Heinrich Unger (1861-1929)

Heinrich Unger (12.02.1861, Hahnsau, Am Trakt – 15.08.1929, Köppental, Am Trakt), hatte sich als junger Mann einer Gruppe Auswanderer angeschlossen, die unter Führung von Claas Epp (jnr.) einen Bergungsort für ihre Gemeinde im Osten suchten. Bei Heinrich kam noch ein weiterer Grund hinzu. Mit seiner Auswanderung wollte er der Einberufung zum Ersatzdienst entkommen. Auf jeden fall gingen am 03.07.1880 18 Familien mit beladenen Wagen vom Trakt in Richtung Taschkent.
Johannes Jantzen schreibt am 3. Juli 1880:
Morgen<s>, Begräbnis von Franz Bartsch sein Kind. 11 Uhr Abvahrt der ersten Geschwister nach Turkestan. 10 Familien jeder mit zwei Wagen.
R. Friesen „Aus Preussen über Russland und Turkestan nach Amerika“, S. 283
Heinrich hatte sich der Familie von Gerhard Janzen Angeschlossen. Die Reise dauerte lange und war sehr beschwerlich. Die Auswanderer versuchten an verschiedenen Orten in Mittelasien sich niederzulassen. Mal wurden sie an dem Ort, den sie für sich ausgesucht hatten nicht geduldet, oft wurden sie ausgeraubt, so zogen sie immer weiter, bis sie beim Chan von Chiwa Schutz gefunden hatten. Er hatte ihnen einen Ort zugewiesen, wo später die Mennonitensiedlung Ak-Metschet entstanden war. Dabei wurde eine Vereinbarung getroffen, dass die Mennoniten Holzarbeiten in seinem Palast errichten sollten. Da Heinrich keinen handwerklichen Beruf beherrschte, viel es ihm schwer irgend wie Geld zu verdienen. Am 26.06.1883 hat er Elisabeth Peters, die Tochter von Peter Peters geheiratet und am 20.03.1884 wurde ihr älteste Sohn Henrich geboren. Jetzt musste er eine Familie ernähren. Es waren schon einige Familien nach Amerika ausgewandert.

So entschloss sich Heinrich mit zwei weitern Familien – Heinrich Wiebe und Michael Klassen nach Amerika zugehen. Sie hatten sich mit Verwandten in Amerika in Verbindung Gesetzt und von dort Unterstützung bekommen. Die drei Familien machten sich auf den Weg in die Neue Welt. Geplant war noch Am Trakt vorbei zu kommen, um Abschied von Verwandten und Bekannten zu nehmen. Unterwegs, in Orenburg besorgten sie sich die für die Auswanderung nötige Papiere. Heinrich mit seiner Familie kam zum Bruder Jakob nach Hahnsau, der mittlerweile die väterliche Wirtschaft übernommen hatte.

Es könnte sein, dass er mit den Behörden wegen seiner Dienstverweigerung Ärger bekommen hatte, denn am 26.07. 1885 schrieb Johannes Dyck in seinem Tagebuch:
Es wird berichtet, dass der junge Unger aus Hahnsau, der hier mit seiner Frau auf seiner Reise nach Amerika Halt machte, von Johann Janzen dem Polizeiinspektor gemeldet wurde, weil er vor drei Jahren weggezogen ist, obwohl er zum Militärdienst verpflichtet war. Jetzt soll er zur Befragung nach Nowousensk gebracht werden; wahrscheinlich muss er seinen Dienstzeit in der Forstabteilung ableisten.
Ob es für ihn tatsächlich Konsequenzen gab wird nicht berichtet.

Mit der Auswanderung nach nach Amerika hatte es bei Heinrich Unger nicht geklappt. Als sie einen Monat bei Jakob gewohnt hatten, brach bei seinem Nachbarn ein Feuer aus. Es ging auf Ungers Haus rüber und weiter zu den Nachbarn Abraham Neumann und Dietrich Penner.
So schreibt über dieses Ereignis Johannes Dyck im August 1885 in seinem Tagebuch:
4. Sonntag. … Um 15.00 Uhr brach bei Bratt in Hahnsau ein Feuer aus, das alle seine Wirtschaftsgebäude zerstörte. Bei mäßigem Nordwind wanderte das Feuer dann weiter zu Unger, dann zu Abraham Neumann und von dort zu D. Penner, wo alles bis auf den Boden niederbrannte. Ich kam um 4 Uhr an, als die Dächer schon alle weg waren. B. Epps Haus konnte gerettet werden. 
5. Am Abend untersuchten wir das Feuer, konnten aber die Ursache für seinen Ausbruch nicht finden. Der Polizeiinspektor kam und wollte die Aufräumarbeiten von den Bränden verbieten, aber sie schenkten ihm keine Beachtung. 
6. Am Vormittag habe ich den Brandschaden in Hahnsau bewertet. Unsere Leute haben geholfen, das Feuer von gestern zu beseitigen. 
Bei diesem Brad wurden auch die Papiere für die Auswanderung vernichtet und weil Heinrich Ungers bei seinem Bruder nicht eingeschrieben waren bekamen sie kein Geld von der Versicherung obwohl der Schaden bei ihnen groß war. So blieben sie weiter Am Trakt. Heinrich versuchte seine Familie mit gelegentlichen Beschäftigungen zu ernähren, doch es war nicht leicht. Seine Frau Elisabeth wurde 1888 für 11 Monate nach Preußen geschickt, um einen Beruf als Hebamme auf Kosten der Gemeinde zu erlernen. In diesem Beruf hatte sie dann 32 Jahre gearbeitet. Vom Kreis hatten sie auch ein Haus in Ostenfeld gegenüber von Fasten bekommen. Später bekamen sie eine halbe Feuerstelle Land (32,5 Desjatin) und konnten Landwirtschaft betreiben.

Silberhochzeit von Heinrich Unger und Elisabeth, geb. Peter Peters. Gefeiert am 26.06.1908 in Ostenfeld

Heinrich Unger und Elisabeth, geb. Peters hatten neun Kinder, die erwachsen wurden:
Heinrich, (*20.03.1884), verheiratet mit Margaretha Nikolaj Wall, (09.11.1884 – 29.11.1919)
Elise, (19.01.1886 – 12.10.1912), verheiratet mit Heinrich Janzen, (*09.07.1878)
Katharina-Renate, (27.08.1887-27.07.1923), verheiratet mit Peter (Nikolaj) Wall (17.04.1882-1923). Beide an Typhus gestorben.
Helena-Cornelia, (14.091890-30.01.1892)
Cornelia, (08.02.1893-30.07.1893)
Johanna, (*08.02.1893), Zwillingsschwester von Cornelia
Anna, (23.11.1894 – 20.10.1944), verheiratet mit Gustav Joh. Wall, (02.11.1892 – 16.04.1939)
Johannes, (30.12.1896-17.06.1897)
Jakob (24.08.1901-04.02.1906)
Am 08.02.1908 heiratete Sohn Heinrich und Vater Heinrich Unger überlies ihm Seine Wirtschaft in Ostenfeld. 1909 wurde die Stelle eines Kirchendieners in Orloff frei und wurde an Vater Heinrich vergeben. Zum 01.10.1901 zogen Heinrich und Elisabeth mit Tochter Johanna nach Orloff um.

Seine Geschichte hat Heinrich Unger in seinem Lebenslauf beschrieben.

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