gleich dafür, das er sein Bett neben meinem Bett bekam. Und zwischen unseren Betten hatten wir zusammen eine Tumbotschka <Nachtschränkchen>. Und überhaupt hielten wir uns mit noch vier deutschen etwas zusammen, so wenn es irgendwie waren wir vereinigt. Jetzt kamen die zwei „Baulustigen“ Derksen und Kapetschny und fragten: „Jungens, wollt ihr uns nicht bauen helfen? Den jetzt ist der Frühling da, 1951 und wenn ihr auch nicht fort kommt, bauen wir im nächsten Jahr noch ein solches Haus an und dann laßt auch ihr Eure her kommen“. Beim Bauen mitzuhelfen, da waren wir beide uns auch gleich einig, denn jetzt gab es lange Tage auf der Kolyma. Und so wurde ihnen auch schon eine Baustelle bestimmt, denn, Platz war genug da. Und in ein paar Tagen brachten sie zwei große Autos mit langem Bauholz. Nun so waren wir dann immer nach der Arbeit noch mal alle Tage auf fünf oder sechs Stunden zur Baustelle gegangen. Bis es Herbst war, hatten wir das Haus, zwei Familien und noch eine Stube, gerechnet für uns zwei, wenn dann ihre Familien bald kommen würden. Es waren noch Kleinigkeiten geblieben an der Bauarbeit. Und so kam es, dass Willms mit einer Gruppe zu seiner Familie fahren konnte. So nahmen wir noch Abschied von meinem Freund. Und sie wurden mit Autos nach Magadan gebracht. Wir drei zogen dann eben in das Haus aus den Baracken über. Die Familien sollten wohl erst zum Frühling kommen. So wohnten wir zusammen. Kopetschny fand auch vorläufig noch einen gewissen Abram, der auch seine Jahre abgesessen hatte. Er war dort Schoffer. Und ich war zusammen mit Jakob Dörksen aus Altai. Ich war noch mit einem J. Friesen bekannt. Wir waren auch in der Gefangenschaft zusammen, auf dem Schiff. Dieser war auch aus Altai und hatte auch seine Mutter dort wohnen. Und weil wir hier noch keine Hoffnung fanden, auf welche Art wir loskommen könnten, schrieb er einen Brief. Und zwar so, als ob die Mutter ihn geschrieben hat und schickte ihn auf die Adresse nach seiner Mutter. Die Adresse nach Moskau an wen der Brief vom Altai abgeschickt werden sollte, schrieb er auch so, das die Mutter nur den Brief in einem anderen Umschlag und die angegebene Adresse nach Moskau, so schnell wie möglich abschicken sollte. Man konnte von hier, aus Sussuman unmöglich einen Brief nach Moskau abschicken – er kam sofort zur NKWD. Nun so vergingen etliche Monate, bis Friesen eine Nachricht bekam. Aber als er dann doch eine Nachricht auf den Brief der Mutter erhielt, ging das sehr schnell. Er wurde zur NKWD gerufen und man sagte ihm: „Friesen hier hast du Papiere, du erhältst einen Paß und im Verlauf von 24 Stunden, dass du hier losfährst nach Magadan und dann nach Altai“. Er solle aber die Zunge hinter den Zähnen halten und niemandem von der Abfahrt etwas sagen. Es ging ja auch wirklich sehr schnell, aber doch er kam noch bis uns und erzählte von seiner Geschichte. Und riet auch mir, irgendwie einen Brief nach Moskau an Schwernik (Pred. Werchownogo Soweta) <Vorsitzende, des Obersten Sowjets der UdSSR, A.W.>. Ich wollte dem Jasch Friesen, im ersten Moment meist nicht glauben. Dann lachte er und zeigte mir seinen Paß. Jetzt fing auch ich an zu grübeln, wie es wohl am besten wäre. So kamen von unsere guten Jungens oder auch Männer, war auch der Wasja Schäfer immer ein guter Kerl. Er war Schoffer und hatte lange Fahrten oft nach Magadan. So erzählten wir uns und da meinte er: „Weißt du, wir wollen es versuchen. Du schreibst alles wie es ist und auch die richtige Adresse nach Moskau, ich sorge dafür, das der Brief in Magadan auf dem Flughafen abgegeben wird. Und so machten wir es dann auch. Ich setzte mich gleich hin und und schrieb alles genau, wie es mir hier geht mit dem (wisow) <Einladung>, schon über ein Jahr lassen sie mich nicht zu meiner Mutter, die schon so lange auf mich wartet. Er nahm den Brief mit und der Brief kam in Moskau an. Es war wohl etwas über einen Monat – da mit einmal kommt einer aus der NKWD: „Srotschno jawitsja w NKWD, kabinet nomer 20“ <Sofort bei der NKWD erscheinen, Zimmer 20, A.W.>. Ich wußte ja nicht um was es sich handelt. Wenn es hieß NKWD, da hatte man gewöhnlich etwas Angst. Und jetzt kam ich zu diesem Kapitän ins Zimmer. Ich stellte mich vor: „Spezpereselenez Fröse jawilsja po waschemu wisowu“ <Sondersiedler Fröse erschienen laut Ihrem Befehl, A.W.>. „Ach so du bist dieser Fröse. Wo hast du hingeschrieben und wer gab dir die Erlaubnis nach Moskau zu schreiben?“ Dann ging er an seinen Tisch und nahm aus seiner Schublade meinen Brief, welchen ich nach Moskau geschrieben hatte. „Wir werden dir noch zeigen“,schrie er mir zu. Aber die Resolution war schräg über den Brief auf einer Seite geschrieben. Da stand: „Wasche sajewlenije i sschaloba nami rassmotreno. Resultat wischlim dapolnitelno“ < Ihre Antrag und Beschwerde wurden zur Kenntnis genommen. Das Ergebnis wird Ihnen extra zugeschickt, A.W.> Und dann sagte er mir nach: „Das du mir aus den Augen kommst“. Also haben auch diese den Brief gelesen. Das hat mich doch etwas beunruhigt. Denn was können die sich noch alles ausdenken. Aber es ist ja doch schließlich noch einer auf den wir immer wieder in allerhand Lagen unser Vertrauen schenken können. Was jetzt auch kommen wird, das kommt. Es vergingen nur drei bis vier Tage, da war der (posilnoi) <Kurier> wieder da, mit einem solchen Papierzettel (srotschno jawitsa) <Sofort kommen>. Ich kam zu der bekannten Stelle, stellte mich wieder vor. „A nu snajesch Fröse, ti nam sdes ussche nadojel“ (Fröse du bist uns hier schon über). Das war dann auch alles, was er zu mir sagte. Ich bedankte mich noch bei ihm für die Nachricht. Er gab mir etliche Papiere zum einjährigen Pass, mit dem Stempel (spezpereselenez) und noch ein Papier bis Magadan und jetzt sagte er, geh und nimm die Kündigung (rasschöt). So ging ich dann gleich zum (otdel kadrow) <Personalabteilung>, dort war ein Kusnezow (natschalnik). Ich sagte, ich will die Kündigung haben. Der schaute mich verwundert an und sagte: „Was denkst denn du?“ Ich sagte: „Ja, ja wähl die Nummer und ruf an“. So nahm er dann das Telefon und forschte nach ob das auch stimmt. „So,so na ja (nu ras tak to dam rastschöt)“. Und so füllte er die (trudowaja knischka) <Arbeitsbuch> aus, stellte den Stempel, unterschrieb, wünschte mir noch alles Beste und ich ging los. Wie mir an dem Tag zu Mute war, kann ich meinem Leser nicht beschreiben – natürlich ist das noch lange nicht alles. Also jetzt hatte ich den Kopf voll. Erstens mußte ich berechnen, wieviel Geld ich ungefähr habe. Es waren etwa 3500 Rubel auf den <Spar>Buch, das war jedoch nicht genügend. Im Lager, da war ein Albaner, dem hat mein Anzug sehr gefallen und er wollte ihn mir für 1000 Rubel abkaufen. In Lager haben wir viel mit ihm zusammen gesessen. Er verstand so gut den Plow zu kochen. Er war in der (kotelnaja) <Heizungsraum>, wo ich arbeitete oft mein Helfer (pomoschnik) und so kam er auch öfter nach uns wo wir jetzt wohnten. Der Franz, auch Derksen konnte ihn gut leiden. So, jetzt sind das dann schon 4500 Rubel, so gab ich meinen Anzug ab. Und jetzt bekomme ich noch die Kündigung und so muß das Geld bis Karaganda reichen. Zu allen diesen Vorbereitungen verging auch der andere Tag auch noch, aber dann am nächsten Tag, früh Morgens fuhr ein Bekannter Schoffer nach Magadan. Da muß ich sehen, das ich da mit komme. Jetzt ging ich zur Sparkasse, nahm mein Geld runter, fragte nach großen Hunderten oder Tausend. So gaben sie mir das Geld. Ich kam nach Hause, nahm die neue Unterhose und nähte alles außer 500 Rubel ein, so das es nicht so zu merken war. Dann war auch weiter nichts, ich hatte nichts weiter.
Eigentlich war das Gesetz so: Sie hätten uns müssen auf (gosudarstwerije sredstwa) (rechnung der Regierung) bis Karaganda bringen müssen. Aber wie lange hätte man wohl noch warten sollen? Also jetzt ging ich noch zu diesem Schoffer, er war ein Russe, aber er nahm von mir keine Kopejka. So fuhr ich wohl den 6. März 1952 von Sussuman nach Magadan ab, schon 660 km. dichter nach Karaganda zu. Wir kamen spät abends in Magadan an. Es war eine Russenfamilie. Die hatten einen großen Hof, zwei Zimmer und eine große Küche. Die Grosstube hatten sie für die Schoffer und verschiedene Leute, die gut bezahlten. Da hatten sie auch solche Menschen, die die ganze Nacht über Karten spielten. Das war dieser Leute ihre Einnahme. Außerdem hatten sie in der Küche einen ziemlich großen Platz abgeschlagen und mit Stroh drin, eine Sau mit Ferkeln. Nun der Schoffer bekam seinen Platz und ruhte sich aus. Aber für mich war dort kein Platz. Aber wo sollte ich hin? Draußen kann man dort nicht sein. So fragte ich: „Wie könnte ich bei euch wenigstens eine Nacht sein?“ Der Wirt sagte: „Wenn es dir gut genug ist, dann kannst du dir in der Küche noch irgendwo neben dem Hock ein Plätzchen finden, aber bei uns ist es, wer übernächtigt, der bezahlt den Preis von 50 Rubel für die (sutki) <24 Stunden>. Ich war meist erstaunt, aber dann willigte ich nur schnell ein. Wo will man hier in solch einer Stadt hin? So war ich schon eine Nacht in Magadan. Morgens fragte ich den (chosajin) <den Wirt>, wo ich in Magadan diese NKWD finden kann, denn ich war jetzt in Magadan. Da befindet sich ja die Haupte Obrigkeit der NKWD. Er sagte: „Ich gehe auch gleich in die Stadt, da kann ich dir gleich sagen, wo das ist“. Und so zeigte er mir das Gebäude, wo die ganze Suppschaft drin steckt. Ich kam rein. Vorne gleich ist eine große Stube und an der rechten Seite ist eine Ecke, da steht ein Telefon. Wie ich jetzt rein kam, sah ich, vor einer Tür sitzt ein Miliz. Nun der sitzt auch da, wenn wer was fragt, sagt er, es ihm, wie oder an wen man sich wenden soll. Ich sagte ihm ich muss mich an einen Wtürin wenden. Dann sagte er: „Wot telefon, nabiraite“ <hier ist das Telefon, wählen sie bitte>. Die obrige Nummer weiß ich schon nicht mehr. Ich rief ihn an und sagte ihm, das ich gekommen bin um nach Karaganda zu fahren. Er sagte kurz, das ich um vier Uhr kommen soll. Ja, jetzt ist es erst neun Uhr. Sieben Stunden muß ich hier warten, aber was hilft das? Nun, ich blieb da, ging hin und wieder raus, kaufte mir zwei Zwieback (bulotschki) und aß die auf. Dann wartete ich bis vier Uhr. Danach habe ich wieder angerufen. Da war noch eine (fortotschka) <Durchreiche>, die machte er auf und sagte: „Wo ist deine (naprawlenije) (Papiere)? So gab ich ihm die und dann merkte ich, wie er sagte: „Na ja eigentlich habe ich von Moskau ein Telegramm bekommen. Da stand, die Deutschen nicht mehr mit den Flugzeugen fliegen zu lassen. Also wirst du wieder zurück fahren, von wo du gekommen bist“. Das war ein Schlag. Also alles Bemühen, auch der Brief aus Moskau. Und was werden die dort sagen, wenn ich jetzt wieder zu dem alten (Spezkommandant) erscheinen sollte? Nein so etwas geht auf gar keinen Fall. Er sah mir doch wohl gleich an, was in mir vorging. Und ich dachte: „Auch du willst nur eine gute Summe von mir haben, dann kann auch der (Nemez) <Deutscher> fliegen. „ Aber ich hab doch nur für die Billette und dann muss ich ja auch noch was essen“ Ich sagte ihm, dass ich da auf gar keinen Fall zurück fahre. Und dann weiß ich selber nicht mehr, was ich ihm alles sagte, aber da schüttete ich ihm mein Herz aus. Ich fragte ihn: „Wie lange wollt ihr mich noch quälen? (skolko wi budete na domnoi isdewatsa?) Und wenn du mir auf der Stelle noch zehn Jahre gibst, aber dorthin fahre ich nicht. Da sagte ich ihm alles, was ich nur wusste und dachte. Der sah mich so verwundert an. Ich sagte ihm: „Jetzt habe ich alles, was ich hatte zusammengespart und den einen Anzug, welchen ich mir gekauft hatte, auch den hab ich verkauft. Nur mit allem, was ich nur konnte um die Reise bis Karaganda zu erreichen und jetzt wollt ihr mich einfach wieder zurückschicken, wo ich mich doch schon verrechnet habe und nur noch von euch abhängig bin. Dann sagte er zu mir: „Gib das Papier“ Dann schrieb er rauf: Ich erlaube in Magadan auf Arbeit zu gehen. Nun also zurück brauchte ich nicht. Also wo sollte ich wohnen? So war ich wieder dort nach meinem „Schweine Ort“ gegangen. Den anderen Tag ging ich wieder dort hin. Dann waren wir schon noch etliche Deutsche, die waren auch so ähnlich, ohne Wohnung. Und so sagte der Kommandant: „Fahrt mal dort und dort hin.“ Er gab uns Adressen. So waren wir drei Mann. Dann fuhren wir nach Magadan und suchten überall Arbeit. Aber überall wo wir hinkamen, sagte man uns: „Nein, wir haben hier genug Arbeiter“. Und so war ich jetzt schon fast eine Woche hier. Ich hatte schon über 200 Rubel zugebracht auf diese Stelle. Dann kam ich noch mal einen Abend dorthin, da kam die Hausfrau und meinte: „Sluschai molodoi tschelowek, ti wosmi potschaluista twoi tschimadantschik i uchodi“ <Hör zu junger Mann, nimm bitte dein Kofferchen und geh weg> . Ja ich habe selbst schon darüber nachgedacht. Sie sagte: „Du kannst hier auf gar keinen Fall eine Nacht bleiben. Die haben sich für dich schon interessiert, dass du Geld bei dir haben musst“. Diese Banditen spielten dort die Nacht über Karten und so meinte sie: „Geh und pass auf, aber hier lass dich auf gar keinen Fall mehr sehen“. So nahm ich schnell meinen Koffer und ging so schnell wie möglich zu dem Kommandanten zurück, welchen ich noch antraf. Ich war so aufgeregt, ich erzählte ihm von der Lage in der ich mich befand. Und wie es eben immer kommt auch in diesen Moment führt Gott immer wunderbar. So kam gerade noch ein deutscher (dnewalnij) aus einer Baracke und hatte mit dem Kommandanten was zu besprechen. Dann sagte er: „Diesen Mann nimm mit, du hast doch noch einen freien Platz.“ So konnte ich wenigstens in dem Barack sein, wo hauptsächlich Deutsche waren. Dann in ein – zwei Tagen half der Kommandant, das ich in Magadan Arbeit bekam. Dann suchte ich mir einen Platz in einer Toilette, das ich das Geld so schnell wie möglich aus der Unterhose raus nahm und gleich in die Sparkasse abgab. Ehe es mir wirklich die Banditen noch weg nahmen. Dann war ich wieder beruhigt, das ich es los war. Und so waren wir jetzt sechs deutsche Männer, welche alle nach Hause wollten, wie auch ich. Aber alle mussten wir auf Arbeit. So arbeitete ich schon eine Woche. Ich hatte mir eines Tages vorgenommen in ein Kaufhaus (magasin) zu gehen. Ich brauchte eine Kleinigkeit. Da kam ich an einem Hotel vorbei und gerade da stand mit einem mal der Wtürin, welcher uns eben nicht gleich fahren ließ. Ich sah ihn, jetzt war mir- soll ich vorbeigehen? Aber ich sagte doch: „Guten Tag ( Sdrawstwuite)“ Es war mir ganz unverhofft. Er nannte mich beim Namen: „Frese, nu kak twoi uspechi?“- „Nu kakie mogut bit uspechi?“ <„Fröse, wie sind deine Fortschritte?“- „Welche Fortschritte kann es bei mir schon geben?“., A.W.>. Dann sagte er mir: „So nun kannst du (Rastschöt) Rechnung nehmen, denn deine Papiere sind abgegeben und so erhältst du denn auch eine Erlaubnis (rasreschenije) für das Flugzeug und Durchlas (propusk) bis Chabarowk. Er lächelte und sagte (ponjatno?) verstanden? Er sah was in mir vorging, anders als wir uns trafen, wie ich mich absagte wieder zurück zur Kolyma zu fahren. Aber ich konnte das erst gar nicht glauben. Ich dachte es ist auch ein Traum. Kann dies wirklich wahr sein? Ich glaube das mir wohl vor Freude etwas Tränen kamen. Obwohl ich ein abgehärteter Kerl von verschiedenen Empfindlichkeiten war. Aber jetzt vergaß ich überhaupt, was ich in dem (magasin) eigentlich kaufen wollte. Ich kehrte so schnell wie möglich in die Baracke zurück um diese wichtige Neuigkeit meinen deutschen Freunden zu übergeben. Da waren wir alle sechs. Ja, der arme Ackermann war der siebte, nur war er ein Jude, aber auch ein (spezpereseleniz) und er wollte auch zu seiner Familie. So gingen nun alle. „Fröse, komm auch mit uns wir gehen alle zusammen nach dem Wtürin“. So gingen wir alle sieben hin, riefen an und fragten ob er sich für uns Zeit nehmen könnte um sich anzuhören, was wir ihm sagen wollten. Er wusste ja schon gleich, daß das gar nichts anderes war, das ich sie jetzt alle durch meine Neuigkeit, auch alle in große Aufregung gebracht hatte. So kam er um ein Weilchen raus, wo wir alle sieben im Korridor standen. Er sagte dann zu mir:“ Nun ich sehe du hast alle hier her gebracht“. „Nein, sie sind alle selbst so schnell wie möglich gekommen.“ -„Nun gut, ihr werdet alle sechs zusammen fahren, außer Ackermann,- er noch nicht.“ Ich muss sagen ich konnte mir auch in diesem Mann seine Traurigkeit fühlen. Aber immer wieder hat Gott auch hier etwas im Sinn, was für uns oft nicht verständlich ist. Und so gingen wir denn alle natürlich freudig, außer unseren Freud Ackermann. Jeder ging in sein Kontor oder (otdelkader) und nahm ( rastschöt). So haben wir alle nur eine Woche gearbeitet und dann um ein, zwei Tage bekamen wir jeder ein langes Papier, Erlaubnis (rasreschenie). Da mussten wir denn jeder apart zu einem dicken Juden ins Kabinett kommen. Der fragte: „Ti gramotnij, to protschitaj mne gromko.“ <Wenn du gebildet bist, dann lies mir laut vor, A.W.>. Und denn war das denn mal wieder so recht was dummes zurechtgestellt. In diesem Sinne: „Ich verpflichte mich ohne Übertretungen <Abweichungen> die Reise bis Karaganda zu fahren“. Dann weiter kamen die Drohungen: „Wenn man dich während dieser Reise irgendwo in einer Gegend, Dorf, Rajon oder Außerhalb auf einer anderen Richtung, gefangen nimmt, hast du 20 Jahre Straflager zu erhalten“. Da war noch mehr aber ich hab schon einiges vergessen. So fragte er denn noch: „Ist das verständlich?“ Nun man musste ja nur „ja“ zu allem sagen. Und dann auch drei Exemplare unterschreiben. Und so erhielten wir die notwendigen Papiere zum Fahren, einen Durchlass für das Flugzeug und dann diese Erlaubnis (rasreschenije). Und dann hatten wir noch den einjährigen Paß. Jetzt ging ich in die Sparkasse und nahm mein Geld runter und kaufte für 1500 Rubel Fahrkaten bis Cabarowsk. Aber das Wetter war immer lange Tage nicht zum Fliegen. So waren wir über eine Woche, wo wir immer wieder zurückgestellt wurden. Sobald das Wetter wieder gut war, waren die Plätze mit Obrigkeiten oder wie man sagte (bran) <Barin?>, besetzt. Aber dann war doch auch an uns, sechs Mann die Reihe gekommen. Ich muss sagen, es war uns allen wie ein Traum. Denn ich hatte oft mal geträumt, das ich irgendwie auf der Reise nach Hause war und wenn man dann aufwachte, lag man auf harten Naren und die Fahrt war zu Ende. Aber jetzt kamen wir denn auch am 9. oder 10. April 1952 in Chabarowsk, auf dem Flughafen an. Das war auch die erste Reise in meinem Leben, die ich bis dahin in einem Flugzeug gemacht habe. Wir begaben uns auf ein Auto, das mit Bresent <Plane> überzogen war. Das brachte uns dann bis zum Bahnhof Chabarowsk. Dort nahmen wir dann Fahrkarten schon nach verschiedenen Gegenden. Wer von uns sechs, wohin musste. Von Karaganda, da waren wir zwei Mann. Wir hatten uns früher nie gekannt oder gesehen und jetzt kam es: Du fährst auch nach Karaganda? Ja nun so sind wir dann ja zu zweit auf der Fahrt, das ist gut. Wir sind ja beide noch nie in dieser Gegend gewesen. Ich fragte: „Wie ist denn die Adresse?“ Und so kam es raus, das unsere Angehörigen auf einer Straße wohnen und beinahe Nachbarn sind. Nun von Chabarowsk fuhren wir schon nicht mehr in Viehwaggonns, wie wir es bis dahin gewohnt waren. Wir fuhren acht Tage und Nächte. Die erste Stelle, wo wir nach Chabarowsk ausstiegen, war Omsk. Von Omsk fuhren wir bis Petropawlosk, dann bis Akmolinsk, Zelinograd und dann kamen wir vom 17 auf den 18 April 1952, die Nacht, in Karaganda an. Wir warteten in dem Wartesaal, das war ein sehr jämmerlicher Bahnhof zu jener Zeit. Wir sahen uns um und erkannten ja auch gleich die nämlichen „Schpana“ <Kleinkriminelle>, wie sie auch auf der Kolyma waren. Wie es schon hell wurde, gingen wir sofort auf eine Haltestelle. Da stand ein Auto. Wir fragten die Leute, wie wir auf unsere Adresse fahren müssten. Man sagte uns Bescheid und wir fuhren vielleicht 20-30 Minuten. Da stiegen wir denn aus. Und so kamen wir dann in einer unvorstellbaren Gegend an. Aber wir wurden schon erwartet. So kam mir meine liebe Mutter schon entgegen. Ja, man kann dieses lange erwartete Wiedersehen nicht gerade so einfach beschreiben. Denn es waren Freudentränen, die uns beide bewegten. Und auch des Dankes unseres Heilands Führungen. Ich denke an Ps. 107: Dank dem Herrn, denn Er ist freundlich und seine Güte wehrt ewiglich. Aber wer diese meine kurze Beschreibung ließt wird wohl merken, das es auch hier, wo man bei Menschen keine Hilfe, kein Mitleid und keinen Rat erwarten konnte. So möchte ich diese Verse aus Ps.107, man kann die Verse von Anfang lesen, vom 4 Vers. Da heißt es: Die irre gingen in die Wüste, in ungebahnten Wege und fanden keine Stadt, da sie wohnen konnten. Vers 5: hungrig und durstig und ihre Seele verschmachtete die zum Herrn riefen in ihrer Not und er errettete sie aus ihren Ängsten. Denn dann der 7 Vers und der 8: Die sollen dem Herrn danken für seine Güte und die Wunder, die er an die Menschenkinder tut. Ich gedachte jetzt auch an das Lied: „Nimm Jesu meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich kann allein nicht gehen, nicht einen Schritt, wo du wirst gehen und stehen. Da nimm mich mit.“ So wichtig sind auch die nächsten zwei Verse. Ja oft schien es als sei die Gnadenzeit weggenommen. Diese ganze 12 Jahre hab ich nie irgendwo eine Bibel gesehen und doch hat unser Erlöser Jesus Christus auch an mich gedacht und hat mir diesen Glauben geschenkt.
Ich war zu jener Zeit noch von Chabarowsk nach Karaganda unterwegs. Dann kam ein Spezkommandant zu meiner Mutter in Karaganda und fragte: „Ist ihr Sohn noch nicht gekommen?“ Also wieder einerseits denkt man, machen die sich um uns denn so viele Gedanken? Aber man kann auch hier sagen – Ist es nicht Gottes Führung? Hätte ich nicht können irgendwelchen Banditen in die Finger fallen können und um diese etliche Tausend Rubel, das Leben lassen können? Und so vieles was da hätte überall passieren können. Aber die Hand Jesu war mit mir. Oft und viele Menschen haben auch solche Erlebnisse gehabt. Aber sie wollen von Gott und Jesus nichts wissen. Sie behaupten ihr Leben selbst zu führen und so nennen sie es. Der Zufall und das Schicksal. Wie traurig ist solch ein Zustand. Aber hier ist immer wieder dem Menschen, der freie Wille gegeben. Wahl dem, der zur Einsicht kommt und nimmt Jesus den Heiland an und glaubt an das Erlösungs Werk Jesus und Gottes Sohn und Heiligen Geist.
Nun befinde ich mich in Karaganda mit meiner Mutter zusammen. Und Mutter ist jetzt bei ihrer Schwester und ihrer Familie. Ich sah mich auch hier gleich um, die meisten arbeiteten alle in der Kohlengrube. Ich wollte aber freiwillig nicht mehr unter der Erde arbeiten. Denn ich hatte mein Vornehmen, wenn es mir gelingen wird auch in einen Betrieb, eine Arbeit zu bekommen. So war ich auch ganz mittellos. Außer meine Mutter hatte immer noch so viel von ihrer Näharbeit, das wir doch nicht abhängig von irgendwem waren. Aber alles Geld, was ich damals gespart hatte und von dem Anzug, hat gerade nur zugereicht, das ich bis Karaganda ankam. Und so war ich am 5. Mai schon in Karaganda auf einem ganz neu angefangenem Betrieb GSCHO angetreten. Die erste Zeit bekam ich nur wenig Gehalt, denn ich musste mir diese Spezialität gleichzeitig auch lernen. So erhielt ich auch in einer Baracke eine große Stube. Und in einer Woche zogen wir mit meiner Mutter dort hin. So muss man sich vorstellen, ganz vom Neuen angefangen. Wir hatten keinen Tisch, keinen Stuhl. Mutter hatte ein eisernes einfach geschweißtes Bett. Sie hatte aber ihre Nähmaschine. Und so kaufte ich ein paar große Sperrholzkästen und machte einen ganz einfachen Schrank daraus, damit wir wenigstens die paar Kleiderstücke, die wir hatten rein legen konnten. Ich hatte ja auch kein Werkzeug – keinen Hammer, keine Zange, kein Hobel, Säge oder Beil, keine Nägel und kein Brett. Alles musste allmählich beigeschafft werden. So musste ich aber auch noch an was denken, denn alle Männer, die in meinem Alter noch am Leben waren, hatten längst Familien, welche schon Kinder von 10 Jahren hatten. Nun, das konnte ich ja nicht mehr einholen. Sogar mein Cousin, welcher 10 Jahre jünger ist als ich war, hatte schon geheiratet. So musste ich mich umsehen nach einer passenden Frau. Und so fanden wir uns denn auch und heirateten noch im selben Jahr, den 2. November 1952. Ich erlernte als (Tokar) Dreher und meine Frau Agnete Fast, arbeitete die erste Zeit als Aufräumerin. Und so fing unser Leben so langsam an, obwohl etwas schwierig am Anfang, aber wir waren immer zufrieden, für jedes Stückchen Sachen, was andere vielleicht schon längst hatten, freuten wir uns sehr. Wir kauften schon einfache Möbel, etliche Stühle, einen Tisch, ein Bett und Geschirr: Löffel, Messer, Gabeln, Teller und alles, was so langsam zukam. So nahmen wir auch Kartoffelland und ernteten Kartoffeln. Die brauchten wir schon nicht kaufen. Unser erstes Mädchen, welches uns geboren wurde, starb gleich nach der Geburt im August 1953. Dann wurden uns später zwei weitere Kinder geboren. Jetzt waren wir schon fünf Personen. So bekamen wir eine Wohnung im der selben Baracke mit zwei Stuben. Aber es war kein gemütliches Leben, denn es war eine breitere und langere Baracke, in der Mitte ein breiter Gang und von beiden Seiten Wohnungen. Es waren 22 Wohnungen. Und sehr verschiedene Menschen. Viele waren auch Trinker. Und so hatten wir auch solche Nachbarn. Am Abend bis spät in die Nacht, zimmerte der Nachbar Taburetki, Tische u.d.g. Sägen und Hammern, alles in der Stube. Die Mittelwände waren nur sehr dünn und dann, wenn er seine Sachen verkauft hatte, ging es noch viel lustiger zu. Wenn sie getrunken hatten, fingen sie laut an zu singen oder zu brüllen und tanzen, das die Wand dröhnte. Wenn man ihm sagte er soll doch mal doch mal etwas anders anfangen, da sagte er nur: „Ich bin ja nicht in deiner Stube und in meiner Stube mach ich was ich will“. So konnten die kleinen Kinder nicht schlafen und wir auch nicht. Ich hatte mir als ich nach Karaganda kam, so vorgenommen, nie mehr ein eigenes Haus zu bauen. Am Trakt ließen wir das Haus stehen oder für einen Spottpreis gaben wir es ab. Dann auch im Jahre 1941, mussten wir wieder alle unsere Häuser stehen lassen. Und gleich als ich nach Karaganda kam, musste ich mich gleich in die Spezkommandantur melden. Und so waren wir ja alle bis 1956 unter der Spezkommandantur. Jeden Monat mussten wir dort hingehen und uns melden. Das war ja denn noch drei Jahre nach dem Stalin. Von 1956 wurde die Spezkommandantur runter genommen, abgeschafft. Das hat ja der Chruschöw doch noch fertig gebracht. Für die Tschetschene und Inguschen war somit die Möglichkeit geschaffen worden, das sie wieder in ihren Kaukasus fahren konnten. Für die deutschen haben sie dieses nicht getan. Aber als dann diese alle ihre Häuser verkauften, waren die haupte Käufer wieder die Deutschen. Und die meisten Häuser haben die deutsche auf ihre Art, also wie es ein jeder kannte, umgebaut. So haben auch wir uns wieder besonnen ob es doch besser ist sein eigenes Haus wieder zu besitzen und einen eigenen Garten usw. Es war natürlich nicht leicht so anzufangen. Erst kauften wir eine gute Baustelle, wo aber nur eine jämmerliche Hütte drauf stand. Aber das Land, war gut und auch ein großes Stück Land. So kauften wir es auch billig und machten uns diese Hütte etwas besser. Wir bauten noch eine Küche und noch eine Kammer und in dem selben Stil einen Stahl. Wir kauften Ziegen, Hühner und Schweine und so hatten wir wieder Arbeit über Arbeit. So wohnten wir zwei Jahre und ich konnte vom Betrieb GSCHO auf gewisse Jahre, Geld auf Prozent nehmen um neu zu Bauen. So haben wir dann wieder frisch angefangen. Material, Bretter, Balken, Sparren, Zement, Schlacksand und alles, was zum Bauen wieder nötig war. Vom Frühling 1959 fingen wir an. Bis Ende 1960 waren wir in dem neuen Haus. Wir hatten auch Schulden. Dazu hat Chrustschöw uns noch mal zugesetzt. Alle Haustiere mussten abgeschafft werden. Wir durften nichts vom Vieh, Hühnern usw. halten; alles war zunichte. So das uns wirklich alles wieder „leichter“ wurde. Wir brauchten kein Vieh besorgen und auch kein Futter für das Vieh. Aber da war es auch überall zu spüren. Alles wurde teurer und es gab trotzdem nichts zu kaufen. Aber wir haben nicht hungern brauchen. Der Garten hatte uns dennoch von allem ( Kartoffeln, Gemüse) genügend gegeben. Das andere kaufte man dann hin und wieder im Laden, wenn es mal etwas gab. Etliche Jahre später hielten wir dann doch wieder Hühner, Kaninchen und Schweine. Damit wir allmählich wieder Schuldenfrei wurden, arbeiteten wir. Neta, meine Frau, arbeitete 12 Jahre in der Konditorei, in einer großen Fabrik, in der Konfekt Abteilung. Und ich arbeitete auch 20 Jahre im Betrieb GSCHO (NKMS). So vergingen die Jahre. Aber im Durchschnitt hatten wir doch nur immer ein sehr niedriges Einkommen. Wir konnten es uns nicht leisten Spazierreisen zu machen. Denn ich habe mehrere Jahre ohne Urlaub durchgearbeitet, damit wir auch von den Schulden, vom Hausbauen schneller runter kommen. Aber wir waren froh, das wir wieder unser eigenes Haus hatten. Unsere Kinder gingen zur Schule. Unsere Oma war auch immer sehr behilfig. Wenn wir beide auf der Arbeit waren, hatt sie schon gesorgt, das die Kinder zur Schule und zurück kamen. Wen wir von der Arbeit kamen, war das Mittagessen immer schon fertig. Wir, meine Frau und ich, ließen uns im Jahre 1962 vom Ältesten Jakob Thiessen taufen, und gehörten von da der Kirchengemeinde in Karaganda an. In den ersten Jahren wurden die Versammlungen noch immer in Privatwohnungen durchgeführt. Es wurde verboten in den Häusern Andachten zu halten. Dann später wurden wir mit der Menn.-Brüder Gemeinde 16 Jahre einig. Wir trafen uns jede Woche Sonntag von 13.00 bis 15.00 Uhr, Samstags Morgens von 10.00 bis 12.00 Uhr zur Bibelstunde und an einigen Abenden hatten die Sänger vom Chor noch eine Stunde Überstunden. Aber im Jahre 1984 erhielten wir von der Regierung die Erlaubnis in der Gegend von Prischachtinsk, Tichonowka, ein schönes großes Andachtshaus zu bauen. Im Jahre 1985, spät im Herbst war es schon fertig. Aber Gott hatte wohl auch hier wieder für uns eine andere Absicht. Es fuhren schon bald viele aus der Gemeinde nach Deutschland. Ja ich möchte jetzt noch mal wieder zurück kommen zu den Jahren, wo noch Chrustschöw auf seinem Amt war. Es war wohl von 1967. Da möchte ich sagen, das Gott es so bestimmt hatte. Denn seinen Plan muss wohl auch ein Chrustschöw ausfüllen, wenn die Zeit da ist. So scheint es mir. Also hier fing es schon an, das dieser Chrustschöw schon eine Rolle spielte. Er wagte es, wo wohl früher über den Kult – litschnosti Stalin’s, niemand nicht gewagt hätte, <zu kritisieren>. Und so wurden die verschiedene politische Gefangene und auch solche, die unschuldig ihre Jahre abgesessen und in Arbeitskolonnen für das Stückchen Brot standen, schwache, die da starben, unschuldige Väter, Söhne, Großväter, Mütter und Großmütter- alle diese wurden rehabilitiert. Und so reichte auch ich ein nach Moskau im Jahre 1968. Und so verzog sich diese Sache bis 1969. Bis ich auch rehabilitiert wurde. Und so kam es, das man mir ab 50 Jahren, erlaubte auf Rente zu gehen. Aber man zahlte nur 86 Rubel im Monat, das war doch zu wenig. Und so arbeitete ich weiter, aber diese 86 Rubel habe ich trotzdem bekommen. Nun meine Mutter war ja auch schon 76 Jahre alt. Sie fühlte auch schon ihre alten Jahre. Und die Vergangenheit machte sie alt und so waren es eben noch vier Jahre. Sie starb an Krebs, im Jahre 1973. Die letzten Monate hatte sie noch große Schmerzen. Und so nahm sie ihr Heiland zu sich, wo keine Tränen und Schmerzen mehr sind.

Meine Frau und ich feierten am 2.11.77 Silberhochzeit, wo viele Verwandte, Bekannte und die Brüder und Schwestern auch der Chor, der uns Lieder sang und Gedichte aufsagte, waren. So hatten wir auch ein gutes Mahl mit Kaffe, Kuchen u.d.g.  Wir danken Gott für diese Tage, die uns in Erinnerung sind. Ich möchte für unser gegenwärtiges Leben und die Erlebnisse, in dieser Zeit, wo uns Gott wunderbar geführt, geleitet und errettet hat von so vielen Gefahren, danken. Da muss ich immer wieder in der Bibel von verschiedenen Menschen, die lange Zeiten vor uns lebten , wie z.B. Josef, David und noch sehr viele, die Gott erst durch Trübsal und Prüfungen führte und auch Hiob, alle diese Männer, wie sie auch oft vielleicht durch Satans List versucht wurden, ja auch zum Fall kamen. Aber dennoch fanden sie Gnade und Vergebung von Gott. Und sie hielten sich nur an den Allmächtigen Gott. Aber wir sehen auch wieder so wie zu den alten Zeiten, so auch heute, die Gottlos sind können nicht an die Wunder und Führungen Gottes glauben. So muss ich immer wieder sagen, wie dankbar können wir sein, das Gott durch unseren Herrn Jesus Christus diesen Glauben geschenkt hat. Und auch diese Erfahrungen, wo wir auch nur wenig wussten aus der Heiligen Schrift. Aber Gott führt die Seinen so, das man keine andere Hilfe bei Menschen finden kann, auch keinen Trost und Beistand. Dann weiß ich noch im Gefängnis in der (Butyrka), da war mir mein Heiland oft so nahe, das ich mich hinlegte und weinte und bat um Trost, Hilfe und Beistand. Und ich muss sagen, ich war danach immer gestärkt. Es war mir als ob mein Heiland auch hier in der Kammer ist und alles zum Besten führen wird. Ja, in diesen 12 Jahren hatte ich nie eine Bibel oder ein Christliches Buch gesehen. Wir waren in einer Zeit, wo wir keine Möglichkeit hatten, außer dem stillen Flehen und Beten. Nun möchte ich noch unser Leben aus Karaganda etwas beschreiben. Ich habe ja nur wenig von meiner Kindheit beschrieben, aber da gibt es denn zu viel zu schreiben. Obwohl ich mich noch gut erinnern kann an die Pferde, die Großvater Fröse noch hatte, bevor sie nach Kanada übersiedelten, im Jahre 1927 und auch noch an vieles andere. Vom 18.04.52 – 23.06.90, das sind schon 38 Jahre. Es war nach allem Überwinden der schwersten Jahre und und nach einem irdischen Wiedersehen mit Mutter, Verwandten und Bekannten, welche noch am Leben geblieben waren, eine Freude. Und so habe ich ja auch schon den Anfang in Karaganda beschrieben. Und die längste Zeit unseres Lebens 38 Jahre, in Karaganda. Es ist mir nicht gerade zur Heimat geworden, aber der Ort, wo man eben doch auch anerkennen muss, das Gott uns diese Zeit geschenkt hat. Wo Mühe und Arbeit unser täglich Brot und auch Freude. Und wir konnten Sonntags immer zum Gottesdienst fahren. Und so kam auch an uns die Reihe, Karaganda, überhaupt Rußland zu verlassen und in unserer Großväter gewesene Heimat wieder überzusiedeln. Es gab in Karaganda immer viele Hindernisse mit dem Wegkommen aus Rußland. Bis wir dann erst mal die Nummer und die Anträge und dann die Erlaubnis erhielten, vergingen Monate. Aber es war denn doch mal der Tag gekommen, wo wir unsere Kasten mit den nötigsten Sachen einpackten. Und das war dann der 23.06.90, da verließen wir Karaganda und kamen den 24.06.90 in Moskau an und den 25.06.90 kamen wir in Deutschland in Frankfurt a. M. an. Dort waren wir nicht lange, es trafen uns dort schon unsere Verwandte. So wurden wir auch kurze Zeit später in Reisebusse gesetzt und man fuhr uns bis Bramsche in Lager. Dort mussten wir erst alle Tage mit unseren Papieren beschäftigt sein. Nach einer Woche kamen wir nach Herstelle, an der Weser in eine ehemalige Burg. Da waren wir bis zum 20 Juli. Dann kamen wir nach Unna,  in eine Notwohnung. Es war etwas eng für uns alle. Aber dennoch ganz gut auszuhalten. Später bekamen wir, Neta und ich ein kleines Stübchen für uns apart. Es war im Februar 1991. So gaben wir unsere Papiere im Rathaus ab und hatten noch eine ganze Woche mit den Papieren herum zulaufen. Dann später bekamen wir auch Rente. Am 10.04.91 bekamen wir Gäste aus Kanada: Anna und Hugo Fröse, mein Cousin. Sie waren bei uns in der Notwohnung und wir hatten uns sehr vieles zu erzählen gehabt. So sagte Hugo eines Tages: „Weißt du, wir wollen euch beide mitnehmen nach Kanada, daß ihr mal seht, wo wir wohnen.“ Wir waren erst gar nicht einverstanden, aber dann später haben wir uns doch entschlossen und fuhren mit ihnen auf ihre Mittel, mit nach Kanada. Nun, wir haben nie im Leben gedacht, das wir wohl mal nach Deutschland kommen würden und nun waren wir noch nicht mal ein Jahr in Deutschland und waren schon in Kanada. Wir wurden in Kanada alle Tage rumgefahren, so viel wurden wir im Leben noch nie Spazieren gefahren. Ich rechne nicht die lange Reisen in Rußland, die ich gefahren wurde in den Viehwaggons und den Meeres Schiffen unten im Trüm, in Lastautos usw. Aber wie wunderbar hat der liebe Gott uns auch da in Kanada, so vieles zu sehen gegeben. Wir waren in Calgary Alberta, Britisch Kolumbien, Vancouver, Clearbiock und überall. Und als wir von Kanada zurückkamen, hat uns unser Sohn mit Familie in Schipol (Holland) schon empfangen. So kamen wir am 30. Mai 91 wieder nach Unna in unsere Notwohnung. Aber wir waren nur noch zwei Nächte in der Notwohnung, den in der Zeit als wir von Kanada zurückkamen, wurde eine Wohnung frei und wir konnten zum 1.06.91 in die Wohnung überziehen.

Ich schreibe noch eine wichtige Begebenheit hinzu. Bis 1955-56 waren wir ja alle unter der Spezkommandantur. Aber dann haben sich schon auf vielen Stellen wieder in Häusern Mennoniten versammelt um das Wort Gottes zu verkündigen, denn hier hat der Allmächtige Gott Jesus Christus wieder die Seinen versammelt und zwar von verschiedenen Gegenden hier gab es vom Süden, Molotschna – Chortitza, Trakt, Samara und auch gewesene Kuban, Kaukasus u.a.m. Es waren alles von früher Mennoniten auch Kirchen Gemeinden und Brüdergemeinden. So fingen auch unter großen Hindernissen von Seiten der Regierung, Tauffeste statt, wo viele Menschen zum Glauben kamen. Alte und Junge und es entstand ein Verlangen zur Versammlung. Die Baptisten Gemeinde war ja schon früher in der alten Stadt Karaganda vorhanden. Viele von den Mennoniten waren ja auch als Mitglieder in der Baptisten Gemeinde eingetreten. Es kam oft vor, wenn in den Häusern schon ein Chor , wenn auch nicht groß, aber dennoch von alten Leuten, die noch früher als junge Leute im Chor gesungen und auch solche, die noch am Leben gebliebene früher noch junge Prediger waren, die übernahmen jetzt eine große Verantwortung als ältere Männer, das Predigeramt und die Chorleitung in der Gemeinde. So kamen immer mehr Menschen zur Versammlung und oft wurden die Versammlungen gestört von der Obrigkeit. Es wurde nämlich verboten in Privathäusern Andachten zu halten und zum Andachtshäuser bauen gaben sie keine Erlaubnis. Meine Frau und ich gingen auch öfter zur Versammlung. Aber dann etwas später entschieden wir uns für die Mennoniten Kirchengemeinde. So ließen wir uns Taufen vom Ältesten Jakob Thiessen, 1962. Das war noch als die Versammlungen in Privathäusern gehalten wurden. Etliche Jahre später waren wir die Kirchengemeinde mit der Brüdergemeinde in einem Sonntagshaus. So hatten wir immer zwei Stunden von 13.00-15.00 Uhr und am Sonnabend von Morgens zwei Stunden. Das waren wohl 16 Jahre. Dann 1984 erhielten wir die Erlaubnis unser eigenes Andachtshaus zu bauen. Im Verlauf von einem Jahr hatten wir das Haus fertig und alle waren sehr zufrieden. Aber dann fing das „Fieber“ an: die Ausreisen nach Deutschland. Und so fuhr unser Älteste J. Thiessen schon 1980 mit seiner Frau und Tochter nach Kanada. Später war Julius Siebert Ältester der Gemeinde, mein Nachbar von 1958-1990. Aber schon 1980 fing langsam die Auswanderung nach Deutschland an. So ist das Haus jetzt wohl an Baptisten übergeben worden. Von unserer Gemeinde, aus 400 Mitgliedern sind nur ganz wenige geblieben. Sie sind alle nach verschiedene Richtungen in Deutschland auseinander gekommen. Aber Gott sei dank, wer da will, der findet auch in Deutschland das Andachtshaus, wo Gotteswort gut verkündet wird. Aber auch in Deutschland ist nicht alles Gold, was glänzt…

search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close