Aron Esau (1869-1943)

Stammbaum

Aron Esau (21.06.1869-10.12.1943), #980534 und Helene geb. Heinr. Penner (10.12.1874-05.11.1937), #1240619 heirateten am 22.05.1896 in Fresenheim. Sie bekamen sechs Töchter:
Helene (*1897- 1943 oder später), #1240613
-Meta (04.12.1900-14.07.1992), #1240617
-Katharina (14.10.1902-25.12.1931), #1240614
-Johanna (14.10.1904-30.01.1943)(meine Großmutter), #1254313
-Olinda (15.02.1910-28.12.1995), #1254908
-Anna (16.01.1912-01.02.2001)(meine Oma), #1157852
und einen Sohn
-Johannes  (1906-15.01.1938), #1240615

Vater Aron, Meta, Johannes, Katharina, Anna, Olinda, Johanna, Mutter Helene, Helene

Helene Penner war die Tochter von Heinrich Wilh. Penner, (23.02.1830- 05.02.1905), #342405  und Katharina geb. Bartel, (08.09.1842-02.09.1900), #139296

(1918 oder 1927?) hatte Aron Esau seine Wirtschaft verkauft und wollte mit der Familie nach Deutschland auswandern. Er hatte dann aber doch keinen Versuch unternommen, weil zu dieser Zeit schon mehrere Familien aus Moskau zurück gekommen waren ohne eine Einreiseerlaubnis von Deutschland zu bekommen.

Aron Esau muss ein tüchtiger Geschäftsmann gewesen sein. Er besaß ein beträchtliches Vermögen, das er auch in den wirren Jahren des Bürgerkrieges und Kollektivierung aufbewahren konnte. Angeblich lebte Aron bis zum Anfang des Zweiten Weltkriegs von den Zinsen seines Vermögens, das er bei einer Militärbank in der Schweiz angelegt hatte.

Für mich war es immer ein Rätsel – wie konnte mein Urgroßvater zur Sowjetzeit sein Geld ins Ausland transferieren? Die Antwort konnte ich 2019 in der Autobiografie von Johannes Joh. Dyck finden, wo er schreibt:

Ich sollte auch erwähnen, dass einer der Artikel im Friedensvertrag mit Deutschland <Brest-Litauer Vertrag> erklärt hat, dass es allen Deutschen in Russland frei steht, jederzeit nach Deutschland zurückzukehren. Alles, was sie tun müssten, wäre, sich bei einem deutschen Konsulat zu melden und einen Schutzschein zu erhalten, der dieser Person automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft mit den mit diesem Status verbundenen Rechten und Schutzrechten gewährt. Darüber hinaus war die russische Regierung durch diesen Vertrag verpflichtet, der deutschen Regierung für alle beweglichen und unbeweglichen Sachen der Rückkehrer Gold zu zahlen. Die Bundesregierung würde dieses Geld so lange in Verwahrung nehmen, bis der Rückkehrer es in Anspruch nehmen konnte. <….>

Soweit ich weiß, haben nur zwei Familien aus am Trakt den „Schutzschein“ beantragt, H. Engbrecht und Aron Esau. Sie zahlten erhebliche Summen im Konsulat in Saratov, die ihnen in Deutschland gutgeschrieben werden sollten. Zehn Jahre später schrieb Aron Esau an meinen Schwager, Johannes Isaac, hier in Kanada, um ihm einen großen Geldbetrag zu schicken, der ihm aus Deutschland zurückerstattet wurde. Als C.F. Klassen, Winnipeg, 1936 in Deutschland war, untersuchte er diese Angelegenheit und stellte fest, dass die Bank bestätigte, dass Aron Esau tatsächlich einen Kredit bei ihnen hatte, aber sie konnten diesen nicht auszahlen, da Esau der Bank keine schriftliche Genehmigung dazu erteilt hatte.
Später war ich froh, dass ich keinen „Schutzschein“ hatte. Im November brach Deutschland zusammen und der Friedensvertrag zwischen Russland und Deutschland wurde gekündigt. Esau und Engbrecht hatten wegen ihrer Schutzzertifikate große Schwierigkeiten. Weil der Friedensvertrag mit Deutschland nun für null und nichtig erklärt wurde, wurden sie zu Verrätern erklärt. (Aus dem Buch „A Pilgrim People, Volume II“, mit einem Programm ins deutsche übersetzt. A.W.)

Dass es ein Vermögen meines Urgroßvaters in Deutschland gab wurde bestätigt, denn in den 1960er Jahren hatte seine Tochter Meta Töws, die nach dem Zweitem Weltkrieg in die USA ausgewandert war, es ausgezahlt bekommen. Zuvor hatte sie bei ihren, in der Sowjetunion lebenden Schwestern, einen Erbverzicht angevordert und auch bekommen. Wie hoch der Betrag war ist mir nicht bekannt.

Aron war auch körperlich sehr groß und stark. Es wurde erzählt, dass ihm auf dem Markt im Gedränge ein Dieb in die Tasche gegriffen hat. Aron hatte seine Hand auch schnell in die Tasche geschoben und dem Taschendieb Hand zerquetscht.

Im Herbst 1930 im Rahmen der Liquidierung der Großbauernschaft auf der Basis der Kollektivierung mussten viele Familien [darunter die von Aron Esau, Kornelius (Khuter) – Wiens (die waren mit zwei Schwestern Penner verheiratet), Kornelius   „Bart“ – Wiens, Peter Bergmann mit Ehefrau Katharina (geb. Esau)] ihre Häuser verlassen und  gezwungen einige Erdbaracken bauen um zu überwintern, obwohl ihre Häuser leer standen.

Aron Esau war es gelungen mit seiner Frau Helene und den zwei unverheirateten Kindern (Johannes und Anna) aus diesem provisorischem Winterlager abzuhauen und sich in der Nähe von Leningrad (Station Lüban) niederzulassen. Mit dabei war auch die Familie seines Schwagers (Khuter)-Wiens. Der Weg nach Lüban war nicht einfach gewesen. Es gab mehrere Zwischenstationen. Es wurde erzählt, dass am Bahnhof von Swerdlowsk (Jekaterinburg) Helene gebeten wurde auf das Gepäck von fremden Reisenden aufzupassen. Das Gepäck wurde später abgeholt, aber wie es sich herausstellte nicht von den Besitzern. Das bereitete der Familie Esau zusätzliche Unannehmlichkeiten.

Aron Esau hatte sich bemüht eine Auswanderung über Finnland zu organisieren. Er hatte schon die nötige Papiere besorgt. Doch am 1.12.1934 wurde in Leningrad der Parteivorsitzende der Stadt Genosse Kirow ermordet. Darauf folgte Stalins Große Terror und der Eiserne Vorhang. So kam es nicht zu einer Auswanderung.

Im Sommer 1934 besuchte (meine Großmutter) Johanna mit ihrer ältesten Tochter Helene (meine Tante Helene) ihre Eltern Aron und Helene Esau in Ljuban bei Leningrad. Zuvor war Albert (Khuter)-Wiens Cousin von Johanna zu Besuch am Trakt. Und als er zurück nach Leningrad musste, wo er bei einer Militärschule unterrichtete bot er an die beiden mitzunehmen. Sie nutzten die Gelegenheit und kamen mit. Viel konnte meine Tante von dieser Reise nicht erzählen, nur dass sie mit Martchen (Khuter)-Wiens viel in der Umgebung spazierten und unzähligen Dahlien in den Vorgärten bewunderten. Als sie am 31. August wieder zu Hause waren, musste sie nächsten Tag in die erste Klasse.

Am Anfang des Zweiten Weltkrieges war es Aron Esau gelungen mit seiner Schwiegertochter Anna und seinen zwei Enkelinnen (Ehefrau Helene war 1937 gestorben) nach Westpreußen hinüber zu kommen. Er hatte einen Antrag auf Einbürgerung in Deutschland gestellt und diese auch bekommen:

EWZ50-B049-2360 Aron Esau

In Preuß-Stargrad war er 1943 gestorben und wurde dort auch beerdigt. Angeblich hatte er zuvor erfahren, dass sein ganzes Vermögen, welches er in Militäranleihen angelegt hatte verfallen war.

Kinder von Aron Esau und Helene (Penner)

Als die Töchter erwachsen wurden, hat der Vater sie in andere Dörfer in fremde Familien geschickt, damit sie irgendwelche Handwerke (z.B. Käse kochen, o.ä.) erwerben und auch die eigene Familie finanziell unterstützen.

Tochter Helene (*1897)

Die älteste von den Töchtern Helene (*1897), #1240613, kam in ein lutherisches Dorf Warenburg in eine wohlhabende Bauernfamilie Pflaumer. Die Familie besass eine grosse Mühle im Ort. Dort hatte sie auch ihren künftigen Ehemann Konstantin Pflaumer #1254551 (*1900) kennen gelernt. Er war Lehrer von Beruf. Ihn hat sie später geheiratet gegen den Widerstand der ganzen Verwandtschaft. Die Mennoniten mochten es gar nicht, wenn ihre Mitglieder  außerhalb der Gemeinde heirateten. Julius Wiens war auch nicht begeistert, als sein Sohn Johannes (mein Opa) mit seiner Verlobten Johanna zur Hochzeit ihrer Schwester Helene  gehen wollten.

Im Frühling 1930 wurden Pflaumers unter den ersten wohlhabenden Bauern enteignet und nach Kotlas in die Komi ASSR verbannt. Sie hatten eine Tochter Anna (1925).

Anna Pflaumer

Im Sommer 1930 sind Johannes Wiens (mein Opa) mit seinem Schwager Peter Bergmann nach Syktyvkar gereist. Sie hatten  Pflaumers dort gefunden und besucht.

Anna, Flora mit Mutter Helene Pflaumer, geb. Esau in der Verbannung
Schwestern Anna und Flora (Vera) Pflaumer

In der Verbannung bekamen sie eine Tochter Flora (30.09.1931-28.11.1992) und einen Sohn Aron (19.09.1934). Den erwähnt die Mutter von Helene in ihrem  Brief nach Kanada an ihren Bruder Heinrich Penner #14105 im Jahr 1935. Darin Schreibt sie auch, dass Helene mit Kindern sie in diesem Jahr besucht hatten.

05.01.1935 wurde Helene verhaftet und zu drei Jahren Haft verurteilt (§§ 58-10).

Bis zur Deportation 1941 bekam Schwester Johanna (meine Großmutter) Briefe von Pflaumers. Es wurde bekannt, dass Konstantin gestorben war. Helene hat bei der Post gearbeitet. Das weitere Schicksal der Familie ist unbekannt.

Im internet auf der Russischen Seite: „Список жертв политических репрессий“ habe ich merere Pflaumers gefunden. Es schien eine große Familie zu sein: Vater Alexander, Mutter Natalia, Söhne Konstantin, Edwin und Töchter Melita und Flora. Über Odnoklassniki habe ich  2014 Kontakt zur Valentina Pflaumer aufgenommen, die in Syktyvkar wohnt. Sie berichtete mir, dass ihr Vater Edwin Pflaumer hiess, er war vor 16 Jahren gestorben. Er konnte, oder wollte nicht viel aus der Vergangenheit erzählen. Doch er erzählte von seinem älteren verheirateten Bruder Konstantin, der während der Fahrt zum Verbannungsort aus dem Zug verschwunden war. Ausserdem erzählte er, dass seine Eltern in ihrem Heimatort eine große Mühle mit einigen Nebengebäuden für Arbeiter und Bediensteten besassen.  

Im Sommer 2016 hat meine Cousine Kontakt zu Ludmila Scheina geb. Jelfimowa (Людмила Шеина ур. Елфимова) aus Syktyvkar aufgenommen. Sie ist eine Tochter von Flora Pflaumer und Enkelin von Helene Pflaumer geb. Esau.

Es ist schon sehr interessant wie die Cousine sie gefunden hat. Ihre Tochter hatte Musikunterricht bei einer russlanddeutschen Frau aus Syktyvkar genommen. Eines Tages hat meine Cousine die Lehrerin gefragt ob ihr nicht irgend etwas über Pflaumers bekannt währe, weil die dort gewohnt haben. Die Lehrerin konnte nichts sagen, aber sie wollte ihre Mutter fragen, sie wusste vieles über Deutsche in Syktyvkar. Die Mutter erzählte dann, dass sie eine Vera Konstantinowna Pflaumer Kannte, sie war Buchhalterin im Betrieb, wo sie selbst gearbeitet hatte. Sie war im Kinderheim erzogen worden, war verheiratet und hatte eine Tochter Ludmila.   Später hatte die Mutter der Lehrerin meine Cousine noch mal angerufen und gesagt, dass Vera eigentlich von Zuhause Flora hiess. Weil für die Einheimische dieser Name aber schwer aussprechbar war hatte sie sich als Vera in die Papiere eintragen lassen. Ludmila war sehr überrascht die Cousine über Odnoklassniki  Kontakt mit ihr aufgenommen hat. Ihre Mutter Vera war 1992 gestorben, über ihre Eltern oder Geschwister wusste sie nichts. Sie hatte eine schwache Erinnerung, als ob sie eine ältere Schwester hatte, aber wo sie geblieben war konnte sie sich nicht erinnern. Ludmila hatte auch einige Versuche gemacht in Archiven etwas über ihre Vorfahren herauszufinden, doch sie kam nicht weiter. So war sie total überwältigt von der Nachricht, dass es doch einige wen auch entfernte Verwandte gibt. Das Geburtsjahr ihrer Mutter wurde im Kinderheim auf 1931 geschätzt und der Geburtstag auf den Tag der orthodoxischen Heiligen Vera, Nadeshda, Ljubow den 30 September gelegt. Im Januar 2017 hat Ludmila aus dem Archiv eine Bescheinigung bekommen, dass am 1. Januar 1943 Helene und Anna Pflaumer von der NKWD zum Arbeiten dem Betrieb „Komiles“ überführt wurden. Demnach waren Anfang 1943 Mutter und Tochter noch am Leben. 

Tochter Meta (1900-1993)

 

Meta Esau

Die jüngere Tochter Meta (04.12.1900-14.07.1992), #1240617, heiratete Gustav Töws (†1925), #1240616. Der Mann war Witwer und hatte vier Kinder aus seiner ersten Ehe. Sie ist mit ihrem Mann und den Kindern 1921 nach Danzig in die Heimat ihrer Vorfahren ausgewandert. So versuchten sie der Hungersnot, die infolge der Enteignung von Bauern und Missernten entstanden war, zu entkommen. Während ihres Aufenthalts in Westpreußen hatten sie die deutsche Untertanschaft erworben. 1922, als die NÖP (Neue Ökonomische Politik der Sowjets) eingeleitet wurde und  auch die Bauern Am Trakt wieder aufatmen konnten, sind die Töws an die Wolga zurückgekehrt.

In seinen Erinnerungen erwähnt Jakob Wiebe den Aufenthalt von Meta Töws in Deutschland. (Robert Frisen „Mennoniten in Mittelasien“ S.287)

Vermutlich 1927, als die Bauern abermals enteignet und verbannt wurden, ist Meta mit ihren Kindern (Ehemann Gustav war inzwischen gestorben) nach Danzig gegangen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Familie aus Deutschland in die USA, Kalifornien ausgewandert.

Aron Esau mit Mutter Meta und Frau Patricia, geb. Häppner

Aron (03.04.1924-11.12.1995), #412304 der einzige leibliche Sohn von Meta war mit  Patricia Heppner (*12.01.1927), #412302 verheiratet. Die Ehe blieb kinderlos. Es wurde erzählt, dass Aron im Krieg bei der deutschen Luftwaffe war und angeblich auch über seine Heimat an der Wolga geflogen war.

Tochter Katharina (1902-1931)

Katharina Aron Esau mit ihrem Ehemann Peter Abr. Bergmann

Katharina (14.10.1902-25.12.1931), #1240614 war mit Peter Bergmann  (01.05.1902-04.10.1938), #1157810 verheiratet (S. Fam. Bergmann). Sie hatten zwei Kinder Abram (09.11.1927-29.02.1988), #1157850 und Bruno (13.10.1929 -29.08.1931), #1157851

Am 19. Juli 1931 wurden Bergmanns zusammen mit anderen enteigneten Bauern durch Ostenfeld in Richtung Station abtransportiert. Von dort wurden sie nach Kasachstan (Gebiet Karaganda) zwangsdeportiert. Als der Wagen mit Katharina am Haus von Johannes Wiens vorbeifuhr ist Katharina abgestiegen um sich von ihrer Schwester Johanna zu verabschieden. Die Schwestern standen sich sehr nah – sie hatten nur zwei Jahre Altersunterschied. Johanna lag Zuhause im Bett mit ihrer neugeborenen Tochter Katharina. Die Schwestern hatten sich nie wieder gesehen, denn im selben Jahr, kurz vor Weihnachten, kam aus Kasachstan ein Telegramm, mit der Nachricht, dass Katharina gestorben war. Sie hatte zwei Söhne Abram und Bruno hinterlassen.

Tochter Johanna (1904-1943)

(Meine Großmutter)

Johanna Esau mit ihrem Ehemann Johannes Wiens

Johanna (14.10.1904-30.01.1943), #1254313, kam als Einzige von ihren Schwestern in ein russisches Dorf. Dort hatte sie einigermaßen die russische Sprache erlernt, was ihr später sehr nützlich war.

Johanna war mit Johannes Julius Wiens (03.02.1899-12.11.1981). #1254271 (meinem Großvater) verheiratet

(s. Fam. Wiens)

Tochter Olinda (1910-1995)

Olinda Aron Esau mit ihrem Ehemann Heinrich Joh. Töws

Olinda  (15.02.1910-28.12.1995), #1254908, heiratete Heinrich Töws (11.01.1904-20.07.1970), #1254918. Die  Familie wohnte in Fresenheim, wo auch ihre Kinder zur Welt kamen.

Tochter Hildegard (*1930), #1254628, im Alter von 24 Jahren in Kasachstan gestorben und

Sohn Johannes (15.08.1932-23.11.2013, #1254316.

In den 30-er war die Familie von ihrem Heimatort weggezogen. Sie wohnten an verschiedenen Orten in Russland. Zunächst in der Nähe von Leningrad (zusammen mit Olindas Vater Aron Esau), danach ab 1934 längere Zeit in der Gegend von Woronesh. Heinrich wurde verhaftet und musste 10 Jahre Haft büßen. Ab 1939 wohnte die Familie in Kasachstan, Gebiet Karaganda, wo auch der jüngste Sohn Viktor geboren wurde.

 

 Tochter Anna (1912-2001)

(Meine Oma)

Anna Aron Esau mit ihrem Ehemann Peter Abr. Bergmann und Stiefsohn Abram

Ein paar Jahre nach dem Tod von seiner Ehefrau Katharina hat Peter Bergmann um die Hand ihrer Schwester Anna geworben. Er kannte sie gut und die Kinder brauchten eine Mutter. Anna hatte eingewilligt und 1935 begleitete sie ihr Vater Aron Esau heimlich von Lüban, Gebiet Leningrad nach Karaganda. Peter Bergmann und Anna Esau heirateten und bekamen einen Sohn Bruno (1936-1987).

1938 wurde Peter Bergmann verhaftet und in Kürze erschossen.

Anna hatte Abram und Bruno allein großgezogen.

1957 heiratete Anna ihren verwitweten Schwager Johannes Wiens (mein Opa), behielt aber den Namen Bergmann.

hinten von li.: Alicia und Irma Esau, Töchter von Johannes Aron Esau, vorne Abram Peter Bergmann mit Ehefrau Alina

Stiefsohn Abram heiratete Alina Nikolaewna. Die Ehe blieb kinderlos.

Bruno Bergmann

Bruno heiratete sehr spät. Mit seiner Frau Galina (1939-2017) bekamen sie zwei Kinder.

Sohn Johannes (1906-1938)

Johannes Aron Esau mit Ehefrau Anna Peter Bergmann

Johannes Esau  (1906-15.01.1938), #1240615, war heimlich aus Leningrad in seinen Heimatort zurückgekommen um seine Verlobte Anna Peter Bergmann (09.11.1909-26.03.2013), #1254451, abzuholen. Bei dieser Gelegenheit hatte er auch seine Schwester Johanna besucht. Johannes und Anna haben in Lüban geheiratet und bekamen zwei Töchter:

-Irma (*02.08.1932) #1254791 und

-Alicia (*23.07.1935), #1254284

Johannes arbeitete bei der Bahn. Er bediente elektrische Anlagen auf der Strecke Leningrad – Wladiwostok. Eine Woche war er hin gefahren, die nächste zurück und danach hatte er zwei Wochen frei. Im Jahr 1937 war er von einer seinen Dienstreisen nicht zurückgekehrt. Sein weiteres Schicksal war lange unbekannt.

Auf der Seite „Memorial“ im Internet habe ich gefunden, dass Johannes Esau am   22.12.1937 verhaftet, am 10.01.1938 erschossen und in Leningrad beerdigt wurde.

Im Zweiten Weltkrieg war Anna mit ihrem Schwiegervater Aron und ihren beiden Töchtern nach Deutschland, Preuß-Stargrad gekommen. Im Durchgangs – Beobachtungslager Konitz hatte sie einen Antrag auf Einbürgerung gestellt und diese auch bekommen:

EWZ50-B049-2344 Anna Esau (Bergmann)

Eine Zeit lang lebten sie angeblich auf Rügen. Nach dem Krieg konnte sie mit ihren Töchtern in Deutschland bleiben, aber sie wollte zurück nach Russland. Sie hatte noch die Hoffnung ihren verschleppten Mann irgendwann mal wieder zu sehen. Zu einem ihrer Verwandten sollte sie später einst gesagt haben: „Wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weis, währe ich niemals zurück gekommen.“ Seltsamer weise konnten sie sich wieder im gleichen Ort niederlassen, obwohl die meisten Deutschen (auch Russen), die während des Krieges in Deutschland waren, nach Sibirien verbannt wurden. Sie wohnten auch nach dem Krieg in Lüban.

Die Tochter Alicia war Lehrerin und starb an einem Herzversagen noch in jungen Jahren. Die ältere Tochter Irma hat geheiratet und wohnt mit ihrer Familie (sie haben einen Sohn) im Gebiet Leningrad.

Beobachtungslager sind im Buch „Nationalsozialistische „Volkstumsarbeit“ und Umsiedlungspolitik 1933-1945“ von Markus Leniger beschrieben worden:

https://books.google.de/books?id=qQBiTavg2b0C&pg=PA111&lpg=PA111&dq=beobachtungslager+konitz&source=bl&ots=i26FaiBNQ-&sig=ACfU3U3JckEKmRZiwu6_rfr9kN68cVYP2A&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwit47y2ufzfAhXEmLQKHdQ-DE4Q6AEwAHoECAcQAQ#v=onepage&q=beobachtungslager%20konitz&f=false

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