Johannes Bergmann (1844-1936)

Meine Ur-Urgroßeltern Bergmann

 

Johann Abr. Bergmann

Johannes Bergmann (30.07.1844-01.09.1936),  #991212, war mit Emilie Isaak (ca.1846-10.03.1897), #173350 verheiratet. Sie bekamen zwölf Kinder, von denen 9 in Kindesalter starben und  drei erwachsen wurden:

– Catharina, (06.08.1872 – 26.12.1939), #1253842, meine Urgroßmutter, war die älteste. Sie war die zweite  Ehefrau von Julius Wiens (1856 – 1926), #1253831, meinem Urgroßvater, (s. Fam. Wiens)

Abraham (02.11.1873, Hohendorf – 07.04.1932, Karaganda), #1254603. Er wurde  auch Lafka-Bergmann genannt. Er war zwei mal verheiratet. Seine erste Frau war Anna, geb. Kornelius Wiens, #1407978. Seine zweite Frau war Maria Janzen (17.09.1884-11.12.1933), Tochter von Jakob Janzen (†23.07.1901), #1254637 und Maria Siebert (*ca. 1863), #1254428.

Johannes (16.12.1887-05.01.1938), #1254544, war zwei mal verheiratet. Erste Ehe mit Katharina, geb. Aron Töws (†1918). Zweite Ehe war mit Maria Penner (07.05.1901-14.05.1983), #1254335.

Nach dem Tod seiner Frau Emilie heiratete Johannes Bergmann Agnes, geb. Heinrich Penner (5.11.1869-22.06.1922), #1253827.

Johannes Abr. Bergmann mit Ehefrau Agnes Heinrich Penner
Johannes Abr. Bergmann mit Ehefrau Agnes Heinrich Penner und Kindern: von li.: Agnes, Peter, Heinrich, Jakob, Emilie

Johannes Bergmann bekam in seiner zweiten Ehe mit Agnes weitere zwölf Kinder, von denen zehn Erwachsen wurden und zwei im Kindesalter starben:

Heinrich (17.07.1899-25.10.1938), verheiratet mit Maria Neufeld (05.11.1902-22.07.1985),
Jakob (06.01.1901-28.11.1943), in ersten Ehe mit Agathe Töws (08.12.1906-1933) und in der zweiten mit Justine Wall (15.10.1910-12.03.1949), verheiratet,
Peter (06.12.1901-10.11.1914),
Emilie (21.01.1903-05.02.1975), mit Peter Fröse (08.02.1904-11.01.1948) verheiratet,
Agnes (10.03.1904-29.10.1942), mit Peter Reimer  (03.01.1902-03.03.1944) verheiratet,
Helene (26.08.1905-13.08.1998),
Anna (03.11.1906-07.02.1985), verheiratet mit Hermann Peter Bergmann (04.12.1904-24.03.1976), #1254632,
Kornelius (1908-1908),
Kornelius (05.04.1909-25.10.1938) Frau Helene (08.09.1905-13.08.1998),
Martha (11.10.1910-19.02.1981), verheiratet mit Jakob Letkemann (†24.12.1979),
Maria (28.02.1912-24.02.1961), verheiratet mit Abram Rempel (†15.01.1972),
Käthe (29.01.1914-24.08.2000), verheiratet mit Hermann Isaak (05.03.1917-19.05.2008)

Kinder von Johannes Bergmann aus der 2. Ehe mit Agnes Penner (Album Peter (Chuter) Wiens) Nach dem Alter könnten es: Heinrich (*1899), Jakob (*1990), Peter (*1901), Emilie (*1903), Agnes (*1904), Helene (*1905), Anna (*1906)

Die Familie Lebte in Hohendorf, bis es eines Tages zu einem Brand kam. Das Haus hat Johannes nicht wieder aufgebaut, sondern ist nach Lysanderhöh umgezogen, wo er ein Haus kaufte. Die Familie, der das Haus gehörte, war nach Kanada Ausgewandert.

Johannes Bergmann hatte sich im öffentlichem Leben der Kolonie Am Trakt engagiert. Von 1870 war er Schulze (Vorsteher, russisch Starschina) in Lysanderhöh. Ab 1881 Stellvertreter des Oberschulzen und Kassierer in der Kreisverwaltung, bis er 1884 zum Obervorsteher der Kolonie gewählt wurde. Er löste auf diesem Posten Johannes Dyck (1826-1898) ab.

Aus dem Brief von Hermann Bartsch (*1847), #426074 vom 07.11.1895 an seinen Bruder Johannes in USA: …Joh. Bergmann legt jetzt seiner Augen wegen sein Amt nieder. Im December ist Neuwahl; wen werden wir dann zum Starschina erhalten? Bergmann hat jetzt 26 Jahre ununterbrochen im Amte gestanden, und zwar 11 Jahre als Ortsvorsteher von Lysanderhöh, 3 Jahre als Stellvertreter des Starschina und Kassirer und 12 Jahre als Starschina. Nach meinem Dafürhalten werden wir keinen vollen Ersatz für ihn erhalten. Ich wünsche dir lieber Johannes Gottes Segen und Beistand in deinem Amte. ….

In seinem Buch „Am Trakt“ schreibt Johann J. Dyck über Johannes Bergmann: Ohm Bergmann ist ja seinerzeit für unsere Ansiedlung ein Mann von Bedeutung gewesen. Er war 12 Jahre, von 1884 bis 1896, Oberschulze und versah sein Amt mit großer   Umsicht und Pflichtbewusstsein. Wo er als Repräsentant der Ansiedlung mit den Vordermännern anderer mennonitischer Ansiedlungen zu tun hatte, da wurde er stets hoch geschätzt seines sachlichen, zielbewussten Auftretens und gerechten Verhaltens anderen gegenüber halber. Ohm Bergmann war auch ein Mann mit Schulsinn, durch viele Jahre hat er als Oberschulze und Schulrat das Schulwesen im besten Sinne beeinflusst. Auch Dichtergabe war ihm verliehen. Sehr viele Gelegenheitsgedichte und Lieder für besondere Fälle wurden von ihm gedichtet.

Ohm Bergmann hat durch viele Jahrzehnte eine Chronik der Ansiedlung geschrieben. Als ich ihn 1928 von hier aus bat, ob es nicht möglich sei, selbige herüberzuschicken um sie vor der Zerstörung zu bewahren, wurde mir in vorsichtigen Ausdrücken bedeutet – es sei zu spät. Sein markantes Antlitz, sein schon seit mehr als 30 Jahren schneeweißes Haupt, sein ganzes würdevolles Auftreten werden mir unvergesslich bleiben. Er war wie eine deutsche Eiche, die selbst von all den von ihr unter bolschewistischer Willkür ausgestanden Leiden nicht gebrochen wurde.“   

Johannes Bergmann hat viele verschiedene Gedichte zu allen möglichen Anlässen geschrieben. Meine Tante konnte sich erinnern, dass bei ihrer Großmutter Katharina Wiens (Bergmann) es einen großen Stapel von diesen Gedichten gab. Leider sind  fast alle seine Werke verloren gegangen. Nur ein Gedicht in dem er sein Leben beschreibt, hat die Zeit überlebt.

                                      Von der Wiege bis nahe ans Grab

Als ich erhielt das Sonnenlicht                                       (30. Juli 1844)
Ward ich gewiegt doch weis ich’s nicht
Auch ist es mir gar nicht ganz klar,
Dass ich Großvaters Liebling war.
Doch, dass er an der Hand mich führte
Mit mir in Nachbarhaus spazierte,
Das weis ich, und dass ich da saß
Am Ofen und Mohrrüben aß.
Aus später Kindheit weis ich noch,
Dass ich am kurzen End’ oft zog.
Ich kann s nicht sagen wie’s geschah
Es waren stärk’re, klüg’re da
Doch kam’s auch vor, dass es mir glückte
Sehr merklich schwoll der Hoffnung Keim:
„Ich zahl’s ihnen endlich doch noch heim!“

Bald wurde ich, ein strammer Reiß
Die Eltern hielten mich im Gleis.
Ich machte Bocksprung hin und her,
Da gab es Klaps und auch noch mehr.
Mit einer Gert’ ward ich besungen,
Das ist mir scharf aufs Fell gedrungen.
Das ging nicht gut, ich nahm mir vor:
„Besinne dich, sei doch kein Tor.“
Nun werde ich ein Stämmlein bald.
Mich zog’s zum Garten, Feld und Wald
Das Letzte war ein schmaler Strich
Die Bäume drin nur jämmerlich.
Doch unter ihnen waren Weiden,
Die mochten wir zum Pfeifen schneiden
Der Rohrspatz, Amsel, Nachtigall
Musik, Gesänge überall.
Fünf Jahre waren nicht entfloh’n
Da saß ich auf der Schulbank schon.
Viel lernen tat ich aber nicht,
Das beste war von der Geschicht’:                 (bei Lehrer Stressen in Rheinland)
Der Lehrer gab mir Pfennigstücke
Und ich war wirklich „Hans im Glücke“
Wohl zwanzig warn im Beutel drin
Und ich war reich in meinem Sinn.
Bald wollte ich auch gerne sein
Ein Glied aus unseren Gemein’.
Man nahm durch Unterricht und Tauf        (getauft von Abr. Esau in Tigenhagen 1862)
Mich gerne in dieselbe auf.
Ich hab damals Gott Lob empfunden
So manche schöne sel’ge Stunde.
Nicht alles – doch nahm manches hin,
Gleichgültigkeit und heitrer Sinn.
Nun wuchs ich auf bei Freud und Schmerz,
Da stahl die Liebe sich ins Herz:
Emilie war mein Ideal                                          (Emilie Isaak)
Aus dem bekannten Mädchenzahl
Konnt’ ich mir keine andere denken,
Der ich mein Herz hab wollen schenken.
Sie war ein liebes Mädchen mir                           (geheiratet am 28.09.1871)
Noch heute sag ich’s gerne hier.
Wir waren glücklich, sie und ich.
Obgleich auch Sorge uns umschlich,
Wir hofften stets auf Gott allein,
Dass er uns würde Beistand sein.
Zwölf Kindlein kamen angesprungen,
Manch Wiegenliedchen ist gesungen
Doch neun von ihnen ruh`n schon aus
Dort oben in dem Vaters Haus.
Wir haben dann gar oft geweint,
Wenn so der Tod, des Lebens Feind
Uns immer näher, näher kam
Ein Kindlein aus den Armen nahm.
Besonders eins, der Geist so rege
Nichts halfen Arznei und Pflege
Zehn Jahre alt, da schied es ab,
Es sank ins kühle, stille Grab.
Von drei die uns geblieben sind,
Sieht eine Kind und Kindeskind.
Den Söhnen war manch Tag gar rau,
Denn beiden starb die erste Frau.
Doch musste sich nach Gottes Willen
Ihn‘n neues Lebensglück enthüllen.
Sie haben – ihr Haus nicht leer –
Ein Häuflein Kinder um sich her.
Mein teures Weibchen wurde krank
Das machte mir das Herz oft bang.
Wir hofften Bess’rung Jahr um Jahr.
Nichts half, auch sie kam auf die Bahr.
Sie wurde nun zu Grab getragen,                                   (10.03.1897)
Doch Gottes Hand, die mich getragen
Hat gnädiglich, ob ich geirrt
Mich dennoch stetig recht geführt.
Oft war es trübe um mich her
Die Vöglein sangen mir nicht mehr
Da lenkte Gott aus lauter Gnad
Den Fuß auf einen Segenspfad.
Ließ mich die liebe Agnes finden.             (Agnes Penner)
Auch sie ward lieb und teuer mir
Ich rühm’s ihr gern noch heute hier.             (27. 10.1898)
Nun wieder wurden uns geboren
Zwölf Kinder, von denen wir verloren
Zwei – eins ward fast vierzehn Jahr
Im andern gleich kein Leben war.
Schwer wurde uns des Peters Gehen
Auch das wir gar nicht durften sehen
Des kleinen Bürgers Angesicht
Gott schenkte uns die Freude nicht.
Die Zehnen wuchsen nun empor
Und singen manches Lied im Chor.
Als Abschlagszahlung für den Sang
Des oft an ihren Wiege klang
Doch ist es schwer in diesen Zeiten       (die Hungersnot 1921-1922 und auch später)
Für sie das Nöt’ge zu bestreiten
Gott half – durch Sparsamkeit und Fleiß
Ging’s noch – Ihm sei Lob und Preis.
Noch eins hat Gott, der Herr getan
Was ich hier nicht verschweigen kann
Er gab uns in der größten Not
Durch Menschenhände Kleid und Brot.
An dieser Wohltat uns geschehen
Kann ich nicht still vorüber gehen
Dem Herrn sei Lob und Preis und Ehr
Und Dank den Brüdern übers Meer.
Uns traf jählings ein schweres Los
Die Wunde war so tief und groß
Mein teures Weibchen wurde krank
Am Typhus – nur zehn Tage lang.
Ach, Gott das Herz will noch erbeben
Da endete ihr teures Leben.                          (12.06.1922)
Sie sank so früh, so früh ins Grab
Manch Träne fiel auf dies hinab.
Danach trat in der Kinder Reih`n
Auch eine Schwiegertochter ein.       (28.09.1922)
Nun war die Zwölfzahl wieder da
Wünsch das zum Segen es geschah,
Dass wir nun alle harmonieren.
In Zank und Streit uns nicht verlieren.
Gott präg uns dies ins Herz und Sinn
Dass wir dran denken immerhin.
Ich selbst bin einsam, doch auch nicht
Ich fühle noch so manche Pflicht
Den Meinen ratend beizustehen
Was jeden Tag fast sollt geschehen
Doch ist’s nicht gut zu sehr einschränken
Sie müssen lernen selber denken.
Gott geb, dass es geht immer nur
Auf rechter sel’ger Himmelsspur.
Die achtzig Jahre sagen mir,
Dass ich nicht lang mehr weile hier.
Es kann vielleicht gar bald geschehen,
Dass mich der Herr heißt heimwärts gehen.
Der Wunsch noch, Herr, ist in mir rege,
Dass Du uns führest sel’ge Wege.
In Jesus Christus soll allein
Das Leben und das Ende sein.
Um dieses Eine bitt’ ich Dich
Mein Vater ach erhöre mich!
Rett’ mich in meiner letzten Not
Und bleib bei mir bis in den Tod.
Um Christi unser Heilands Wille
Sollst Du mir meine Bitt’ erfüllen.
Dir trau ich völlig, Du wirst’s tun
In deiner Obhut will ich ruh n.
Auch meinen Kindern stehe bei,
Dass sie Dir alle bleiben treu.
Zieh sie trotz Sorgen, Not und Schmerz
Um Christi Willen an dein Herz.
Ihr Vater sei, wenn ich geschieden
Und lenk ihr Herz zu Lieb und Frieden.
Lass sie verachten was der Welt
So lieb ist und so wohl gefällt.

Johann Bergmann

En weiteres Gedicht, zugeschickt von Andreas Bergmann

Reich uns Herr Jesu nun aus Gnaden,
zum weitern Laufe Deine Hand.
Bewahre uns vor allem Schaden,
der uns noch droht im Pilgrimmsstand.
Wir können uns nicht selber führen,
Du, Du musst unsern Fuß regieren,
wir strauchelten sonst oft und viel.

Nur Du kannst brechen alle Ketten,
kannst heben, tragen und erretten,
nur Du führst sicher bis ans Ziel.
Auch unsre Lieben wollst Du segnen,
sie sind ja, treuer Heiland, Dein.
Was ihnen immer mag begegnen,
schließ sie in Deine Arme ein.

Ob lange unser Lauf noch währet,
ob bald die Seele aufwärts fähret,
das alles, alles lenke Du.
Nur eines noch sei unsre Bitte,
wenn Du einst brechen wirst die Hütte,
dann führe uns zur selgen Ruh!

Johannes Bergmann,
Gedichtet am 28. September 1896

Trennungsweh

Dieses Gedicht hat mein Ururgroßvater Johann Bergmann 1931 geschrieben, als einige seiner Kinder mit Familien enteignet und in die Kasachische Steppe verschleppt wurden. Dort wo später die Stadt Karaganda entstanden war. Zugeschickt von Andreas Bargmann. AW

Ich sitz am Ofen, das Auge tränt.
„Warum“, fragst du, – „tust du weinen?“
Mein Herz sich nach meinen Kindern sehnt
und all den Geliebten meinen.
Der Zeitgeist riss sie von mir fort
und bracht sie an den öden Ort
in Kasachstan, um dort zu wohnen.
Es gab keine Rücksicht, kein Schonen.

Zuerst die Söhne – schon im April.
Wohin? – sollte niemand wissen.
Doch war Petrowsk ihr erstes Ziel,
dort haben sie ebnen müssen
das Land zu Bauten fürs Militär,
auf der Plantage so neben her.
Da ging es nach Kasachstan weiter,
Koch Schmalhans war stets ihr Begleiter.

In unsrer Kantonstadt ist der Ort,
wo ich und vier Töchter schieden.
Viel andere Lieben fuhren mit fort.
Ob wir uns noch sehen hienieden?
So überwältigend war der Schmerz;
fast brechen wollte mein altes Herz.
„Ach Vater, ach lass es geschehen,
dass wir uns hienieden noch sehen.“

„Doch nicht wie ich will, o Vater mein,
Dein heiliger Wille geschehe.
Du weißt am besten, wie es muss sein,
dass alles gut für uns gehe.
Ich will nicht klagen, wenn’s anders kommt,
Du weißt, was uns allen nützt und frommt.
Wir wollen, wie’s kommen mag, schweigen
und den stolzen Rücken Dir beugen.“

„Um eines noch, Vater, bitt ich Dich,
halt uns nur mit Deinen Händen,
bis einst, ob rau oder glätter,
die Lebenswege hier enden.
Dann führ uns, versöhnt durch Christi Tod,
in Deine Wohnung aus aller Not;
und da wird, Gott Lob, es geschehen,
dass wir jetzt Geschied’nen uns sehen.“

Gedichtet von Johannes Bergmann, 1931

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